{"id":21669,"date":"2018-12-14T10:09:15","date_gmt":"2018-12-14T09:09:15","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2018\/12\/14\/ich-bleibe-nicht-rektor-bis-man-mich-davonjagt\/"},"modified":"2025-05-12T19:01:46","modified_gmt":"2025-05-12T17:01:46","slug":"prof-dr-lambert-t-koch-ich-bleibe-nicht-ewig-rektor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2018\/12\/14\/prof-dr-lambert-t-koch-ich-bleibe-nicht-ewig-rektor\/","title":{"rendered":"Prof. Dr. Lambert T. Koch: &#8218;Ich bleibe nicht ewig Rektor&#8216;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_45348\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45348\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_8284_a-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Uni-Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch &#8211; \u00a9 Dirk Sengotta<\/span><\/div>\n<p>Prof. Dr. Lambert T. Koch und Ehefrau Carola leben seit mehr als 18 Jahren in der Bergischen Metropole und f\u00fchlen sich mittlerweile als echte Wuppertaler. Seit 2008 ist der \u00d6konom Rektor der Bergischen Universit\u00e4t. Die Hochschule auf dem Grifflenberg legte seither einen enormen Aufstieg hin, der zweifelsfrei sehr eng mit seinem Namen verbunden ist. Dreimal wurde Prof. Dr. Lambert T. Koch, der in W\u00fcrzburg aufwuchs, vom Deutschen Hochschulverband zum &#8222;Rektor des Jahres&#8220; gew\u00e4hlt (2011 &#8211; 2014 &#8211; 2017).<\/p>\n<p>Als \u201eWuppertal-Botschafter\u201c ist der 53j\u00e4hrige ein gefragter Impulsgeber, wenn es darum geht, das Image seiner Heimatstadt, die ihm ans Herz gewachsen ist, zu verbessern.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-83834\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hand-aufs-Herz-88510200.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"66\" \/><\/p>\n<p>Wenn es um Bildung und Bildungspolitik geht, nimmt Uni-Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch kein Blatt vor den Mund. Selbstverst\u00e4ndlich auch nicht im gro\u00dfen &#8222;Hand aufs Herz&#8220;-Interview mit der STADTZEITUNG.<\/p>\n<p><strong>DS: 23.000 Studierende im aktuellen Wintersemester \u2013 inwieweit macht Sie diese Zahl nicht nur zufrieden und stolz, sondern auch nachdenklich?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Beginnen wir einmal mit dem Positiven. Wir freuen uns \u00fcber so viel Zuspruch, auch weil dies signalisiert, dass wir mit unserem Studienangebot in weiten Teilen richtig liegen. Die Zahlen bedeuten aber auch, dass wir deutlich \u00fcber 100 Prozent ausgelastet sind. Es ist eine echte Herausforderung, den vielen Studierenden gute Bedingungen und entsprechende R\u00e4umlichkeiten zu bieten. Au\u00dferdem m\u00fcssen wir daran arbeiten, weitere gute Dozentinnen und Dozenten f\u00fcr die Bergische Universit\u00e4t zu gewinnen. Auch das ist angesichts der aktuellen Lage auf dem akademischen Arbeitsmarkt nicht f\u00fcr jedes Fach einfach.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Wie sehen Sie die Entwicklung, dass heute fast jeder durchs Abitur geschleppt wird?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Man muss aufpassen, dass man dabei den Schulen nicht Unrecht tut. Denn auch sie leiden unter der politischen Situation, dass immer noch nicht gen\u00fcgend in das Bildungssystem investiert wird. Es gab in den vergangenen Jahren ein ziemliches Hin und Her in der Schulpolitik. Motto: rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Das tut einem so sensiblen System auf keinen Fall gut. Zutreffend ist, dass in so wichtigen F\u00e4chern wie Deutsch und Mathematik der Abschluss-Level zum Teil f\u00fcr die Universit\u00e4t nicht ausreicht und wir deshalb Br\u00fcckenkurse anbieten m\u00fcssen. In Schreib- und Mathematikwerkst\u00e4tten unterst\u00fctzen wir Studienbeginner dabei, ihr Wissen auszubauen, damit nicht gleich zu Beginn eine \u00dcberforderungssituation entsteht.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Ist studieren aus Ihrer Sicht heute leichter oder schwerer geworden?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Es ist vor allen Dingen anders geworden. Von kritischen Beobachtern wird gerne betont, dass die Anzahl derer, die das Studium als Last empfinden, steigt. Aber dann muss man sich auch fragen, inwieweit die Erwartungshaltung an ein Studium immer die richtige ist und inwieweit die jungen Leute in der Schule ausreichend das Lernen erlernen. Denn wer in der Schule nicht in dem Ma\u00dfe gefordert wird \u2013 und ich glaube, hier ist der Anspruch heute tats\u00e4chlich reduziert \u2013 nimmt diese Haltung mit ins Studium. Das bedeutet dann erst einmal Frust. Dies best\u00e4tigen auch Untersuchungen des Hochschulsozialwerks. Es gibt schon Tendenzen, dass manche Studierende, die sich \u00fcberfordert f\u00fchlen, Stimmungsaufheller nehmen. Und das liegt nicht zuletzt an Diskrepanzen bei der Erwartungshaltung.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Wenn Sie aufgrund Ihrer Erfahrung die Studienregeln selbst festlegen k\u00f6nnten, wo w\u00fcrden Sie ansetzen?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Ich w\u00fcrde versuchen, in bestimmten Phasen des Studiums mehr Freiheitgrade zu lassen, insbesondere zu Beginn. Denn ich glaube, es ist vor allem wichtig, dass wir allen jungen Leuten erm\u00f6glichen, einen breiten Wissenshorizont zu erlangen. Die Studierenden stammen heute aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten. Es gibt eben Abiturientinnen und Abiturienten, die aus Elternh\u00e4usern kommen, in denen allgemeingesellschaftliche, politische oder auch wirtschaftliche und kulturelle Themen eine geringere Rolle spielen. Diese jungen Leute m\u00fcssen die gleiche Chance haben, an der gesellschaftlichen Debatte auf einem angemessenen Niveau teilhaben zu k\u00f6nnen. Daher halte ich ein Studium generale f\u00fcr enorm wichtig. Studierende, die ein technisches oder naturwissenschaftliches Fach studieren wollen, sollten zu Beginn ihres Studiums auch in die Geistes- und Sozialwissenschaften hineinschauen und umgekehrt. Um all das realisieren zu k\u00f6nnen, was f\u00fcr mich zu einem umfassenden Studium geh\u00f6rt, sollten wir zu Beginn so etwas wie eine Orientierungsphase erm\u00f6glichen. Au\u00dferdem geh\u00f6rt in einer globalisierten Welt im weiteren Verlauf unbedingt auch ein Auslandsaufenthalt dazu.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Rolle spielt die Politik im Bildungswesen \u2013 alle vier Jahren Wahlen. Alle vier Jahre m\u00f6glicherweise andere Weltanschauungen, Schwerpunkte und Werte. Ist da Kontinuit\u00e4t im Bildungswesen \u00fcberhaupt m\u00f6glich?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Es ist eine Frage von Verantwortungsbewusstsein. Man muss nicht nur aus Prinzip etwas anderes machen als die Vorg\u00e4ngerregierung. Das gilt f\u00fcr jede Farbkombination. Ich habe mit Blick auf NRW den Eindruck, dass man sich dessen auch bewusst ist. Was jetzt im neuen Hochschulgesetz ge\u00e4ndert werden soll, ist dosiert. Trotzdem ist die deutsche Bildungslandschaft viel zu un\u00fcbersichtlich. Es gibt viel zu viel Konkurrenzdenken. Da werden oft Dinge nur ge\u00e4ndert, um sich abzuheben und andere Akzente zu setzen. Dabei wird \u00fcbersehen, dass doch eigentlich vor allem eines wichtig ist, dass wir n\u00e4mlich gemeinsam bundesweit das Qualit\u00e4tsniveau heben. Ein Punkt, der beispielsweise in diesem Zusammenhang viel zu kurz kommt: Wir m\u00fcssten viel mehr gerade in den Beginn der Bildungskarrieren von jungen Menschen investieren. Das sollte schon im Kindergarten und im Vorschulalter anfangen. Im europaweiten Vergleich zeigt sich, dass wir dabei noch viel von anderen L\u00e4ndern lernen k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Ein bundesweit einheitliches Abitur gibt es bislang nur auf dem Papier. Wie sch\u00e4tzen Sie das ein?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Ich halte es f\u00fcr wichtig, dass es hier eine echte Konvergenz gibt. Das, was da bislang politisch propagiert wurde, ist de facto nicht ausreichend gegeben. Das geht nicht erst bei den Abiturpr\u00fcfungen los, sondern m\u00fcsste schon in den Lehrpl\u00e4nen beginnen: Vor allem bei den Kernf\u00e4chern Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen br\u00e4uchten wir gewisse bundeseinheitliche Mindeststandards. Etwa, um anschlie\u00dfend die Studierendenmobilit\u00e4t zwischen den Bundesl\u00e4ndern zu erleichtern. Aber auch f\u00fcr ein bildungspolitisches Qualit\u00e4tsmanagement m\u00fcsste die Vergleichbarkeit gr\u00f6\u00dfer sein. Damit wir \u00fcberhaupt wissen, wo wir ansetzen k\u00f6nnen, wenn wir auf ganzer Linie besser werden wollen. Wenn sich jedes einzelne Bundesland hinter einem spezifischen Wust an Regeln versteckt, ist das gar nicht mehr so leicht erkennbar.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Warum gibt es diese gro\u00dfen Unterschiede? Will sich da etwa jemand mit tollen Ergebnissen schm\u00fccken?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Ja, das ist so! Wie gesagt, fast jede neue Landesregierung glaubt, sich produzieren zu m\u00fcssen. Zumeist hat man sich im Wahlkampf in Sachen Bildungspolitik weit aus dem Fenster gelehnt und legt dann Aktionismus an den Tag, nur um sich von Vorhandenem abzusetzen. Bei n\u00e4herem Hinsehen w\u00fcrde es oft reichen, die Dinge einfach nur qualifiziert weiterzuentwickeln. Nat\u00fcrlich sind gerade die Inhalte der Lehrpl\u00e4ne immer wieder zu \u00fcberpr\u00fcfen und anzupassen, weil sich ja auch die Themen in der Gesellschaft ver\u00e4ndern. Nehmen wir zum Beispiel das Stichwort Digitalisierung. Aber auch da sollte man dosiert und \u00fcberlegt rangehen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Hier der Sch\u00fcler X, deren Eltern nicht sonderlich gebildet und wohlhabend sind. Und da die Sch\u00fclerin Y, deren Eltern einen hohen Bildungsstand und auch das n\u00f6tige Geld f\u00fcr individuelle Nachhilfe besitzen. Von Chancengleichheit kann da ja wohl nicht die Rede sein?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Da muss ich zun\u00e4chst einmal eine Lanze f\u00fcr unser Bildungssystem brechen. Es gibt kaum ein hochentwickeltes Industrieland, das schulische und hochschulische Bildung so g\u00fcnstig anbietet wie Deutschland. Damit ist schon einmal eine gewisse Chancen-Basis gegeben. Dar\u00fcber hinaus brauchen wir aber \u2013 und da sind wir in der Tat bei den Defiziten \u2013 viel mehr individuelle Angebote auf allen Bildungsstufen. F\u00fcr solche, die sich besonders schwer oder auch besonders leichttun. Das hei\u00dft, wir sprechen von Lernschwierigkeiten, aber auch von Hoch- und Inselbegabungen, an denen es anzusetzen gilt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Au\u00dferhalb des reinen Studien-Betriebs bieten Sie ein breitgef\u00e4chertes Freizeitangebot an. Wird das so angenommen, wie Sie sich das w\u00fcnschen?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Wir haben allein rund 80 Angebote im Bereich Hochschulsport. Das ist im Grunde unser Beitrag zum Breitensport. Es wird sehr gut angenommen. Wir k\u00f6nnten noch viel mehr anbieten. Sehr positiv sind gerade auch die R\u00fcckmeldungen von Studierenden, die von au\u00dferhalb kommen. Sie nehmen den Standort Wuppertal mit all seinen M\u00f6glichkeiten im Kulturellen, im Sozialen und im Sport-Bereich begeistert wahr. Was durchaus erstaunlich ist, weil Wuppertal jenseits der Stadtgrenzen ja leider immer noch nicht den besten Ruf genie\u00dft. Ein Beweis f\u00fcr mich, dass wir uns als Stadt nach wie vor unter Wert verkaufen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Sollten sich Studierende allein aufs Studium konzentrieren oder auch noch nebenbei einen Job aus\u00fcben?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Immer vorausgesetzt, dass der Job das Studium nicht behindert und sich Studierende vom Reiz des Geldverdienens nicht zu sehr vereinnahmen lassen, kann eine dosierte, zeitlich begrenzte Nebenbesch\u00e4ftigung eine wertvolle Lebenserfahrung sein. Erst recht, wenn der Job inhaltlich etwas mit dem Studium und dem sp\u00e4teren Berufsfeld zu tun hat. Ich habe selbst fr\u00fcher gejobbt. Aus einer Familie mit f\u00fcnf Kindern kommend, habe ich w\u00e4hrend des Studiums Klavierunterricht gegeben, als Chauffeur und auch auf dem Bau gearbeitet. Das hat mir nicht geschadet, sondern war eine wichtige Bereicherung. Zudem haben meine Kommilitonen und ich uns damals stark ehrenamtlich engagiert, z.B. in der Jugendarbeit. Das ist leider zur\u00fcckgegangen, obwohl das Ehrenamt gerade heute viel Nachwuchs br\u00e4uchte. Schon allein, weil die Kommunen aufgrund von Geldmangel viele Aufgaben vernachl\u00e4ssigen m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Genie\u00dft die Bergische Universit\u00e4t in der Stadt den Stellenwert, den Sie sich w\u00fcnschen und den Sie verdient?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Zunehmend!&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Was macht Wuppertal als Studierendenstadt aus?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Die Rheinische Post hat einmal geschrieben: &#8218;Wuppertal, der Geheimtipp unter den Universit\u00e4ten in NRW&#8216;. Ich glaube, dass wir mittlerweile sogar mehr als ein Geheimtipp sind. Das Gute ist, dass wir trotz der knapp 23.000 Studierenden gef\u00fchlt keine Massen-Universit\u00e4t, sondern immer noch eine Universit\u00e4t der pers\u00f6nlichen Begegnung sind. Wir verf\u00fcgen \u00fcber ein modernes F\u00e4cherspektrum und haben eine hohe Qualit\u00e4t in Lehre, Forschung und Transfer. Au\u00dferdem k\u00f6nnen wir eine wunderbar gr\u00fcne Umgebung bieten, in der sich sehr gut wohnen l\u00e4sst. Nicht zuletzt verf\u00fcgen wir \u00fcber das bereits erw\u00e4hnte, breitgef\u00e4cherte Freizeitangebot.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Universit\u00e4ten wie Heidelberg, Bamberg, K\u00f6ln oder M\u00fcnchen haben teilweise eine Jahrhunderte lange Tradition und besitzen Strahlkraft in die ganze Welt. Wie kompensieren Sie diesen Standortnachteil?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Das ist ganz schwer zu kompensieren. Diese Universit\u00e4ten haben einfach einen riesigen historischen Vorsprung. Das Wort Universit\u00e4tsstadt sagt sich so leicht. Dabei reicht es nicht, es etwa nur auf das Stadtschild zu schreiben. Die ber\u00fchmten alten Universit\u00e4tsst\u00e4dte haben Tradition und Reputation in ihrer DNA verankert. Da muss man ganz ehrlich sein. Wir arbeiten aber st\u00e4ndig daran, dieses Traditions-Defizit auszugleichen. Da k\u00f6nnen und wollen wir noch hinkommen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Die Bergische Universit\u00e4t pflegt sehr enge Verbindungen zu Wuppertaler Unternehmen \u2013 war Ihnen das als Wirtschaftswissenschaftler ein besonderes Anliegen?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Das hat eigentlich weniger mit mir als Wirtschaftswissenschaftler zu tun. In der heutigen Zeit kommt man gar nicht umhin, mit denen eng zusammenzuarbeiten, die hinterher unsere jungen Wissenstr\u00e4ger als Leistungstr\u00e4ger \u00fcbernehmen. Die sogenannte Praxis ben\u00f6tigt heute einen anderen Typus von Mitarbeitenden. Fr\u00fcher waren gerade im Bergischen Land viele Arbeitsinhalte auf Seiten der Besch\u00e4ftigten \u00fcberwiegend repetitiv. Man hat einen Beruf erlernt und diesen ein Leben lang ausge\u00fcbt. Heute brauchen die Unternehmen Mitarbeitende, die gelernt haben zu lernen, die ein hohes technisches Verst\u00e4ndnis mitbringen, die permanent bereit sein m\u00fcssen, Innovationen zu generieren und umzusetzen. Bildung, die dies erm\u00f6glicht, erfordert einen st\u00e4ndigen Austausch mit den Bedarfstr\u00e4gern, den sp\u00e4teren Arbeitgebern. Gerade der im Bergischen sehr starke und innovationsorientierte Mittelstand ist mehr als die Gro\u00dfindustrie darauf angewiesen, mit den Hochschulen zusammenzuarbeiten. Davon k\u00f6nnen beide Seiten nur profitieren.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Wie gro\u00df ist die Gefahr, in Abh\u00e4ngigkeit von den Unternehmen zu geraten?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Aus meiner Sicht ist sie minimal. Wichtig ist, die Regeln der Zusammenarbeit zu Beginn festzulegen. Beispielsweise im Zusammenhang mit Stiftungslehrst\u00fchlen oder wenn man den Auftrag erh\u00e4lt, eine Praxis-Studie zu erstellen. Aus dem Gesundheitsbereich ist immer wieder zu h\u00f6ren, dass angeblich Studien gleich zusammen mit einem bestimmten Wunschergebnis beauftragt werden. Das mag es hier und da auch in Deutschland gegeben haben. Doch wir sind hier au\u00dfen vor. Und nicht nur, weil wir an unserer Universit\u00e4t keine medizinische Fakult\u00e4t haben. Ich betone noch einmal: Wenn man zu Beginn einer jeden Zusammenarbeit die Spielregeln unmissverst\u00e4ndlich fixiert, dann sehe ich \u00fcberhaupt keine Gefahr, dass es eine Manipulation von Hochschulen durch die Industrie gibt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Wo sehen Sie noch Entwicklungs-Potenzial f\u00fcr die Bergische Universit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Wir werden politisch weiter f\u00fcr ein besseres Betreuungsverh\u00e4ltnis k\u00e4mpfen. Immer noch haben wir eine Reihe von F\u00e4chern, in denen auf eine Dozentin oder einen Dozenten eine zu gro\u00dfe Zahl von Studierenden kommt. Hier besser zu werden hei\u00dft, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu steigern. Das gilt f\u00fcr uns in Wuppertal, aber auch f\u00fcr NRW als Ganzes. Ich hoffe, dass die Message mittlerweile auf der politischen Ebene angekommen ist.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Die Stadt und die hiesigen Unternehmen haben die Chance, hochqualifizierte Kr\u00e4fte, die nach Wuppertal gekommen sind um hier zu studieren, nach erfolgreichem Studium an die Stadt zu binden. Wird diese Chance auch genutzt?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Auch da sind wir auf einem guten Weg. Wir arbeiten in diesem Bereich beispielsweise sehr eng mit dem Wuppertaler Technologiezentrum W-tec zusammen, bei dem wir Gesellschafter sind. Hier werden Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder in ein Netzwerk eingebunden, sie bekommen alle m\u00f6glichen Services an die Hand und k\u00f6nnen erste Gehversuche als junge Unternehmende machen. Das W-tec bietet ihnen einen attraktiven, stadtnahen Standort. Auch sonst nutzen wir unsere Kontakte zu Wuppertaler Unternehmen, Beh\u00f6rden und anderen Organisationen. Studierende bekommen die Chance, dort ein Praktikum zu machen oder ihre Abschlussarbeit zu schreiben. Das alles mit dem Ziel, m\u00f6glichst fr\u00fch ein nachhaltiges Interesse an Wuppertal entstehen zu lassen. Die Stadt ist ja auch als Standort f\u00fcr eine Familienplanung interessant. Gut arbeiten \u2013 angenehm wohnen. Beides k\u00f6nnen wir bieten.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_45349\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 496px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-45349\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_8403_a-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"486\" height=\"324\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Lambert T. Koch &#8211; \u00a9 Dirk Sengotta<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Sie sind gesellschaftlich sehr eingebunden in die Stadt \u2013 ist Ihnen das eine Herzensangelegenheit oder wurden Sie eher vereinnahmt?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Das ist so gewollt! Ich wohne ja bereits seit \u00fcber 18 Jahren hier und f\u00fchle mich inzwischen als Wuppertaler. Auch, wenn ich nicht wei\u00df, ob mir Ur-Wuppertaler diesen Status schon zugestehen. Jedenfalls liebe ich diese Stadt, sehe aber aus meinem Blickwinkel zugleich auch die Defizite. Deshalb arbeite ich gern mit daran, das Image Wuppertals zu verbessern.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Werden Sie auch nach Ihrer Zeit als Rektor der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertaler bleiben?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Ich habe dar\u00fcber schon oft mit meiner Frau gesprochen. Und wir sind beide immer wieder selbst verwundert, wie gern wir mittlerweile hier leben.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Sie sind erst 53 Jahre alt, haben Sie trotzdem schon eine Deadline gesetzt?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. Lambert T. Koch: &#8222;Ich werde sicher nicht Rektor bleiben, bis man mich davonjagt. Dennoch habe ich in diese Richtung noch keine fixe Entscheidung getroffen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Gibt es eine Aufgabe oder eine Funktion, die Sie noch reizen w\u00fcrde?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Ich war immer schon ein Mensch, der sich von ganz viel hat begeistern lassen. Das ist wohl ein Charakterzug. Ich wei\u00df ja nicht, wer oder was noch auf mich zukommt und versucht, mich f\u00fcr etwas zu gewinnen. Dabei spielt jedenfalls Karrieredenken keine Rolle, sondern nur die Frage, was mich zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt einmal wirklich reizt. Die berufliche Neugier ist, so viel kann ich sagen, trotz meines hohen Alters noch vorhanden.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Wie werden Sie in diesem Jahr Weihnachten verbringen?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;In Wuppertal, am Weihnachtsbaum und abends in der Kirche.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Welche W\u00fcnsche oder Pl\u00e4ne haben Sie f\u00fcr 2019?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Dass die Bergische Universit\u00e4t, die in diesem Jahr die besten Zahlen ihrer Geschichte geschrieben hat, auf ihrem Weg weiter vorankommt. Dass sie noch attraktiver f\u00fcr alle ihre Mitglieder sowie als Forschungsuniversit\u00e4t wird. F\u00fcr mich privat hoffe ich, dass es mir meine Knie erlauben, die Lauft\u00e4tigkeit wieder auszuweiten. Au\u00dferdem nehme ich mir wie jedes Jahr vor, meine musikalischen Hobbies ein wenig mehr zu pflegen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Vielen Dank f\u00fcr das interessante, spannende Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\"><strong>Vita<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Prof. Dr. Lambert T. Koch wurde am 23.07.1965 in Hering bei Darmstadt geboren. Seine Jugend (\u201eVon der Windel bis zum Abitur\u201c, O-Ton Prof. Dr. Koch) verbrachte der Sohn eines Theologie-Professors in W\u00fcrzburg. Nach dem Abitur ging er zwei Jahre lang als Reserve-Offizier zur Bundeswehr. Anschlie\u00dfend studierte er an den Universit\u00e4ten Mainz und W\u00fcrzburg Volkswirtschaftslehre. In W\u00fcrzburg begann er dann seine Promotion, schloss diese an der Uni Jena ab und habilitierte sich dort auch. Im jungen Alter von 33 Jahren erreichte ihn der Ruf der Bergischen Universit\u00e4t. Hier besetzte der \u00d6konom einen Lehrstuhl, der sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit den Themen Unternehmertum, Gr\u00fcndung und wirtschaftliche Entwicklung besch\u00e4ftigt. 2005 wurde er Dekan der heutigen Schumpeter School of Business and Economics. Gastprofessuren f\u00fchrten ihn nach Cleveland (USA) sowie regelm\u00e4\u00dfig nach Klagenfurt (\u00d6sterreich) und Kosice (Slowakei). Seit 2008 ist Professor Koch Rektor der Bergischen Universit\u00e4t. Mit seiner Ehefrau Carola, einer Diplomingenieurin im Bereich Bekleidungs-Technik, hat er drei Kinder. Die Hobbies des Wahl-Wuppertalers, dessen Herz gleicherma\u00dfen f\u00fcr Bayern M\u00fcnchen und den Wuppertal SV schl\u00e4gt, liegen in den Bereichen Musik und Sport.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Prof. Dr. Lambert T. Koch Rektor ist, ging es mit der Bergischen Universit\u00e4t stetig bergauf. Eine wahre Erfolgsgeschichte.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":21667,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[1780,3482,2145],"class_list":["post-21669","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews","tag-bergische-universitaet","tag-prof-dr-lambert-t-koch","tag-unirektor"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-28 10:42:20","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21669","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21669"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21669\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83878,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21669\/revisions\/83878"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21667"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21669"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21669"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21669"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}