{"id":21286,"date":"2018-10-15T08:40:02","date_gmt":"2018-10-15T06:40:02","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2018\/10\/15\/wegweiser-gegen-gewaltbereiten-salafismus\/"},"modified":"2022-01-29T20:49:46","modified_gmt":"2022-01-29T19:49:46","slug":"wegweiser-gegen-gewaltbereiten-salafismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2018\/10\/15\/wegweiser-gegen-gewaltbereiten-salafismus\/","title":{"rendered":"&#8218;Wegweiser&#8216; gegen gewaltbereiten Salafismus"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_48411\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-48411\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMNRW-210408-283-2-1024x991.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"991\" \/><span class=\"wp-caption-text\">NRW Innenminister Herbert Reul ist f\u00fcr die Sicherheit im Bundesland zust\u00e4ndig &#8211; \u00a9\u00a0Foto: IMNRW \/ Jochen Tack<\/span><\/div>\n<p>Als die \u201eSharia Polizei\u201c 2014 in Wuppertal unterwegs war, erschrak die halbe Republik. Sieben junge M\u00e4nner waren in der Elberfelder Innenstadt unterwegs, um \u2013 wie sie sagten &#8211; als Ordnungsh\u00fcter junge Muslime vom Gl\u00fcckspiel, Alkoholkonsum, Disco- und Bordellbesuchen abzuhalten.<\/p>\n<p>Der Auftritt der selbst ernannten Sittenw\u00e4chter hatte bundesweit Emp\u00f6rung ausgel\u00f6st. Bundesweites Aufsehen erregte der Fall dann noch einmal, als das Wuppertaler Landgericht die Tr\u00e4ger mit den orangenen Warnwesten und der Aufschrift \u201eSharia Police\u201c freisprach und ein weiteres Mal, als der Bundesgerichtshof dieses Urteil in diesem Jahr aufhob und den Fall zur Neuverhandlung an das Landgericht zur\u00fcckverwies.<\/p>\n<p>In der Szene selbst ist es inzwischen scheinbar deutlich ruhiger geworden. Das k\u00f6nnte der Erfolg eines Pr\u00e4ventions-Projektes des Landes NRW gegen gewaltbereiten Salafismus sein, das den Namen \u201eWegweiser\u201c tr\u00e4gt und das Ziel hat, m\u00f6gliche Radikalisierungsprozesse bei Jugendlichen und jungen Heranwachsenden bereits in ihren Anf\u00e4ngen zu verhindern.<\/p>\n<p>Wuppertal geh\u00f6rte nach D\u00fcsseldorf, Bochum und Bonn\u00a0zu den ersten Standorten, an denen das anfangs noch politisch umstrittene Projekt im April 2015 an den Start ging. NRW-weit existieren derzeit 13 Beratungsstellen. Die Zahl wird bis Ende des Jahres auf 25 aufgestockt.<\/p>\n<p>Die Umsetzung des Projekts blieb den Kommunen \u00fcberlassen. Die drei St\u00e4dte Wuppertal, Remscheid und Solingen haben die \u201eBeratungsstelle Bergisch Land\u201c eingerichtet, um gemeinsam mit Netzwerkpartnern, konzentriert Hilfesuchenden aus der Region eine Anlaufstelle zu bieten. Sie hat heute an der Berliner Stra\u00dfe in Oberbarmen ihre Gesch\u00e4ftsstelle, die auf Wunsch gerne auch telefonisch und anonym angegangen werden kann.<\/p>\n<p>Fachbereichsleiter Stefan Friese spricht von einer erfolgreichen Arbeit, man sei etwa 100 Mal mit jungen Muslimen konfrontiert gewesen, die in die Islamistenszene abzurutschen drohten. Die insgesamt gemachten guten Erfahrungen werden auf das Konzept zur\u00fcckgef\u00fchrt, an dem auch drei hauptamtliche Islamwissenschaftler beteiligt sind.<\/p>\n<p>Kompetente Fachleute also, die wissen, was Salafisten, Dschihadisten und Islamisten antreibt und was sie unterscheidet. Sie analysieren die individuelle Situation und koordinieren konkrete Schritte. Die Betreuer beraten, begleiten bei Terminen oder nehmen Kontakt mit Expertinnen und Experten auf (u. a. Jugendeinrichtungen, Beh\u00f6rden, Imame und muslimischen Einrichtungen). Vernetzung sei notwendig, um f\u00fcr gef\u00e4hrdete Jugendliche individuelle Auswege zu entwickeln. Da es fast immer um religi\u00f6se Hintergr\u00fcnde geht, gelinge es sehr h\u00e4ufig, die Ansichten zu hinterfragen und auch zu widerlegen, berichtet Stefan Friese.<\/p>\n<p>Die, um die es geht, sind in der Regel jung, \u201ezwischen 14 und 18 Jahre alt\u201c und m\u00e4nnlich. Sie geh\u00f6ren zur Gruppe der Gastarbeiter-Kindeskinder, die es nicht geschafft haben. Jugendliche zwischen allen St\u00fchlen. Nicht mehr in der Kultur der Eltern verhaftet, in der hiesigen nicht angekommen. Underdogs, die \u201eden religi\u00f6sen Fanatismus progressiv umdeuten und sich selbst als Avantgarde sehen\u201c, sagt Prof. Marco Sch\u00f6ller, Islamwissenschaftler an der Uni M\u00fcnster.<\/p>\n<p>Nach Beobachtungen der Wuppertaler Einrichtung hat sich die Szene gewandelt, auch Frauen und Kinder seien mit steigendem Anteil inzwischen \u201eTeil des Problems\u201c. Fachleute gehen davon aus, dass sich salafistische Aktivit\u00e4ten aus der \u00d6ffentlichkeit in Hinterh\u00f6fe und Privatr\u00e4ume verlagert haben. Eines scheint sicher: Die Pr\u00e4vention gegen Radikalisierung ist eine Aufgabe, die auch in der Zukunft noch lange zu den ganz gro\u00dfen Herausforderungen geh\u00f6ren wird.<\/p>\n<p>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/p>\n<p><strong>Hintergrund-Daten<\/strong><\/p>\n<p>Die Zahl der Salafisten in Nordrhein-Westfalen ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Nach Angaben des D\u00fcsseldorfer Innenministeriums lag ihre Zahl 2012 bei rund 1.000; Ende 2017 waren es rund 3.000, von denen fast 800 als Gef\u00e4hrder und offen gewaltorientiert eingestuft werden. Auch wenn sich das Wachstum zuletzt verlangsamt hat, konstatiert der NRW-Verfassungsschutz, dass die \u201eAttraktivit\u00e4t des extremistischen Salafismus f\u00fcr junge Menschen ungebrochen ist\u201c.<\/p>\n<p>Nach Ministeriumsangaben sind 85 Prozent der Salafisten m\u00e4nnlich und drei Viertel zwischen 20 und 40 Jahre alt. 44 Prozent besitzen die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit. Die Zahl der Konvertiten liegt bei zehn Prozent.<br \/>\nScharia ist die arabische Bezeichnung f\u00fcr islamisches Recht und beruft sich auf den Koran und die \u00fcberlieferte Lebenspraxis des Propheten Mohammed.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Pr\u00e4ventionsprojekt \u201eWegweiser\u201c gegen gewaltbereiten Salafismus:\u00a0Auch Frauen und Kinder\u00a0sind Teil des Problems.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":21284,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[],"class_list":["post-21286","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-19 18:19:14","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21286","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21286"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21286\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48502,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21286\/revisions\/48502"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21284"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21286"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21286"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21286"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}