{"id":22164,"date":"2019-03-18T15:24:22","date_gmt":"2019-03-18T14:24:22","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2019\/03\/18\/barbara-knoblauch-eltern-fuehrerschein-teil-4-2\/"},"modified":"2022-08-09T13:20:13","modified_gmt":"2022-08-09T11:20:13","slug":"barbara-knoblauch-eltern-fuehrerschein-teil-4-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2019\/03\/18\/barbara-knoblauch-eltern-fuehrerschein-teil-4-2\/","title":{"rendered":"Barbara Knoblauch: Eltern-F\u00fchrerschein &#8211; Teil 4"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_53727\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-53727\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_1195_a-2-1024x778.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"778\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Diplom-Psychologin Barbara Knoblauch &#8211; \u00a9 Dirk Sengotta<\/span><\/div>\n<p>Konsequent bleiben &#8211; das ist eine sehr verst\u00e4ndliche Regel, aber eine sehr schwer umsetzbare. Konsequenz hei\u00dft nicht gleich Strenge. Es bedeutet aber, dass es eine Grenze gibt, die eingehalten werden muss. Die Grenze ist eng oder weit gesteckt, je nach Familie. Es bedeutet, dass ein \u201eNein\u201c ein \u201eNein\u201c ist. Wenn Sie sagen, \u201ees gibt kein Eis mehr\u201c, dann darf es keins mehr geben.<\/p>\n<p>Das Kind wird je nach Vorerfahrung bohren und vielleicht doch noch zehn Mal fragen. Bleiben Sie dabei. Mit der Zeit hat ihr Kind gelernt, die Mama ist glaubw\u00fcrdig. Wenn sie \u201eNein\u201c sagt, meint sie auch \u201eNein\u201c.<\/p>\n<p>Es wird seine Quengeligkeit wegen zu geringer Erfolgsaussichten einstellen. Wenn Sie nach Ihrem achten \u201eNein\u201c beim neunten Mal \u201eJa\u201c sagen, weil ihre Nerven blank liegen, haben Sie einen entscheidenden Fehler gemacht. Was lernt ihr Kind dann? Du darfst nicht aufgeben, sondern musst immer weiter bohren, irgendwann gibt die Mama schon nach. Fachleute nennen dies \u201eintermittierende Verst\u00e4rkung\u201c.<\/p>\n<p>Zeigen Sie diese Inkonsequenz in vielen Bereichen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie ein Kind heranziehen, das allgemeine Grenzen und ein \u201eNein\u201c nicht anerkennt, immer diskutiert und quengelt, in der Schule aneckt etc..<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen sich vorstellen, welches Verhalten dieses Kind als Erwachsener zeigt. Also, wenn sie mal keine Nerven haben oder zu Besuch bei den Gro\u00dfeltern sind und wissen, dass sie das konsequente Verhalten an dem Tag nicht einhalten k\u00f6nnen, dann sagen sie \u201eJa\u201c. Dann bekommt das Kind eben drei Eis an diesem Tag. Aber Sie haben von vorneherein \u201eJa\u201c gesagt, sich nicht unglaubw\u00fcrdig gemacht mit einem \u201eNein\u201c, das Sie nicht halten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der junge Mann mit dem Nobelshirt wird nicht sofort einsehen, dass sein unfreundliches Verhalten nicht mehr zum erw\u00fcnschten Erfolg f\u00fchrt. Er wird wahrscheinlich erst recht aufdrehen und sich noch frecher verhalten nach dem Motto, wollen wir doch mal sehen, wer sich hier durchsetzt. Seien Sie darauf vorbereitet. Bleiben Sie bei Ihrem \u201eNein\u201c, bleiben Sie ruhig, diskutieren Sie nicht.<\/p>\n<p>Geben Sie dem Verhalten keine Beachtung, \u00fcberlegen Sie sich vorher, wie sie die Situation beenden k\u00f6nnen. Sp\u00e4testens beim dritten Mal hat sich die Situation beruhigt und Ihr Kind aufgegeben.<\/p>\n<p>Zeigen Sie dem Kind die S\u00fc\u00dfigkeit, die es erh\u00e4lt, wenn es an der Supermarkt-Kasse nicht schreit. Kaufen Sie die S\u00fc\u00dfigkeit und nehmen Sie diese mit. Legen Sie den Schokoriegel oder den Dauerlutscher vor den Augen des Kindes wieder ins Regal, wenn das Kind schreit. \u00dcberlegen Sie sich vorher ein paar Worte, die Sie den umstehenden Leuten sagen, um die Peinlichkeit f\u00fcr Sie zu entsch\u00e4rfen. Ihr Kind wird nur h\u00f6chstens zweimal in diese Eskalation gehen, danach verstehen, dass sich dieser Weg bei Mama nicht mehr lohnt.<\/p>\n<p>Drohen Sie bitte nicht mit Ma\u00dfnahmen, die sich nicht einhalten. Ihr Kind wird Sie schnell durchschauen und nicht mehr ernst nehmen. Erkl\u00e4ren Sie ihrem 5-j\u00e4hrigen Sohn, der jeden Abend in ihr Bett und der sich mit Schreien durchsetzen will, dass gro\u00dfe Kinder in ihrem Bett schlafen und daf\u00fcr eine Belohnung bekommen. Diese muss dann am n\u00e4chsten Morgen direkt verf\u00fcgbar sein, am besten abends vorher noch gezeigt werden. Sie wird nach Schreien in der Nacht mit einer knappen Bemerkung wie \u201eschade\u201c entfernt.<\/p>\n<p>Informieren Sie die Nachbarschaft, dass ihr Kind an diesem Abend und wahrscheinlich auch am n\u00e4chsten toben und schreien wird. Bitten Sie um Verst\u00e4ndnis, dass jeder kommen und sich \u00fcberzeugen kann, dass das Kind nicht misshandelt wird. Nach zwei N\u00e4chten wird das Kind verstanden haben, dass es mit Schreien nicht mehr durchkommt. Wenn Sie die Prinzipien einmal verstanden und auch umgesetzt haben, werden Sie erstaunt sein, wie gut es funktioniert.<\/p>\n<p>Ein kurzes Wort noch zum Abschluss, eine Frage, die mir in meinem langen Berufsleben h\u00e4ufig gestellt wurde: Handelt es sich bei den hier aufgestellten Regeln nicht um reine Erpressung, kann man Kinder nicht auch mit Verst\u00e4ndnis und partnerschaftlich erziehen? Wenn Sie so wollen, ja, dann handelt es sich um Erpressung. Aber das ganze Leben besteht aus Erpressungen. Ich finde den Begriff ein wenig zu negativ.<\/p>\n<p>Es geht um \u201eWenn-Dann-Beziehungen\u201c, die fr\u00fch zum Wohle aller, insbesondere des Kindes gelernt werden m\u00fcssen. \u201eWenn Du ohne Schutz auf die Stra\u00dfe l\u00e4ufst, dann \u00fcberf\u00e4hrt Dich ein Auto\u201c. \u201eWenn Du in die Schule gehst, dann kannst Du etwas lernen\u201c. \u201eWenn Du arbeiten gehst, dann wirst Du Geld verdienen.\u201c \u201eWenn Du Deinen Partner betr\u00fcgst, wird er Dich verlassen\u201c&#8230;<\/p>\n<p>Ich sehe eine Verpflichtung bei den Eltern, diese Grenzen &#8211; diese \u201eWenn-Dann- Beziehungen\u201c &#8211; ihren Kindern beizubringen, damit sie in diesem Leben auch ohne Eltern bestehen k\u00f6nnen und sich in eine Gemeinschaft eingliedern k\u00f6nnen, in der es viele Neins gibt. Partnerschaftlicher Umgang ist erst nach der Pubert\u00e4t des Kindes m\u00f6glich. Bis dahin haben Sie einen Auftrag zu erf\u00fcllen, verantwortungsbewusst und fair, die Bed\u00fcrfnisse des Kindes beachtend, aber immer als Elternteil.<\/p>\n<p>Ihr Kind hat die Kinderrolle. Das hei\u00dft beispielsweise: Kaum ein Kind geht gerne in die Schule. Ihre Aufgabe besteht darin, dem Kind beizubringen, dass es der Job des Kindes ist, dorthin zu gehen, ob es m\u00f6chte oder nicht. Das Kind muss nicht wissen und einsehen, dass der Schulbesuch wichtig ist, aber Sie als Eltern sollten es wissen und umsetzen, je nach Bedingungen und Verm\u00f6gen des Kindes.<\/p>\n<p>Sollten die Probleme zu sehr verfestigt sein und Sie sp\u00fcren, dass Sie bei der Umsetzung Hilfe ben\u00f6tigen, wenden sie sich an eine Beratungsstelle. Es gibt gute Programme wie \u201eTriple-P\u201c, die auf den genannten Prinzipien beruhen und Ihren Spielraum erweitern und wieder Freude in den Alltag bringen. Denn Kinder zu haben, sich mit Ihnen zu umgeben, sie zu begleiten, ist auch ein wundersch\u00f6ner Prozess, der nicht von vermeidbaren Problemen \u00fcberlagert werden sollte.<\/p>\n<p><strong>Ihre Barbara Knoblauch<\/strong><br \/>\nDipl.-Psych.\/Psychotherapeutin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im 4. Teil unseres Ratgebers &#8222;F\u00fchrerschein f\u00fcr Eltern&#8220; gibt die Wuppertaler Diplom-Psychologin Barbara Knoblauch gestressten Eltern den Tipp: Bleiben Sie konsequent!<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":22163,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-22164","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-26 20:31:55","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22164","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22164"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22164\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":54350,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22164\/revisions\/54350"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22163"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22164"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22164"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22164"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}