{"id":22765,"date":"2019-06-15T11:28:06","date_gmt":"2019-06-15T09:28:06","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2019\/06\/15\/ursula-schulz-die-frau-die-dr-sommer-war\/"},"modified":"2019-06-15T11:28:06","modified_gmt":"2019-06-15T09:28:06","slug":"ursula-schulz-die-frau-die-dr-sommer-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2019\/06\/15\/ursula-schulz-die-frau-die-dr-sommer-war\/","title":{"rendered":"Ursula Schulz: Die Frau, die &#8218;Dr. Sommer&#8216; war"},"content":{"rendered":"<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-22764\" src=\"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/106879542ac3db90f1eb1c6ad7a6a9f9.jpg\" alt=\"Foto: Monika Asmus\" class=\"caption\" title=\"Ursula Schul bei der Lekt\u00fcre der Bravo\" width=\"655\" height=\"400\" \/>\n<p>B\u00fcrgermeisterin Ursula Schulz: Die Frau, die \u201eDr. Sommer\u201c war. Die&nbsp;Wuppertalerin beantwortete als Mitglied des BRAVO-Aufkl\u00e4rungs-Teams Fragen der jungen Leserinnen und Leser.<\/p>\n<p>  <!--more-->  <\/p>\n<p><strong>Wuppertal, 15.06.2019<\/strong> &#8211; Es ist mehr als 60 Jahre her: Am 26. August 1956 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift BRAVO. Was als Film- und Fernsehzeitschrift begann, entwickelte sich bald zur erfolgreichsten Jugendzeitschrift des letzten Jahrhunderts. Den gr\u00f6\u00dften Erfolg hatte die BRAVO in den 80er und 90er Jahren. Wichtigster Bestandteil, damals wie heute, ist die Aufkl\u00e4rungsrubrik &#8222;Dr. Sommer&#8220;. Auch heute noch z\u00e4hlt &#8222;Dr. Sommer&#8220; zu den meistgesuchtesten Begriffen der BRAVO-Website.<\/p>\n<p>Was viele Wuppertaler nicht wissen: Hinter dem Pseudonym Dr. Sommer verbirgt sich ein Soziologen-Team. Und ein Mitglied dieses Experten-Gremiums sitzt heute im Wuppertaler Rathaus: Ursula Schulz, B\u00fcrgermeisterin der SPD Ratsfraktion. Sie k\u00fcmmert sich zwar nicht mehr um Aufkl\u00e4rung, daf\u00fcr aber um die Belange der Wuppertaler B\u00fcrger: Zehn Jahre lang, von 1972 bis 1982, traf sie sich regelm\u00e4\u00dfig mit Dr. Martin Goldstein und weiteren Soziologen in Goldsteins Praxis in D\u00fcsseldorf und erarbeitete im Team die Aufkl\u00e4rungsseiten der BRAVO.<\/p>\n<p>Mittlerweile hat der Verlag \u00fcber 50 % seiner Print-Auflage eingeb\u00fc\u00dft, aber BRAVO geht mit der Zeit: 2001 ging die BRAVO-Website online, und auch auf Facebook hat BRAVO \u00fcber eine Million Fans. \u201eDas Hauptthema zu unserer Zeit war Einsamkeit \u2013 und das ist es wahrscheinlich auch heute noch\u201c, sagt Ursula Schulz. Sie sitzt in ihrem B\u00fcrgermeisterzimmer im Barmer Rathaus, vor ihr liegen BRAVO-Hefte aus den 90er Jahren. \u201eDie Hefte aus meiner Zeit verstauben irgendwo auf dem Dachboden.<\/p>\n<p>Da m\u00fcsste ich lange suchen\u201c, erkl\u00e4rt sie und bl\u00e4ttert durch die neueren Exemplare.\u201eZu unserer Zeit waren die Aufkl\u00e4rungsseiten noch anders aufgebaut. Es wurden keine Briefe abgedruckt wie heutzutage, sondern eher Geschichten erz\u00e4hlt, in denen Aufkl\u00e4rung verpackt wurde.\u201c Briefe kamen aber auch damals schon \u2013 ganze W\u00e4schek\u00f6rbe voll.<\/p>\n<p>Aus dieser Post wurde dann herausgefiltert, welche Themen die Jugendlichen gerade am meisten besch\u00e4ftigten. Beantwortet wurden die Briefe nat\u00fcrlich auch. \u201eEinige Schreiben waren schon heftig. Andere wiederum bedurften keiner Antwort. Die Jugendlichen wollten einfach nur \u00fcber ihr Gef\u00fchlsleben berichten\u201c, erinnert sich die Wuppertaler Politikerin.<\/p>\n<p>Der Kontakt zu Dr. Goldstein kam damals \u00fcber den Peter-Hammer Verlag und ihren Mann zustande. Ursula Schulz selbst ist gelernte Buchh\u00e4ndlerin, Journalistin und war selbst einmal Chefredakteurin einer Jugendzeitschrift. Noch heute ist sie stolz auf ihre T\u00e4tigkeit im Dr. Sommer Team. \u201eDie Aufkl\u00e4rung in der BRAVO war derma\u00dfen fortschrittlich, das machte zu der Zeit sonst keiner\u201c, berichtet sie. Sie wundert sie sich nach wie vor dar\u00fcber, dass der Verlag die Dr. Sommer Beitr\u00e4ge nicht zensierte. \u201eWir betrieben progressive Sexualaufkl\u00e4rung, und das in einem so konservativen Verlag wie dem Bauer-Verlag.\u201c<\/p>\n<p>Auf den Aufkl\u00e4rungsseiten ging es um Themen wie Menstruation, das erste Mal, Partnersuche oder Homosexualit\u00e4t. Gerade bei Themen wie Homosexualit\u00e4t mussten die Soziologen selbst noch Vorurteile abbauen. \u201eWir wurden ja ganz anders erzogen\u201c, erinnert sich Ursula Schulz. \u201eUns wurde noch beigebracht, dass Homosexualit\u00e4t schlecht und etwas Verbotenes ist.\u201c<\/p>\n<p>Dabei war die gleichgeschlechtliche Liebe unter M\u00e4nnern in den 70er Jahren tats\u00e4chlich noch per Gesetz untersagt. \u201eNach damaligen M\u00f6glichkeiten haben wir zu Homosexualit\u00e4t Stellung genommen\u201c, lenkt sie ein. Ein homosexueller Freund Dr. Goldsteins las die Themenseiten. \u201eEr konnte sich darin wiederfinden, das war unsere Best\u00e4tigung.\u201c<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich geht die Gesellschaft heutzutage viel aufgeschlossener mit Themen der Sexualit\u00e4t um als noch vor 30 Jahren. Aber eines hat sich laut Ursula Schulz bis heute nicht ge\u00e4ndert: \u201eJugendliche wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger aufgekl\u00e4rt werden, und schon gar nicht von den eigenen Eltern.\u201c<\/p>\n<p>Aus diesem Grund entwickelte das Dr. Sommer Team spannende Kurzgeschichten und Themenplakate, mit deren Hilfe es den Jugendlichen verschiedene Bereiche der Sexualit\u00e4t erkl\u00e4rte. Gute Aufkl\u00e4rung nimmt \u00c4ngste, da ist Wuppertals B\u00fcrgermeisterin sich sicher.<\/p>\n<p>Ihrer Meinung nach fehlen Jugendlichen oft kompetente Ansprechpartner \u2013 auch heute noch. Ebenso hat sich an den Themen, die Jugendliche in der Pubert\u00e4t besch\u00e4ftigen, bis heute nicht viel ge\u00e4ndert. Gef\u00fchle der Einsamkeit und Isolation stehen nach wie vor im Zentrum. \u201eZwar versuchen Jugendliche heute, ihre Einsam- keit durch soziale Medien zu kompensieren, doch diese Interaktion befriedigt nur vordergr\u00fcndig\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>\u00dcber das Erscheinungsbild und die Aufkl\u00e4rungsseiten der BRAVO heutzutage, m\u00f6chte Ursula Schulz nicht urteilen. Auch die Website hat sie bisher noch nicht besucht. Doch eines wei\u00df sie sicher: \u201eMeine Enkelkinder werden ganz bestimmt nicht durch die BRAVO aufgekl\u00e4rt, das funktioniert mittlerweile anders.\u201c<\/p>\n<p>Grenzenlose Zug\u00e4nge zum Internet haben der Aufkl\u00e4rungsfunktion der BRAVO den Rang abgelaufen. Ob die Aufkl\u00e4rung dadurch besser geworden ist, auch dazu m\u00f6chte Ursula Schulz sich nicht \u00e4u\u00dfern. Fest steht aber, in den 70er und 80er Jahren war die Sexualaufkl\u00e4rung durch unser Dr. Sommer Team eher missionarisch. \u201eUnd auch der Erwachsenengeneration konnten wir durch Dr. Sommer noch etwas beibringen.\u201c <strong>(hf)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00fcrgermeisterin Ursula Schulz: Die Frau, die \u201eDr. Sommer\u201c war. 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