{"id":21534,"date":"2019-12-20T08:10:50","date_gmt":"2019-12-20T07:10:50","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2018\/11\/18\/tante-jens-ein-paradiesvogel-mit-herz-2\/"},"modified":"2022-01-28T12:02:43","modified_gmt":"2022-01-28T11:02:43","slug":"tante-jens-ein-paradiesvogel-mit-herz-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2019\/12\/20\/tante-jens-ein-paradiesvogel-mit-herz-2\/","title":{"rendered":"&#8222;Tante Jens&#8220; &#8211; ein Paradiesvogel mit Herz f\u00fcr Arme"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_45826\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 770px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-45826\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/141532867_10208815022130714_8859516388938177337_o-1024x694-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"760\" height=\"529\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Jens Langner (ganz rechts) mit Sch\u00fclern und Lehrpersonal vor seiner Schule in Accra (Ghana) &#8211; \u00a9 Foto: privat<\/span><\/div>\n<p>Er ist eine schillernde Pers\u00f6nlichkeit mit zwei Gesichtern. Als &#8222;Tante Jens&#8220; bringt er an f\u00fcnf Abenden in der Woche die G\u00e4ste seines Disko &#8222;Kings Club&#8220; auf Norderney zum Lachen und zum Schunkeln. Als Jens Langner fliegt der 49j\u00e4hrige mehrmals im Jahr nach Ghana, um in den Slums von Accra seine Schule zu besuchen, die er mit seinem Lebenspartner Seedrase f\u00fcr einheimische Kinder aufgebaut hat und seither verantwortungsvoll und mit viel Herzblut betreut.<\/p>\n<p>Viele seiner G\u00e4ste ahnen gar nicht, dass sich hinter dem immer lustigen und gut aufgelegten Entertainer auch ein ernsthafter Mensch mit hoher Sozialkompetenz verbirgt. Denn Jens Langner h\u00e4ngt sein caritatives Engagement nicht an die gro\u00dfe Glocke.<\/p>\n<p>Als Entertainer &#8222;Tante Jens&#8220; unterh\u00e4lt er seine Fans ganz professionell mit live gesungenen Gassenhauern aus den 50er und 60er Jahren und nicht ganz jugendfreien Witzen. Zwischendurch trinkt er auch schon einmal einem verdutzten Gast das Bier weg, um es dann durch ein neues Glas und einem Freibier als Zugabe zu ersetzen. Wiedergutmachung nach Art des Hauses.<\/p>\n<div id=\"attachment_45685\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 448px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-45685\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/DSC04919-2-1024x762.jpg\" alt=\"\" width=\"438\" height=\"326\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Jens Langner alias &#8222;Tante Jens&#8220; &#8211; \u00a9 Susanne Bellenbaum<\/span><\/div>\n<p>&#8222;Tante Jens&#8220; gilt als Original auf der Ferien-Insel Norderney, ein &#8222;bunter Seehund&#8220;, k\u00f6nnte man sagen. Sein &#8222;Kings Club&#8220; ist ein Mekka der guten Laune. Jeder kennt den mindestens 120 Kilo schweren singenden Gastronom, der keinerlei Ber\u00fchrungs\u00e4ngste kennt. Ganze Kegelclubs und Karnevalsvereine kommen nach Norderney, um bei Paradiesvogel &#8222;Tante Jens&#8220; einen lustigen, feuchtfr\u00f6hlichen Abend zu genie\u00dfen. Auch Schlagers\u00e4nger Mickie Krause ist mittlerweile Stammgast im &#8222;Kings Club&#8220; &#8211; und ein gro\u00dfer Fan des talentierten Show-Schwergewichts.<\/p>\n<p><strong>Star im Norderney-Portrait des WDR<\/strong><\/p>\n<p>In der WDR-Produktion \u201eWundersch\u00f6n &#8211; Norderney im Winter\u201c (erh\u00e4ltlich als DVD &amp; Blu-ray) spielt Jens Langner er eine Hauptrolle, ebenso wie Comedy-Star Dr. Ludger Stratmann, der seit vielen Jahren auf Norderney ein Haus besitzt.<\/p>\n<p>Jens Langner ist zwar geb\u00fcrtiger Berliner, doch er f\u00fchlt sich als Sylter. Denn schon als Kleinkind ist er mit seinen Eltern auf die Nordsee-Insel gezogen, auf der sich mittlerweile nicht nur der deutsche Jetset tummelt. Nach der Schule erlernte er sogar einen ganz normalen Beruf: Lokomotivf\u00fchrer &#8211; der Traumjob vieler, kleiner Jungen.<\/p>\n<p>Doch Jens f\u00fchlte sich schon bald auf dem Abstellgleis und stellte seine beruflichen Weichen neu: \u201eIch konnte mir einfach nicht vorstellen, trotz Beamtenstatus, 40 Jahre lang ganz allein auf einer Lok zu sitzen. Mit wem sollte ich da reden? Ich hatte vorher immer nebenbei einen Aushilfsjob als Barkeeper im Bordell von Westerland und fand das unglaublich spannend. Da lag es f\u00fcr mich nahe, gleich nach der Ausbildung bei der Bahn zu k\u00fcndigen und mich mit damals 22 Jahren als Gastronom selbst\u00e4ndig zu machen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Erste Pleite als Gastronom<\/strong><\/p>\n<p>Jens Langner er\u00f6ffnete auf Deutschlands Insel der Sch\u00f6nen und Reichen sein erstes Lokal. Er ging damit aber baden, weil er schnell erkennen musste, dass es um Erfolg zu haben nicht ausreichte, einfach nur unfallfrei Bier zu kredenzen.<\/p>\n<p>Jens: \u201eNach drei Jahren war ich so gut wie pleite. Doch da ich ein rational denkender Mann bin, habe ich \u00fcberlegt, wof\u00fcr ich pers\u00f6nlich im Urlaub Geld ausgeben w\u00fcrde? Ich gab mir selbst die \u00a0Antwort: F\u00fcr gutes Entertainment. Also habe ich mein Konzept ge\u00e4ndert, ein Cabaret er\u00f6ffnet und als Autodidakt mit dem Singen angefangen. Am Anfang war es nat\u00fcrlich alles andere als h\u00f6renswert. Aber mein Gesang und meine Performance wurden immer besser. Und bis 2007 hatte ich damit ja auch durchaus Erfolg.\u201c<\/p>\n<p>Seinen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Spitz- und jetzigen K\u00fcnstlernamen &#8222;Tante Jens &#8220; verdankt er \u00fcbrigens einem Gast, der ihn aufgrund seiner langen Haare &#8222;Tante Jens&#8220; taufte. Sylt &#8211; f\u00fcr Jens allerdings eine Liebesgeschichte ohne Happy-end. Es kam zum Streit zwischen ihm und seinem Gesch\u00e4fts- und Lebenspartner. Das Ende vom Lied: Jens Langner wurde von seinem eigenen Freund ausgebootet und verlie\u00df die Insel Sylt, um auf Umwegen \u00fcber Saalbach-Hinterglemm (\u00d6sterreich) auf dem n\u00e4chsten Nordsee-Eiland zu landen &#8211; Norderney.<\/p>\n<p><strong>Auf Umwegen auf Norderney gelandet<\/strong><\/p>\n<p>Jens Langner: \u201eIch habe in Saalbach-Hinterglemm im Hotel Ellmau gearbeitet. Dort sprach mich eines Tages ein Unternehmer am Tresen an: \u201aKomme nach Norderney, ich besitze dort mehrere Immobilien\u2018. Ich wusste damals gar nicht, wo Norderney lag, aber ich habe das Angebot angenommen.\u201c<\/p>\n<p>Tante Jens \u00fcbernahm den \u201eKings Club\u201c, eine ehemalige Diskothek. Und seither brummt der Musik-Schuppen. Die Leute lieben ihn f\u00fcr seine authentische, ehrliche Art. Er geht ganz offen mit seiner Homosexualit\u00e4t um. Wer Gl\u00fcck hat, der lernt auch die andere Seite von &#8222;Tante Jens&#8220; kennen. Den sozial engagierten Mann, der in der Stadt Accra in Ghana (Westafrika) seine zweite Heimat gefunden hat.<\/p>\n<p>Jens Langner gesteht ganz offen: \u201eMich zog es, was die Liebe zu M\u00e4nnern angeht, schon immer nach Afrika. \u00dcber ein Internetportal fand ich schnell Kontakt zu einem Ghanaer namens Seedrase. Kurz darauf habe ich die Koffer gepackt, um ihn und sein Land kennenzulernen. Homosexualit\u00e4t ist in den meisten Teilen Afrikas streng verboten und wird zum Teil mit Gef\u00e4ngnis oder sogar mit dem Tod bestraft. Aber wo das Herz hingeh\u00f6rt, da findet man auch Mittel und Wege.&#8220;<\/p>\n<p>Jens Langner weiter: &#8222;Mein heutiger Lebensgef\u00e4hrte lebte in den Slums von Accra. Es war eine mehr als aufregende Zeit. Dort lernte ich auch eine Frau kennen, die verzweifelt mit einfachen Mitteln versuchte, ihren Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen. Ich fand schnell heraus, wo ich die Hebel ansetzen musste. Alles f\u00e4ngt bei der Bildung an, also musste eine Schule her!\u201c<\/p>\n<p><strong>Die Schule in Accra<\/strong><\/p>\n<p>Gut 25.000 \u20ac hat er bislang in sein Projekt gesteckt, zum Teil eigenes Geld, aber auch Spenden von Freunden und G\u00e4sten. Jens Langner: \u201e25.000 Euro h\u00f6ren sich vielleicht wenig an, aber in Ghana kann man damit ungeheuer viel bewirken. Die brauchen dort keine Prachtbauten, sondern solide, zweckdienlich eingerichtete Schulen mit Schulb\u00e4nken und Ventilatoren.\u201c<\/p>\n<p>Jens Langner und sein Lebenspartner Seedrase, der das Projekt vor Ort betreut, haben daf\u00fcr gesorgt, dass in ihrer Schule mittlerweile ca. 300 M\u00e4dchen und Jungen unterrichtet werden k\u00f6nnen. Seit 2016 baut \u201eObolo\u201c (der dicke, wei\u00dfe Mann), wie Jens liebevoll von den Einheimischen genannt wird, an einem neuen Projekt f\u00fcr ca. 80 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler.<\/p>\n<div id=\"attachment_24406\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-24406 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG977-1024x723.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"723\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Mittendrin: Jens Langer mit Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern sowie Lehrpersonal seiner Schule &#8211; Foto: privat<\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kids und ihre Eltern sind jedenfalls total dankbar. Jens Langner: \u201eDie Kinder in Ghana haben so etwas wie \u201etrockene Schw\u00e4mme\u201c im Kopf und saugen jede Art und Form von Wissen und Bildung nur so in sich auf. Sie tr\u00e4umen nicht von einem iPhone oder einer Apple-Watch, sie sind gl\u00fccklich, wenn sie ihre erste Federmappe bekommen und in die Schule gehen d\u00fcrfen.\u201c<\/p>\n<p>Mit strahlenden Augen erz\u00e4hlt Jens Langner die niedliche Geschichte, die er sogar auf Video festgehalten hat: \u201eAls ich einmal meine kleinen M\u00e4dels in der Schule gefragt habe, was sie denn einmal werden wollen, haben mehrere spontan geantwortet: Wir wollen Model werden.\u201c<\/p>\n<p>Da waren sie bei Jens genau an der richtigen Adresse. Er gab den afrikanischen Models in spe gleich eine anschauliche Nachhilfestunde und machte den staunenden Girls, nicht sonderlich grazi\u00f6s, die Bewegungen auf dem Catwalk vor. Alle hatten riesigen Spa\u00df. In solchen Momenten ist Jens Langner dann fast wieder &#8222;Tante Jens&#8220;, der lustige Entertainer aus dem &#8222;Kings Club&#8220; auf Norderney.<\/p>\n<p>Der sympathisch-schrille Gastronom ist durch seine neue Lebensaufgabe als Mensch reicher geworden: \u201eIch liebe es, in den Slums mit den Einheimischen zusammen zu sitzen mit ihnen aus den gleichen T\u00f6pfen zu essen. Das macht mich gl\u00fccklich und dem\u00fctig und holt mich wieder auf den Boden herunter. Ich liebe den Stolz Afrikas und seiner Menschen, meine Seele ist hier. Auf Norderney arbeite ich. Hier bin ich der Entertainer und lebe meinen Beruf als Vollblut-Gastronom komplett aus. Hier \u00a0mache ich meine Jokes und singe meine Lieder. Und das Alles mit Leidenschaft .\u201c<\/p>\n<p>Einen gro\u00dfen Wunsch haben der lustige Entertainer &#8222;Tante Jens&#8220; und der gro\u00dfherzige Entwicklungshelfer Jens Langner gleicherma\u00dfen: Dass Seedrase eines Tages nach Deutschland kommen kann, um auch die Heimat seines Lebensgef\u00e4hrten Jens Langner einmal kennenzulernen.<\/p>\n<p><strong>Text: Peter Pionke<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Tante Jens&#8220; ein schriller Paradiesvogel mit Tiefgang und Herz. Der Entertainer des &#8222;Kings Clubs&#8220; auf Norderney (Motto: \u201eNormal sein \u2013 kann jeder!\u201c) baute und betreut eine Schule in den Slums von Accra (Ghana). Mit b\u00fcrgerlichem Namen heisst er Jans Langner (49).<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":21532,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[5938,5936,5939,5746,5937],"class_list":["post-21534","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weitblick","tag-accra","tag-jens-langner","tag-kings-club","tag-norderney","tag-tante-jens"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-08 04:18:13","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21534","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21534"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21534\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45827,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21534\/revisions\/45827"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21532"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21534"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21534"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}