{"id":21503,"date":"2018-11-15T12:08:34","date_gmt":"2018-11-15T11:08:34","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2018\/11\/15\/prof-brock-lehrte-an-bergischer-uni-bazon-geh-du-voran\/"},"modified":"2023-04-11T14:48:34","modified_gmt":"2023-04-11T12:48:34","slug":"prof-brock-lehrte-an-bergischer-uni-bazon-geh-du-voran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2018\/11\/15\/prof-brock-lehrte-an-bergischer-uni-bazon-geh-du-voran\/","title":{"rendered":"Prof. Brock lehrte an Bergischer Uni: &#8218;Bazon, geh Du voran!&#8216;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_38126\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 594px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-38126\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/1499278ca3c3e0f04b985c04d5736080-2.jpg\" alt=\"\" width=\"584\" height=\"395\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Bazon Brock, Ex-Professor f\u00fcr \u00c4sthetik und Kulturvermittlung an der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9 Detlef Hartlap<\/span><\/div>\n<p>Ein Au\u00dfenseiter war er immer. Dennoch hat es Professor Bazon Brock, \u00c4sthet und Ethiker, 20 Jahre an der Wuppertaler Universit\u00e4t ausgehalten. Und sie hat ihn ausgehalten. Ein R\u00fcckblick.<\/p>\n<p>Professor Bazon Brock kommt gerade vom Arzt. Schulter verrenkt, Schulter behandelt, die Arbeit geht weiter.<\/p>\n<p>Heute Abend hat er wieder 120 Zuh\u00f6rer in der vollbesetzten \u201eDenkerei\u201c in Berlin-Kreuzberg. Der 82-J\u00e4hrige ist von Kopf bis Fu\u00df \u2013 Schal, Jacke, Hose \u2013 in italienisch-milde Pastellfarben gewandet, passend zum immer noch vollen Haar, das von Beige zu Grau changiert. Eine stattliche Erscheinung, die verrenkte Schulter kann dem nichts anhaben. \u201e16 Veranstaltungen noch bis Weihnachten\u201c, sagt Bazon Brock. Ein Anflug von Stolz ist nicht zu \u00fcberh\u00f6ren. \u201eWer hat das denn noch!\u201c<\/p>\n<p>Der Denker und Vortragsk\u00fcnstler aus Cronenberg ist ein gefragter Mann. Einst hingen, ob an den Universit\u00e4ten in Wuppertal, Wien oder Boston, Trauben junger Leute an seinen Lippen, oft stundenlang und buchst\u00e4blich bis zum Umfallen. Bazon Brock reden zu h\u00f6ren war geistiges Labsal und Leistungssport in einem. Es soll vorgekommen sein, dass er, der \u00c4sthetik-Professor, mit seinen Studenten auf harten Museumsb\u00e4nken n\u00e4chtigte.<\/p>\n<p>Heute str\u00f6men besorgte, ratlose B\u00fcrger jeder Altersstufe in die \u201eDenkerei\u201c. Ahnen sie, worauf sie sich einlassen? Man stelle Bazon Brock eine Frage von einem Satz, und er wird in vierzig S\u00e4tzen antworten, dabei Raum und Zeit von Homer bis heute in gedanklichen Siebenmeilenstiefeln durchmessend.<\/p>\n<p>Aber das schreckt nicht, im Gegenteil. Das Vertrauen in Fakten und Experten schwindet \u00fcberall auf der Welt, der politische Irrsinn streift sich das Gewand der Vernunft \u00fcber und arbeitet mit enormem Aufwand daran, dem exakten Wissen jede Wertigkeit abzusprechen.<\/p>\n<p>Da kann nur einer wie Bazon Brock helfen, der Turm in den Tr\u00fcbnissen des Zeitgeistes, ein K\u00e4mpfer f\u00fcr das Echte und Sch\u00f6ne, ein Alleswisser und oft auch ein Besserwisser, der sich das \u201eL\u00f6sen unl\u00f6sbarer Probleme\u201c zur Aufgabe gemacht hat und das nicht nur im Scherz. Bazon, geh du voran!<\/p>\n<p>Seine Autorit\u00e4t beruht zu einem nicht geringem Teil darauf, dass er immer unabh\u00e4ngig geblieben und keinem Lager zuzuordnen ist. \u201eMit dem l\u00e4sst sich nicht Schlitten fahren\u201c, sagt Brock \u00fcber sich, \u201eweder nach rechts noch nach links.\u201c Eine Vereinnahmung kommt f\u00fcr ihn schon deshalb nicht in Frage, weil \u201eweder Gr\u00fcne oder Linke, auch nicht CDU, SPD und FDP\u201c seinem Anspruch gen\u00fcgen, sich mindestens mal mit den letzten \u201e2800 Jahre Kulturgeschichte auszukennen\u201c. F\u00fcr Brock ein Manko, unter dem die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrzahl politischer Einlassungen leidet. \u201eAhnungslosigkeit\u201c kennzeichne den politischen Alltag oder, um es mit einem Brockschen Kernsatz zu sagen: \u201eIn diesem Land herrscht ein demokratisches Recht auf Dummheit!\u201c<\/p>\n<p>Wie hat das \u00fcberhaupt klappen k\u00f6nnen mit Bazon Brock und Wuppertal? Ein Blick zur\u00fcck in die Siebzigerjahre: Auf den steilen H\u00e4ngen des Grifflenbergs ragen die Baukr\u00e4ne vieldutzendfach und spitzfingrig in die Luft. Ein Hort des Geistes und der Erkenntnis, eine Universit\u00e4t, strebt gen Himmel &#8230;<\/p>\n<p>Obwohl, erst war\u2019s noch eine Uni zweiten Ranges, eine Gesamthochschule, eine von f\u00fcnfen, die auf Betreiben von Kultusminister Johannes Rau in NRW entstanden. Zu jener Zeit wurde Bazon Brock, seit 1965 in Cronenberg ans\u00e4ssig, von Gr\u00fcndungsrektor Professor Gruenter und Professor Simson habilitiert. 1981 wurde er Professor f\u00fcr \u00c4sthetik und Kulturvermittlung.<\/p>\n<p>Die Daten sind pikant. Sie markieren eine Zeit, in der Johannes Rau mit einem gewissen Joseph Beuys \u00fcber Kreuz lag und den eigentlich mildgeistigen Kunstprofessor aus Kleve in einem beispiellosen Akt der Bevormundung der D\u00fcsseldorfer Akademie verwies. Bazon Brock aber geh\u00f6rte zum engsten Kreis um Beuys. Schon 1966 hatten die beiden eine \u201eDeutsche Gesellschaft zur Erforschung der Zukunft\u201c gegr\u00fcndet. Am Beuysschen Bestreben um einen freien Fluss von Kunstinhalt und Kunstbegriff war Bazon Brock inspirierend beteiligt.<\/p>\n<p>Wie also konnte Wuppertal diesen Brock 20 Jahre lang ertragen? Und was hielt den Professor, der am MIT in Boston gefeiert wurde, den man an der Wiener Hochschule der K\u00fcnste verehrte (und mit dem \u00d6sterreichischen Staatspreis auszeichnete), in Wuppertal?<\/p>\n<p>Das hatte, erstens, sachliche Gr\u00fcnde. Mit Beendigung des 2. Vatikanischen Konzils waren ab 1964 viele klassische Kirchenrituale aufgegeben worden und in \u2013 zuweilen frevelnde \u2013 K\u00fcnstlerhand gefallen. Daf\u00fcr war Brock der richtige Moderator. \u201e,Keine \u00c4sthetik ohne Ethik\u2018\u201c, lautet eine seiner ma\u00dfgeblichen Maximen. Die meisten Professorenkollegen be\u00e4ugten sein Wirken mit scheelem Blick.<\/p>\n<p>Zweitens war Uni-Kanzler Dr. Klaus Peters dem aus Pommern stammenden Brock ungeachtet mancher Differenz mit Sympathie und Am\u00fcsement zugetan. Im Streit warf man sich gegenseitig heftige lateinische Sentenzen an den Kopf , aber man vertrug sich auch wieder. Brock revanchierte sich mit einer exklusiven Theorie der B\u00fcrokratie: \u201eIhre B\u00fcrokratie, Herr Dr. Peters, hindert uns Individuen daran, unsere haltlosen Einf\u00e4lle t\u00e4glich und unhinterfragt in die Tat umzusetzen. Daf\u00fcr danken wir Ihnen.\u201c Der Neid im Lehrk\u00f6rper mehrte sich.<\/p>\n<p>Drittens leistete Bazon Brock exzellente Arbeit, habilitierte 59 seiner Studenten zu Professoren, was er selbst als \u201eWeltrekord\u201c bezeichnet. Nat\u00fcrlich sorgte auch das f\u00fcr einen erh\u00f6hten Neidfaktor. P\u00fcnktlich mit 65 ging Brock 2001 in den Ruhestand, was er selbst als \u201eRausschmiss\u201c sieht.<\/p>\n<p>Sein Domizil in Cronenberg hat er behalten, als \u201eBasislager\u201c. Doch seine Aktivit\u00e4ten hat er an die Uni Saarbr\u00fccken verlagert, an die weltweit geachtete ETH Z\u00fcrich und in seine \u201eDenkerei\u201c in Berlin, wo die scheinbar unl\u00f6sbaren Probleme verhandelt werden.<\/p>\n<p>Um eine Ahnung davon zu vermitteln, um was es da unter anderem geht, sei auf ein B\u00fcchlein verwiesen, das Brock zusammen mit Peter Sloterdijk herausgab: \u201eDer Profi-B\u00fcrger\u201c, hei\u00dft es. Es geht um \u201eHandreichungen f\u00fcr die Ausbildungen von Diplom-B\u00fcrgern, Diplom-Patienten, Diplom-Konsumenten und Diplom-Gl\u00e4ubigen\u201c.<\/p>\n<p>Die M\u00fcndigkeit des B\u00fcrgers lag, davon ist Bazon Brock \u00fcberzeugt, in der alten Bundesrepublik auf h\u00f6herem Niveau als heute, da \u201eder gesellschaftliche Konsens aufgebrochen\u201c sei. Selbst die gro\u00dfen Auseinandersetzungen der Bundesrepublik \u2013 Wiederbewaffnung, Radikalenerlass, Atomkraftwerke \u2013 h\u00e4tten stets in rechtstaatlichem Rahmen und im sicheren Gef\u00fchl staatlicher Autorit\u00e4t stattfefunden. Das sei jetzt, in einer Epoche \u201eder Herrschaft der Minderheiten \u00fcber die Mehrheiten\u201c nicht mehr gegeben.<\/p>\n<p>Im Oktober 2015 erkl\u00e4rte Brock seiner Zuh\u00f6rerschaft in der \u201eDenkerei\u201c: Mit den Fl\u00fcchtlingen hole man sich Hunderttausende Anti-Semiten ins Land. F\u00fcnf Professoren der Humboldt-Universit\u00e4t verlie\u00dfen daraufhin in aufrechter Emp\u00f6rung \u00fcber so viel politisch unkorrekter Menschenverachtung den Saal.<\/p>\n<p>\u201eUnd heute?\u201c, fragt Bazon Brock, \u201eda an jeder zweiten Kreuzberger Hauswand der ,Tod Israels\u2018 propagiert wird, was sagen die Humboldt-Herren jetzt?\u201c<\/p>\n<p><strong>Text: Detlef Hartlap<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ethiker Prof. Bazon Brock lehrte 20 Jahre an der Bergischen Universit\u00e4t und hinterlie\u00df in Wuppertal eindrucksvoll Spuren. Eine imposante Pers\u00f6nlichkeit:\u00a0&#8222;Bazon, geh du voran!&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":21501,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-21503","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wuppertal"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-06-29 22:19:53","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21503","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21503"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21503\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64330,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21503\/revisions\/64330"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21501"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21503"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21503"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21503"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}