{"id":22483,"date":"2019-05-03T10:51:01","date_gmt":"2019-05-03T08:51:01","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2019\/05\/03\/dr-gerhard-finckh-hinterlaesst-grosse-fussstapfen\/"},"modified":"2022-12-09T12:45:09","modified_gmt":"2022-12-09T11:45:09","slug":"dr-gerhard-finckh-hinterlaesst-grosse-fussstapfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2019\/05\/03\/dr-gerhard-finckh-hinterlaesst-grosse-fussstapfen\/","title":{"rendered":"Dr. Gerhard Finckh hinterl\u00e4sst gro\u00dfe Fu\u00dfstapfen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_45294\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45294\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/IMG_1604_a-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Gerhard Finckh &#8211; \u00a9 Dirk Sengotta<\/span><\/div>\n<p>Die mit Abstand erfolgreichste Kunst-Pr\u00e4sentation in der langj\u00e4hrigen Geschichte des von der Heydt-Museums. Dr. Gerhard Finckh ist gegangen &#8211; eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger steht noch nicht fest. Das Museum wird derzeit\u00a0von der stellvertretenden Direktorin Antje Birth\u00e4lmer kommissarisch geleitet.<\/p>\n<p>Das Von der Heydt-Museum ist weit \u00fcber die Grenzen Wuppertal hinaus bekannt. Ganz sicher mit ein Verdienst des langj\u00e4hrigen Museumsdirektor Dr. Gerhard Finckh, dem Initiator erfolgreicher Ausstellungen von weltber\u00fchmten Malern wie Pierre-Auguste Renoir, Claude Monet oder Camille Pissarro. Die STADTZEITUNG wiederholt an dieser Stelle ein Interview mit dem angesehenen Kunst-Manager.<\/p>\n<p><strong>DS: Ist eine Ausstellung dann gut, wenn sie viele Besucher hat?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Gerhard Finckh: \u201eNein. Die Besucherzahl hat an sich mit der Qualit\u00e4t der Ausstellung nichts zu tun. Gute Besucherzahlen sind heutzutage zwar notwendig, weil sich die Museen \u00fcber die Eintrittsgelder finanzieren. Insofern ist es sch\u00f6n, wenn viele Leute kommen, weil wir dann am Ende wenigstens eine schwarze Null schreiben. Aber Zuschauerzahlen an sich geben keine Auskunft dar\u00fcber, wie gut eine Ausstellung ist, sondern nur dar\u00fcber, wo das Publikumsinteresse gerade liegt oder wie gut die Marketingstrategie war. In der Kunst gibt es keine Abstimmung mit den F\u00fc\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie haben es geschafft, Menschen ins Museum zu locken, die bislang h\u00f6chstens Leonardo da Vincis \u201aMona Lisa\u2018 oder Rembrandts \u201aMann mit dem Goldhelm\u2018 als Kunstdrucke kannten. Macht Sie das stolz?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Gerhard Finckh: \u201eStolz macht mich das nicht unbedingt. Aber es freut mich, wenn Leute zur Kunst kommen, die sich bisher nicht so sehr daf\u00fcr interessiert haben. Ich sehe Kunst als etwas, das mich selbst unheimlich bereichert. Kunst ist mit meinem Leben untrennbar verbunden, und daher freue ich mich, wenn ich diese Freude mit anderen teilen und Leute dazu bewegen kann, h\u00e4ufiger mal ins Museum zu gehen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Nach welchen Kriterien haben Sie eine erfolgreiche Ausstellung gestaltet?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Gerhard Finckh: \u201eDas von der Heydt-Museum ist keine Kunsthalle, sondern ein Museum mit einer umfangreichen eigenen Sammlung. Deshalb halte ich sehr viel davon, daraus die Grundlage f\u00fcr Ausstellungen zu entwickeln. Die Sammlung hat eine ganz bestimmte Struktur. Sie beginnt mit der sp\u00e4ten Gotik und endet mit der Gegenwart. Das Museum besitzt eine gro\u00dfe Menge an alten Niederl\u00e4nder-Gem\u00e4lden. Da bietet es sich an, Ausstellungen mit niederl\u00e4ndischer Kunst des 17. Jahrhunderts zu machen. Es gibt zudem viele impressionistische und expressionistische Gem\u00e4lde. Deshalb haben wir auch regelm\u00e4\u00dfig impressionistische oder expressionistische Ausstellungen gemacht, wie z.B. \u201aDer Sturm\u2018. Die R\u00fcckkoppelung an die Sammlung zeigt ja auch den Wuppertaler B\u00fcrgern, wie sinnvoll es ist, eine solche Sammlung zu haben und wie stolz man darauf sein kann.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Woher kommen denn heutzutage \u00fcberhaupt noch die Gelder, um neue Kunst anzukaufen?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Gerhard Finckh: \u201eEs gibt f\u00fcr uns zwei M\u00f6glichkeiten. Das eine ist die Von der Heydt-, das andere ist die Renate und Eberhard Robke-Stiftung. Von der Heydt hat der Stadt nicht nur seine Kunstsammlung, sondern auch eine gro\u00dfe Geldsumme vermacht, die von der Stadt verwaltet wird. Daraus flie\u00dfen Zinsertr\u00e4ge, von denen wir jedes Jahr auf meinen Vorschlag hin etwas Kunst ankaufen konnten \u2013 und zwar in der Regel von K\u00fcnstlern, die bereits verstorben sind und gegenst\u00e4ndlich gemalt haben. Die Robke-Stiftung legt dagegen gro\u00dfen Wert darauf, dass Gegenwartskunst gef\u00f6rdert und f\u00fcr unsere Sammlung erworben wird.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_45296\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 467px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-45296\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/IMG_1590_a-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"457\" height=\"685\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Gerhard Finckh &#8211; \u00a9 Dirk Sengotta<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: In Kunst zu investieren \u2013 ist das eigentlich noch eine lohnende Geldanlage?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Gerhard Finckh: \u201eIch halte sehr wenig davon, dass man mit Kunst sein Verm\u00f6gen vermehrt. Das kann man nat\u00fcrlich tun, wenn man z.B. Werke von Gerhard Richter oder Georg Baselitz erwirbt. Aber daf\u00fcr wird Kunst eigentlich nicht geschaffen. Sie ist daf\u00fcr da, dass sich Menschen daran erfreuen oder kritisch mit ihr auseinandersetzen. F\u00fcr mich w\u00e4re es undenkbar, ein Kunstwerk zu erwerben, nur um es dann hinterher f\u00fcr mehr Geld wieder zu verkaufen. Mein Tipp: Kaufen Sie nur die Kunst, mit der Sie sich auch umgeben wollen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Viele Kunstwerke stehen jahrelang aus Platzgr\u00fcnden im Depot und sind den Wuppertaler Kunstfreunden nicht zug\u00e4nglich, ist das nicht ein Trauerspiel?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Gerhard Finckh: \u201eDie Sammlung umfasst ungef\u00e4hr 3.000 Gem\u00e4lde, 30.000 Arbeiten auf Papier und dazu etwa 500 Skulpturen. Das ist schon eine stattliche Sammlung. Davon k\u00f6nnen leider immer nur relativ wenig gezeigt werden. Das von der Heydt-Museum hat regelm\u00e4\u00dfig gro\u00dfe Ausstellungen realisiert. Der Nachteil ist, dass dann f\u00fcr die eigene Sammlung nur noch wenig Raum bleibt. Wir haben deshalb auf ein Umschichtsystem gesetzt, dass wir z.B. mal nur die Niederl\u00e4nder gezeigt haben oder mal nur Gegenwartskunst. Mit diesem Rotationsprinzip haben wir unserem Publikum trotz der Platzknappheit immer wieder andere Aspekte unserer Sammlung vor Augen gef\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Haben Sie da nicht von einem gr\u00f6\u00dferen Museum getr\u00e4umt?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Gerhard Finckh: \u201eIm Grunde genommen schon. Schon der erste Direktor des Hauses, Friedrich Fries, hat damals gesagt: \u201aDas Haus ist eigentlich zu klein. Wir k\u00f6nnen nicht alle Sch\u00e4tze zeigen und parallel gro\u00dfe Ausstellungen machen\u2018. Das bedeutet, das Museum hatte immer schon Platznot. Und die Sammlung w\u00e4chst ja st\u00e4ndig weiter. Wir hatten gro\u00dfe Probleme, Werke unterzubringen, geschweige denn, sie zu zeigen. Deshalb w\u00e4re es sehr, sehr w\u00fcnschenswert, ein neues, deutlich gr\u00f6\u00dferes Museum zu bekommen. Es gab immer wieder mal Neubaupl\u00e4ne, z.B. das Schauspielhaus als Kunstmuseum umzubauen, diese lie\u00dfen sich aus Geldmangel aber bisher leider nie realisieren.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Provokant gefragt: H\u00e4tten Sie es vorstellen k\u00f6nnen, einige gro\u00dfe Werke Ihrer Sammlung zu verkaufen, um mit dem Ertrag daraus ein neues, gr\u00f6\u00dferes Museum zu finanzieren?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Gerhard Finckh: \u201eF\u00fcr mich war immer klar: Es wird keine Kunst verkauft, zumindest nicht, solange ich da bin! Die Kunstmuseen sind immer unter der Ma\u00dfgabe gegr\u00fcndet worden, dass die Werke f\u00fcr die Ewigkeit im Museum bleiben. Man w\u00fcrde doch auch nicht die Wuppertaler Stadtgr\u00fcndungsurkunde verkaufen. Und das gilt auch f\u00fcr die Sammlung. Ich war immer stolz auf unseren Monet und unseren van Gogh. Die Werke sind Ausdruck daf\u00fcr, welche \u00e4sthetischen, politischen und soziologischen Pr\u00e4ferenzen B\u00fcrger unserer Stadt zu einer ganz bestimmten Zeit hatten. So eine Sammlung ist ein Dokument. Und das darf man auf keinen Fall auseinanderrei\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welche in der Kunstwelt existierenden Werke haben Sie pers\u00f6nlich am meisten beeindruckt?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Gerhard Finckh: \u201eEs f\u00e4ngt an mit der 35.000 Jahre alten Mammutfigur, die ein unbekannter K\u00fcnstler ohne Messer und nur mit einem Stein aus einem Mammutzahn geschnitzt hat. Dieses Werk wurde in der Vogelherdh\u00f6hle in der Schw\u00e4bischen Alb gefunden. Dann der Isenheimer Altar von Matthias Gr\u00fcnewald in Colmar, ein Meisterwerk, das mich schon als Teenager total beeindruckt hat. Ihn schaue ich mir immer wieder einmal an und erlebe ihn jedes Mal neu. Ich hatte mal die Gelegenheit, ganz allein vor dem Altar stehen zu d\u00fcrfen und dieses Kunstwerk auf mich einwirken zu lassen. Ein einmaliges Erlebnis. Die Gem\u00e4lde \u201aDie Kreuzaufrichtung\u2018 und \u201aDie Kreuzabnahme\u2018 von Peter Paul Rubens, den ich f\u00fcr den bedeutendsten K\u00fcnstler aller Zeiten halte, bewegen mich, genauso wie \u201aDer tote Christus im Grab\u2018 von Hans Holbein. In der Gegenwart ist es \u201aGuernica\u2018 von Pablo Picasso, das mich fasziniert. Jedes Mal, wenn ich vor solchen bedeutenden Kunstwerken stehe &#8211; und davon gibt es noch viele mehr &#8211; bin ich so beeindruckt, dass ich mir die Frage stelle: Kann ich so weiterleben oder muss ich mein Leben \u00e4ndern?\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie sieht denn die Traumausstellung von Dr. Gerhard Finckh aus?<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Gerhard Finckh: \u201eDas Schwierige bei Traumausstellungen ist, dass man die Kunstwerke praktisch nicht mehr zusammen bekommt, die man dazu braucht. Wenn ich beispielsweise eine Rubens-Ausstellung machen wollte, die noch spektakul\u00e4rer sein soll als die, die wir schon gemacht haben, dann wird das daran scheitern, dass ich die daf\u00fcr notwendigen Kunstwerke nicht mehr bewegt bekomme. Die Gem\u00e4lde sind so empfindlich, das die Museen sie gar nicht mehr herausr\u00fccken. Deshalb kann man die Traumausstellung schlechthin nie verwirklichen. Ich kann sie virtuell am Computer zusammenstellen, aber in der Realit\u00e4t wird es sie nie geben. Um Kunstwerke zu erleben, gibt es f\u00fcr mich nur eine M\u00f6glichkeit: Ich muss mich auf eine Reise zu den Kunstwerken begeben, also dorthin fahren, wo sie ausgestellt sind.\u201c<\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 12pt;\">Vita Dr. Gerhard Finckh<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Dr. Gerhard Finckh wurde am 12. April 1952 in Bruckm\u00fchl bei M\u00fcnchen geboren. Nach dem Abitur studierte er an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen Kunstgeschichte und Bayerische Geschichte.<\/p>\n<p>1987 promovierte er an der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen. Titel seiner Arbeit: \u201eM\u00fcnchner Bildhauerei der 1920er Jahre\u201c. Von 1987 bis 1990 war Dr. Gerhard Finckh Leiter der Kunsthalle Emden. Von 1990 bis 2000 war er als Ausstellungsleiter des Folkwang-Museums in Essen t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend leitete er sechs Jahre lang das Museum Morsbroich in Leverkusen. 2006 wurde er Direktor des Von der Heydt-Museums Wuppertal. Am 30.04.2019 ging er in den Ruhestand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13 Jahre lang war er Direktor des von der Heydt-Museums. Jetzt verabschiedete sich Dr. Gerhard Finckh mit 67 Jahren in den Ruhestand. Keine Frage: Er hinterl\u00e4sst in der Wuppertaler Kunst-Szene gro\u00dfe Fu\u00dfspuren.\u00a0300.000 Besucher schauten sich die von Dr. Gerhard Finckh initiierte Monet-Austellung (2009 \/ 2010) an.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":22481,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-22483","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-29 14:33:52","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22483","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22483"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22483\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":59035,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22483\/revisions\/59035"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22481"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22483"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22483"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22483"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}