{"id":22609,"date":"2020-12-23T06:49:08","date_gmt":"2020-12-23T05:49:08","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2019\/05\/21\/bruder-dirk-ein-offenes-ohr-fuer-suender\/"},"modified":"2022-01-23T09:31:06","modified_gmt":"2022-01-23T08:31:06","slug":"der-moench-bruder-dirk-hat-ein-offenes-ohr-fuer-suender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2020\/12\/23\/der-moench-bruder-dirk-hat-ein-offenes-ohr-fuer-suender\/","title":{"rendered":"Der M\u00f6nch Bruder Dirk hat ein offenes Ohr f\u00fcr S\u00fcnder"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_44851\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-44851\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/MG_6486-2-1024x761.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"761\" \/><span class=\"wp-caption-text\">(V.l.) B\u00fcrgermeister Heiner Fragemann, Stefan Mageney (1. Vorsitzender Verein \u201eWuppertal Hilft\u201c), Bruder Dirk Wasserfuhr (kath. \u201eKreuzherren\u201c-Orden) &#8211; \u00a9\u00a0OMK MEDIA Oliver M. Klamke<\/span><\/div>\n<p>Gut gelaunt begr\u00fc\u00dft mich Bruder Dirk Wasserfuhr (61) vom katholischen Kreuzherren-Orden in den R\u00e4umen des Klosters, die er selber bewohnt. &#8222;Zur Miete beim Bistum K\u00f6ln&#8220;, wie er betont. Wer hinter den Klostermauern ein karges M\u00f6nchsleben erwartet, wird erst einmal entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p>Statt einer einsamen M\u00f6nchszelle, findet man in Wasserfuhrs Arbeitszimmer antike M\u00f6bel &#8211; Erbst\u00fccke aus anderen Kl\u00f6stern &#8211; einen modernen Fernseher und aktuelle Erdkunde-Zeitschriften neben Heiligenbildern und einem Portrait von Papst Franziskus. Alles ist Eigentum des Ordens. Er selbst darf keine weltlichen Dinge besitzen.<\/p>\n<p>Es duftet nach Kaffee.\u00a0Bruder Dirk, wie er hier von allen genannt wird, ist ein frommer, aber kein weltfremder Mann. Vielmehr hat der M\u00f6nch ein Anliegen: Die Kirche mit Leben zu erf\u00fcllen. &#8222;Der Geist von Christus treibt uns an, nicht leere entseelte Formen zu h\u00fcten und weiterzugeben, sondern die Inhalte stets aufs Neue zu betrachten und sie in unserer Zeit zu verlebendigen.&#8220;<\/p>\n<p>Das hat er den Beyenburgern in einem Gru\u00dfwort mit auf den Weg gegeben. Und so ist das Kloster Steinhaus, immerhin das \u00e4lteste erhaltene Geb\u00e4ude im gesamten Stadtgebiet von Wuppertal, inzwischen zu einer Art Patchwork-Ensemble geworden. Neben den wenigen Zimmern, die Bruder Dirk und seinem Orden bleiben, hat sich ein Ehepaar eingemietet.<\/p>\n<p>Die Kaminzimmer im Erdgeschoss dienen als Tagungsraum und sozialer Treffpunkt. Daneben hat sich ein Pflegedienst einquartiert. Den Keller des Hauses bauen die Jugendlichen des Ortes wiederum nach und nach zu einem Partykeller aus.<\/p>\n<p>&#8222;Wenn die ihre Feiern machen, kann ich zwar nachts manchmal nicht schlafen&#8220;, sagt Bruder Dirk, der direkt dar\u00fcber wohnt, &#8222;aber ich freue mich, dass sich die jungen Menschen engagieren.&#8220;<\/p>\n<p>2.000 Euro seien bei der letzten Party eingenommen worden, die nun an die Fl\u00fcchtlingshilfe gingen, berichtet er stolz und erg\u00e4nzt: Konfessionen seien dabei unwichtiger geworden. Fr\u00fcher, als Dirk Wasserfuhr noch selber in Beyenburg zur Schule ging, war das anders. Da trennte die Bahnlinie Oberbarmen-Dahlhausen die Katholiken im historischen Ortskern von den Protestanten mit den schicken Fabrikantenvillen am Ortsrand.<\/p>\n<p>&#8222;Zusammen spielen war verp\u00f6nt&#8220;, sagt Wasserfuhr. Die Klosterkirche, die sich mitten im Ort \u00fcber den Schieferh\u00e4usern mit ihren gr\u00fcnen Fensterl\u00e4den erhebt, war damals nicht nur Zentrum, sondern auch Autorit\u00e4t des Ortes. So kam Wasserfuhr bereits fr\u00fch mit der Kirche in Kontakt und beschloss im Alter von 20 Jahren, sich dem \u00f6rtlichen Orden anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>&#8222;Verzicht ist eine andere Art von Freiheit&#8220;, sagt Bruder Dirk philosophisch und etwas nebul\u00f6s zu seinen Motiven. Seitdem sagt er &#8222;wir&#8220; wenn er von seinem Orden, den Kreuzherren, spricht und beim Rundgang durch das Kloster und die imposante Klosterkirche mit immer neuen historischen Daten und Anekdoten aufwartet: &#8222;Eigentlich haben wir das Kloster 1298 nur geschenkt bekommen, weil den Grafen von Berg ein schlechtes Gewissen plagte.&#8220;<\/p>\n<p>Der Graf hatte einige Jahre vorher in der Schlacht von Worringen zwar an weltlicher Macht gewonnen, f\u00fchlte sich aber nun durch seine ziemlich brutale Kriegsf\u00fchrung bereits mit einem Bein in der H\u00f6lle.<\/p>\n<p>Nach mittelalterlicher Logik war ein Kloster das perfekte Mittel, um nun um Ablass zu bitten. Sp\u00e4ter beherbergte das Kloster im Winter gerne die Burgf\u00e4uleins der nahen Beyenburg, die es in den Kaminzimmern des Klosters viel behaglicher fanden, als in den zugigen R\u00e4umen auf der bergw\u00e4rts gelegenen Burg.<\/p>\n<p>Das Kloster, genau eine Pferdetagesreise von K\u00f6ln und Dortmund an der Zollgrenze zwischen dem Rheinland und Westfalen gelegen, war auch \u00fcber Jahrhunderte eine beliebte Zwischenstation f\u00fcr H\u00e4ndler und Pilger. 1804 wurde Kloster Steinhaus unter Napoleon aufgel\u00f6st und erst \u00fcber 150 Jahre sp\u00e4ter in der fr\u00f6mmelnden Nachkriegszeit von dem inzwischen in die Niederlande ausgewanderten Kreuzherren-Orden wieder seiner urspr\u00fcnglichen Bestimmung \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Der Name Kreuzherren klingt \u00fcbrigens weitaus martialischer als er ist. Bruder Dirk: &#8222;Das Grundprinzip unseres Ordens lautet Bescheidenheit.&#8220;<\/p>\n<p>Bruder Dirk steht auf dem Friedhof der Kreuzherren und blickt auf die Gr\u00e4ber seiner Mitbr\u00fcder. Dort snd auch die beiden Ordensbr\u00fcder begraben, mit denen er noch im Kloster zusammen lebte und zusammen betete.<\/p>\n<p>Rundherum rauschen die herbstlichen W\u00e4lder der Wupperh\u00e4nge. An der Friedhofspforte gr\u00fc\u00dft das Symbol des Ordens: Ein schwarz-rotes Kreuz. Es ist ein wenig so, als k\u00f6nne man einer Tradition beim Aussterben zusehen.<\/p>\n<p>Dirk Wasserfuhr gibt sich keiner Illusion hin, dass man Nachwuchs f\u00fcr den Orden finden k\u00f6nne. Die Gel\u00fcbde eines Ordensbruders &#8211; kein Eigentum, keine Partnerschaft, lebenslange Bindung und Gehorsam dem Orden gegen\u00fcber &#8211; seien heutzutage kaum noch zu vermitteln.<\/p>\n<p>Auch der F\u00f6rderverein, der mittlerweile 85 Prozent der Unterhaltskosten f\u00fcr das Kloster tr\u00e4gt, schaut eher auf die Gegenwart, als auf die Zukunft. &#8222;Mit Bruder Dirk haben wir jedenfalls ein lebendiges Klosterleben&#8220;, sagt Bernd Grasedieck, stellv. Vorsitzender des F\u00f6rdervereins Klosterkirche Beyenburg, und verweist auf sein Engagement in der Seelsorge und der Gesundheitspflege.<\/p>\n<p>Bruder Dirk tr\u00f6stet sich derweil mit der Tatsache, da\u00df sein Orden auf der S\u00fcdhalbkugel der Erde keinerlei Nachwuchsprobleme hat: &#8222;Da tobt das pralle Leben.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Auch S\u00fcnder sind willkommen&#8220;, steht auf einem Schild am Eingang des Klosters. Das meint Bruder Dirk w\u00f6rtlich. Er, der ausgebildete Krankenpfleger, der h\u00e4ufig Kranken und auch Sterbenden Trost spendet, bietet Pilgern und Menschen, die vom Schicksal gebeutelt wurden und Abstand gewinnen wollen, eine Unterkunft auf Zeit.<\/p>\n<p>Er h\u00f6rt geduldig zu, wenn sie sich etwas von der Seele reden wollen. Sein Haus ist immer offen. Nicht selten kommt er nach Hause und ein Hilfesuchender wartet bereits im Wohnzimmer auf ihn.<\/p>\n<p>Fr\u00fchmorgens und sp\u00e4tabend besucht er gern den kleinen, idyllischen Friedhof, auf dem seine Ordensbr\u00fcder die letzte Ruhest\u00e4tte gefunden haben. &#8222;Im Sommer lege ich mich dann oft auf den R\u00fccken, schaue in den Sternenhimmel und bete oder philosophiere&#8220;, erz\u00e4hlt Bruder Dirk, der letzte M\u00f6nch in Beyenburg, der seine Bestimmung und sein Seelenheil gefunden hat. <strong>(dfpp)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bruder Dirk\u00a0ist Mitglied des &#8222;Kreuzherrn-Ordens&#8220; und lebt im Beyenburger Kloster Steinhaus. Er ist der letzte Ordensbruder in Wuppertal &#8211; doch ein Einsiedler ist er nicht. Fast das ganze Jahr \u00fcber lebt Dirk Wasseruhr zur\u00fcckgezogen hinter ehrw\u00fcrdigen Klostermauern. Doch in der beschaulichen Weihnachtszeit steht er auch schon mal im Lichtkegel &#8211; so wie gestern (15.12.) als Protagonist in der WDR-Sendung &#8222;Aktuelle Stunde&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":22607,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[6008,6007],"class_list":["post-22609","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wuppertal","tag-kloster-beyenburg","tag-klosterkirche-beyenburg"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-06-26 17:09:19","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22609","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22609"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22609\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45480,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22609\/revisions\/45480"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22609"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22609"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22609"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}