{"id":22207,"date":"2019-03-22T07:22:34","date_gmt":"2019-03-22T06:22:34","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2019\/03\/22\/marcus-lindemann-ich-bin-auf-jede-panne-vorbereitet-2\/"},"modified":"2025-05-31T12:46:46","modified_gmt":"2025-05-31T10:46:46","slug":"marcus-lindemann-ich-bin-auf-jede-panne-vorbereitet-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2019\/03\/22\/marcus-lindemann-ich-bin-auf-jede-panne-vorbereitet-2\/","title":{"rendered":"Reporter Marcus Lindemann: &#8218;Ich bin auf jede Panne vorbereitet&#8216;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_45378\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45378\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/SZ6-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Reporter &amp; Kommentator Marcus Lindemann f\u00fcr SKY im Einsatz &#8211; \u00a9 SKY<\/span><\/div>\n<p>Der Wuppertaler TV-Mann und Mitherausgeber des Sportmagazins &#8222;Einwurf&#8220;, das viermal im Jahr erscheint, gl\u00e4nzt mit seiner Rhetorik und seinem Wortwitz als Kommentator von Bundesligaspielen und als Fieldreporter. Seine Fachkompetenz kommt nicht von ungef\u00e4hr. Immerhin trat er fr\u00fcher selbst gegen die Kugel &#8211; u.a f\u00fcr den ASV Wuppertal.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-83834\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hand-aufs-Herz-88510200.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"66\" \/><\/p>\n<p>Diesmal war er selbst der Gefragte und stand der STADTZEITUNG in einem ausf\u00fchrlichen Interview Rede und Antwort<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Sie sind ja nicht nur ein geb\u00fcrtiger Wuppertaler, sondern auch ein echtes bergisches Medien-Urgestein. Von 1991 bis 1994 waren Sie bei Radio Wuppertal. Wollten Sie sich damals damit Ihr Studium der Sporthochschule K\u00f6ln finanzieren?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eIch habe vor meiner Zeit bei Radio Wuppertal im Sport- und Jugendressort des Remscheider Generalanzeigers gearbeitet. Dann gab es das Angebot an einige Redaktionsmitglieder, einen Radiosender mit aufzubauen. Es war eine ganz interessante Geschichte f\u00fcr mich, weil ich ohnehin in den Bereich der elektronischen Medien wollte. Ich dachte mir, vom Radio zum Fernsehen ist es dann nur noch ein Schritt. Die Zeit beim Rundfunk war die fruchtbarste, wichtigste und interessanteste, weil man alles ausprobieren konnte. Es gab in dieser Redaktion niemanden, der mir sagen konnte, wie es wirklich funktioniert, wir wussten es alle nicht wirklich. Es war extremes \u201alearning by doing\u2018. Daf\u00fcr bin ich sehr dankbar.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Sie haben an der Sporthochschule K\u00f6ln Sportwissenschaften studiert.\u00a0Wollten Sie urspr\u00fcnglich Sportlehrer werden?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eNein. Ich habe die Sporthochschule K\u00f6ln ausgew\u00e4hlt, weil es dort den Bereich Sport-Publizistik gibt. Ich wollte immer Sport-Journalist werden und konnte mich dort spezialisieren und so mein Hobby zum Beruf machen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Haben Sie eigentlich selbst einmal aktiv Fussball gespielt?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eSie m\u00fcssten mich eigentlich fragen, bei welchem Verein ich nicht gespielt habe. Meine h\u00f6chste Spielklasse war die Landesliga mit dem ASV Wuppertal und dem Mettmanner SC. Ich habe aber auch beim FSV Vohwinkel, bei Borussia Wuppertal und beim TSV Ronsdorf gespielt.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Danach waren Sie beim WDR und der \u201eARD-Sportschau\u201c &#8211; eigentlich haben Sie da in der Fernseh-Champions-League gespielt. Warum sind Sie \u00fcberhaupt zum Pay-TV-Sender Premiere &#8211; heute Sky &#8211; gewechselt?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eVom damaligen Premiere-Sport-Chef Benno Neum\u00fcller habe ich ein Angebot bekommen, das gar nicht einmal wirtschaftlich so reizvoll war, daf\u00fcr aber inhaltlich. Ich bekam die M\u00f6glichkeit, regelm\u00e4\u00dfig Fu\u00dfballspiele live zu kommentieren. Das h\u00e4tte ich beim WDR und in der Sportschau-Redaktion sicher auch irgendwann machen k\u00f6nnen, aber ich war zu ungeduldig. Ich wollte es sofort machen, wollte Woche f\u00fcr Woche in der B\u00fctt stehen und nicht noch warten, bis die Generation um Heribert Fa\u00dfbender in den Ruhestand ging.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Haben Sie eigentlich schon einmal zusammengez\u00e4hlt, wie vielen Spiele Sie bereits live kommentiert haben?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eDas kann ich nur grob \u00fcberschlagen. Ich bin seit 16 Jahren dabei. Es m\u00fcssen insgesamt schon 1.000 Spiele sein.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Wie bereiten Sie sich auf ein Bundesliga-Spiel vor?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eDas h\u00e4ngt damit zusammen, ob ich nur ein Spiel am Wochenende kommentiere. Wenn w\u00e4hrend der Woche noch eine Partie in der Europa oder der Champions League dazu kommt, muss ich mich praktisch auf L\u00fccke vorbereiten. Ansonsten informiere ich mich \u00fcber die Medien und das Internet. Zudem rufe ich Zeitungskollegen vor Ort an. Bei vielen Klubs habe ich auch gute Kontakte zu den Pressesprechern oder sogar zu den Cheftrainern. Das sind f\u00fcr mich die wichtigsten Informationen. Da geht es dann ums Eingemachte, um die Aufstellung und um die taktische Ausrichtung.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Wie viele Zuarbeiter stehen Ihnen w\u00e4hrend eines Bundesliga-Spiels zur Verf\u00fcgung?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eIch habe lediglich einen statistischen Assistenten, der mir statistische Daten aufs Ohr gibt: Wie viel Prozent Ballbesitz haben beide Mannschaften? Wie sieht die Zweikampfbilanz aus? Wir haben zudem noch eine gro\u00dfe Crew im Stadion vor Ort, die im \u00dc-Wagen sitzt und mit mir \u00fcber Funk verbunden ist. Und diese Kollegen helfen mir auch bei der Einsch\u00e4tzung strittiger Situationen. Ich kann nicht alles mitbekommen, weil ich in erster Linie angehalten bin, das zu kommentieren, was die Zuschauer auf dem Bildschirm sehen. Ich erwarte auch von den Kollegen, dass sie klar Stellung beziehen, war es ein Foul oder nicht, war es ein Elfmeter oder nicht. Ich lege mich auch gerne sehr schnell fest. Wenn ich mir als Fan ein Fu\u00dfballspiel im TV anschaue, erwarte ich auch vom Kommentator eine klare Meinung.\u201c<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #3366ff;\">DS: Was sagen Sie \u00fcber Kritiken wie \u201eMarcus Lindenmann ist nicht so ein Besserwisser, er kann auch einmal schweigen\u201c oder \u201e Marcus Lindemann ist f\u00fcr mich der Inbegriff des seri\u00f6sen gelungenen Journalismus\u201c?<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eDar\u00fcber freue ich mich. Aber ich kenne nat\u00fcrlich auch die anderen Zitate im Internet wie: \u201eDer ist eine Bratwurst, der kann nichts!\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Sie meinen die Kritiken wie \u201eLindemann wird zum Labermann\u201c oder \u201eLindemann macht mich mit seiner monotonen Rederei wahnsinnig\u201c?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindenmann: \u201eJa, genau! Aber ich halte es da inzwischen mit meinem alten Kollegen Rudi Michel, der einmal gesagt hat: \u201aWir k\u00f6nnen in dieser Branche nicht 100 Prozent der Zuschauer gl\u00fccklich machen. Wenn wir es schaffen, dass 50 Prozent zufrieden sind, dann haben wir schon einen richtig guten Job gemacht.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Lassen Sie negative Kritik eigentlich an sich heran?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eIch lasse negative Kritik von Jahr f\u00fcr Jahr weniger an mich heran kommen. Ich hinterfrage mich regelm\u00e4\u00dfig, nehme Kritik grunds\u00e4tzlich ernst, wenn Sie sachlich ist. Man muss wissen, wenn man sich und seine Arbeit \u00f6ffentlich zur Schau stellt, im Radio oder beim Fernsehen, dann muss man damit leben, von jedem kritisiert zu werden. Der Zuschauer hat auch das Recht dazu. Ich kann gut damit leben, wenn ich direkt angesprochen werde und die Kritik nicht anonym vorgebracht wird.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Kommentiert man nach schlechten Kritiken beim n\u00e4chsten Spiel eigentlich defensiver, zur\u00fcckhaltender?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eMan reflektiert schon die Kritik. Am Anfang meiner Karriere wurde mir vorgeworfen, zu viele Fremdw\u00f6rter zu verwenden. Dieser Einwand war durchaus berechtigt. Ich wollte bewusst eine andere Sprache sprechen, als die anderen 1.000 Kommentatoren vor mir. Was die Fremdworte angeht, habe ich am Anfang wirklich \u00fcbers Ziel hinausgeschossen. Aber ich habe inzwischen an mir gearbeitet.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Warum findet die eine H\u00e4lfte der Zuschauer den Kommentator Weltklasse und die anderen 50 Prozent halten ihn f\u00fcr Kreisklasse?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eDas liegt am Medium Fu\u00dfball. Wenn wir 20 Millionen Zuschauer haben, gibt es auch 20 Millionen Bundestrainer. Bei Gro\u00dfereignissen wie Champions League, EM oder WM sind interessanterweise auch viele Bundestrainerinnen dabei. Und jeder Fan hat seine eigene Meinung. Fu\u00dfball ist ein hochemotionaler Sport. Und diese Emotionalit\u00e4t schwappt vom Spielfeld auf die Trib\u00fcnen und von dort in die Wohnzimmer. Ich bin ja auch Fan, mich kann so ein Spiel ja auch richtig mitrei\u00dfen. Und dann frage ich mich manchmal auch kopfsch\u00fcttelnd, wie konnte mein Kollege dieses klare Foul \u00fcbersehen?\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Welche Konsequenzen w\u00fcrden Sie f\u00fcr sich ziehen, wenn Ihnen \u00e4hnliches passieren w\u00fcrde wie Ihrem Ex-Kollegen Marcel Reif, der von Dortmunder Fans heftig attackiert wurde?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eIch sch\u00e4tze Marcel Reif sehr. Was da passiert ist, das geht gar nicht. Rufmord, K\u00f6rperverletzung? Ich bin kein Jurist, um das einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Um es klar zu sagen: Ich w\u00fcrde meinen Job nicht aufgeben, sondern auf jeden Fall weiter machen. Und es w\u00e4re eine gro\u00dfe moralische Unterst\u00fctzung f\u00fcr mich, wenn sich mein Sender so eindeutig hinter mich stellt, wie er es damals im Fall von Marcel Reif getan hat.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: F\u00fcr welchen Verein schl\u00e4gt eigentlich Ihr Herz?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eDarf ich ja eigentlich gar nicht sagen, aber ich bin Fan von Borussia M\u00f6nchengladbach. Meine Zuneigung stammt aus den 70er Jahren, da gab es nur zwei M\u00f6glichkeiten, wenn man erfolgreichen Fu\u00dfball sehen wollte. Bayern M\u00fcnchen oder Gladbach. Mir waren die Gladbacher einfach sympathischer.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Ist es nicht besonders schwer, ein Spiel zu kommentieren, bei dem der eigene Lieblingsverein mitspielt?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eIst es nicht! Mit der eigenen Mannschaft geht man sogar kritischer um. Da m\u00e4kelt man sogar noch an einem 5:0-Sieg herum, sucht ein Haar in der Suppe und sagt: \u201aDie h\u00e4tten eigentlich 10:0 gewinnen m\u00fcssen\u2018. Ich bin da sehr, sehr kritisch.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Als Field-Reporterinnen schm\u00fccken h\u00fcbsche Reporterinnen mittlerweile fast jedes Bundesligaspiel, doch warum gibt es so wenige weibliche Kommentatoren?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindenmann: \u201eEs tut jedem Team gut, wenn auch Frauen dabei sind. Ich arbeite gern mit Frauen zusammen. Vielleicht spielt die Stimme eine Rolle, sie ist sehr wichtig, wenn man ein Fu\u00dfballspiel live kommentiert. Frauen sprechen ja in h\u00f6heren Tonlagen, das kommt vielleicht \u00fcber 90 Minuten zu schrill bei den Zuschauern an.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: K\u00f6nnen Sie sich noch an Ihren lustigsten Versprecher erinnern?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eSelbstverst\u00e4ndlich habe ich mir auch so manchen Versprecher geleistet, aber einen so lustigen, der einem Kollegen in Dortmund passierte, der Vokale vertauschte und aus Otto Addo Atto Oddo machte, ist mir bislang noch nicht unterlaufen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Welche gro\u00dfe Panne haben Sie bisher in Ihrer Karriere erlebt?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eIm Bremer Weserstadion hatte wir einmal einen totalen Bild- und Ton-Ausfall. Ich bin noch einigerma\u00dfen ruhig geblieben, weil ich ja nichts machen konnte. Die ganzen Techniker sind aber wahnsinnig hysterisch geworden, haben mir irgendwelche Ersatzmikrofone in die Hand gedr\u00fcckt. Ich musste dann zeitweise, als die Tonleitung endlich wieder stand, mit so einem alten Kurt-Brumme-Stab-Mikrofon kommentieren. Das war ganz lustig. Aber da muss man als Kommentator durch. In so einem Fall kann man sich auch einmal in einer Ausnahme-Situation beweisen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\">DS: Der ber\u00fchmte \u201eTorfall von Madrid\u201c am 01.04.1998, bei dem Marcel Reif und G\u00fcnther Jauch 76 Minuten lang die Zuschauer mit ihren Kommentaren bei Laune halten mussten, bis das Spiel angepfiffen werden konnte. W\u00e4re eine solche Situation f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich eher ein Gl\u00fccksfall oder eine Katastrophe?<\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eEin Gl\u00fccksfall. Das ist ein absolutes Geschenk f\u00fcr jeden Kommentator. Erst recht, wenn man dann noch einen so kongenialen Partner wie G\u00fcnther Jauch an seiner Seite hat. Man ist ja normalerweise in einem Kommentatoren-Flow, da kann nicht viel passieren. Und dann so ein Ding. Ehrlich gesagt bereite ich mich vor jedem Spiel auf ein solches \u201aWorst Case Scenario\u2018 vor. Dann kann ich ein paar Geschichten erz\u00e4hlen, f\u00fcr die sonst keine Zeit ist. Ich sammle Munition, die ich dann abschie\u00dfen kann, wenn so eine Situation eintritt. Vielleicht brauche ich sie noch einmal &#8211; ich kommentiere ja noch ein paar Jahre.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Gibt es eigentlich so etwas wie ein Sprach-Trainingslager, in dem man an seinem Vokabular feilt, neue Redewendungen in seinen Sprachschatz aufnimmt? Irgendwann wurden fast in jeder Fu\u00dfballreportage \u201eChancen kreiert\u201c &#8211; eine Wortsch\u00f6pfung von Luis van Gaal?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eViele Kollegen \u2013 und ich will mich da gar nicht ausnehmen \u2013 plappern gerne nach, was Bundesligatrainer vorgeben wie z.B. J\u00fcrgen Klopp, der die Formulierung \u201edie Mannschaft ist auf Krawall geb\u00fcrstet\u201c ins Spiel gebracht hat. Dieser Spruch wurde dann von vielen Kollegen aufgegriffen. Es gibt kein Sprach-Trainingslager. Aber nat\u00fcrlich finden sich immer wieder einmal neue Formulierungen aus dem allt\u00e4glichen Leben in einem Fu\u00dfball-Kommentar wieder. Ein guter Kommentator schaut \u00fcber den Tellerrand des \u201aKickers\u2018 hinweg, liest viel, adaptiert hier und da einmal eine Formulierung aus einem ganz anderen Bereich. Ich sammele auch Vokabeln, um sprachlich immer breiter aufgestellt zu sein.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Stellen viele Sportreporter bei Interviews nicht zu unkritische Fragen?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eIch w\u00fcnsche mir auch, dass Interviews mit mehr Distanz und kritischer gef\u00fchrt werden. Aber bei der WM in Brasilien haben wir ja gesehen, wohin das f\u00fchren kann. Da ist Nationalspieler Per Mertesacker nach einer kritischen Frage meines ZDF-Kollegen B\u00fcchler fast ausgerastet. Das sind Bl\u00fcten, von denen ich mir viel mehr w\u00fcnsche. Den Schuh, nicht hart genug nachzufragen, muss ich mir auch anziehen. Ich arbeitet ja ab und zu auch als Field-Reporter.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Hat Sie noch nie ein Spieler im Regen stehen lassen?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eIch habe fr\u00fcher viele Interviews mit Hans Meyer gef\u00fchrt und der hat sich manchmal regelrecht vorgenommen, einen Reporter vorzuf\u00fchren. Und das muss man wissen, um darauf regieren zu k\u00f6nnen. Christoph Daum war auch so ein Kandidat. Er hat mich auch einmal als Moderator hart angegangen, weil er einen Beitrag \u00fcber seine Trainerarbeit bei Bayer Leverkusen f\u00fcr tendenzi\u00f6s hielt. Damals war ich noch jung und etwas unsicher. Heute w\u00fcnsche ich mir f\u00f6rmlich solche Situationen, weil ich jetzt in der Lage bin, angemessen darauf zu reagieren.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Gibt es denn so etwas wie ein absolutes Traumspiel, das sie gern einmal kommentieren w\u00fcrden?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eGanz klar, ein WM-Finale. Aber daf\u00fcr brauchen wir die Rechte und daf\u00fcr muss ich in der Kommentatoren-Hierarchie noch ein wenig aufsteigen. Von einem solchen Highlight tr\u00e4umt doch jeder Fu\u00dfball-Reporter.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Welche Rolle spielen Ihr Job und der Fu\u00dfball in Ihrem Privatleben?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eIch habe einen f\u00fcnf\u00e4hrigen Sohn, der kickt jetzt schon. Dadurch wird der Fu\u00dfball nat\u00fcrlich ins Privatleben \u00fcbertragen. Meine Tochter interessiert sich f\u00fcr Leichtathletik, Tanzen und Reiten. Meine Frau hat mit Fu\u00dfball auch nichts im Sinn. Also ist er bei uns zuhause auch kein gro\u00dfes Thema.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Gib es eigentlich eine andere Sportart, bei der Sie ohne lange Einarbeitungszeit den Kommentatoren-Platz einnehmen k\u00f6nnten?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eTennis! Ich habe ja fr\u00fcher beim WDR das Turnier am Rochus-Club in D\u00fcsseldorf immer im Wechsel mit Hans-J\u00fcrgen Pohmann und Heribert Fa\u00dfbender kommentiert. Da m\u00fcsste ich mich jetzt allerdings erst wieder heranarbeiten. Aber wir haben ja bei Sky die Rechte am Turnier in Wimbledon. Da zu kommentieren w\u00fcrde mir sehr viel Spass machen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Was macht Marcus Lindemann am Liebsten in seiner Freizeit?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eSelber Sport treiben: Laufen, Radfahren, Schwimmen. Oder mit den Kindern Unsinn machen! Ich glaube, ich bin ein alberner Papa. Ich freue mich darauf, dass mein Sohn \u00e4lter wird und ich mit ihm richtig kicken kann.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Eine Frage, die ich Ihnen als Wuppertaler leider nicht ersparen kann: Kommen Ihnen nicht die Tr\u00e4nen, wenn Sie sehen, was aus dem WSV geworden ist?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann: \u201eWuppertal hat 350.000 Einwohner und der rangh\u00f6chste Verein spielt in der vierten Liga. Das ist schon traurig. Die Kollegen wissen nat\u00fcrlich, dass ich aus Wuppertal komme und sie ziehen mich immer wieder damit auf. Ich w\u00fcrde mir so w\u00fcnschen, dass der WSV mal wieder in der 3. Liga spielen w\u00fcrde. Aber ich bin zu weit weg, um einordnen zu k\u00f6nnen, woran es liegt.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Glauben Sie, dass Sie in Ihrer Karriere noch einmal ein Spiel kommentieren werden, in dem der Wuppertaler SV als Profi-Verein dabei ist?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindenmann: \u201eIch w\u00fcrde es mir sehr w\u00fcnschen. Das Beschwerlichste in meinem Job ist die ganze Reiserei zu den Spielorten. Wenn ich ein Spiel des WSV live im Stadion am Zoo kommentieren d\u00fcrfte, dann k\u00f6nnte ich mit dem Fahrrad dorthin fahren. Und das w\u00e4re ein Traum.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong>DS: Ich danke Ihnen f\u00fcr das spannende, interessante Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\"><strong><span style=\"font-size: 12pt;\">Vita<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Marcus Lindemann wurde 1966 in Wuppertal geboren. Nach dem Abitur am Gymnasium Bayreuther Stra\u00dfe absolvierte er ein Studium an der Sporthochschule K\u00f6ln.<\/p>\n<p>Er arbeitete als Sportredakteur beim Remscheider Generalanzeiger, wechselte sp\u00e4ter zu Radio Wuppertal, wo er zur Gr\u00fcndungsmannschaft geh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend ging er als Sportreporter zum WDR. Hier kommentierte er neben Fu\u00dfball auch Tennis. Seit 1999 ist Marcus Lindemann festes Mitglied im Kommentatoren-Team von Premiere &#8211; heute SKY.<\/p>\n<p>Seine Hobbies: Laufen, Rad-fahren und Schwimmen. Marcus Lindemann ist mit der Grundschullehrerin Nicole Lindemann verheiratet. Gemeinsam haben sie zwei Kinder: Ava (8) und Ben (2).<\/p>\n<p>Sein Lieblingsverein: Borussia M\u00f6nchengladbach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fu\u00dfball-Freunden ist seine Stimme so vertraut, wie Schlager-Fans die Stimme von Helene Fischer. Marcus Lindemann (52) geh\u00f6rt zur ersten Elf des Pay-TV-Senders SKY und ist regelm\u00e4ssig auf Sendung.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":22205,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[553,554],"class_list":["post-22207","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews","tag-marcus-lindemann","tag-sky"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-29 10:28:11","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22207","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22207"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22207\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":84373,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22207\/revisions\/84373"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22205"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}