{"id":21270,"date":"2020-01-12T10:07:39","date_gmt":"2020-01-12T09:07:39","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2018\/10\/12\/prof-groenemeyer-rastloser-kaempfer-fuer-die-gesundheit\/"},"modified":"2025-05-12T18:55:23","modified_gmt":"2025-05-12T16:55:23","slug":"prof-groenemeyer-rastloser-kaempfer-fuer-die-gesundheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2020\/01\/12\/prof-groenemeyer-rastloser-kaempfer-fuer-die-gesundheit\/","title":{"rendered":"Prof. Gr\u00f6nemeyer &#8211; Rastloser K\u00e4mpfer f\u00fcr Gesundheit"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_45452\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45452\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/IMG_4852-1024x710.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"710\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Dietrich Gr\u00f6nemeyer &#8211; \u00a9 Claudio di Lucia<\/span><\/div>\n<p>Weltmedizin \u2013 das ist das Lebensprojekt von Prof. Dr. Dietrich Gr\u00f6nemeyer (67). Seit Jahrzehnten geht der bekannte Mediziner und Bruder des erfolgreichen S\u00e4ngers Herbert Gr\u00f6nemeyer (&#8222;M\u00e4nner&#8220; &#8211; &#8222;Flugzeuge im Bauch&#8220;) der Frage nach, ob und wie alternative Heilmethoden die Schulmedizin bereichern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der renommierte Arzt ist um die ganze Welt gereist, hat immer wieder Kollegen und Heiler gebeten, ihr Wissen mit ihm zu teilen: Von Kr\u00e4utermedizin, \u00fcber Meditation bis hin zur traditionellen chinesischen Heilkunst. Seine Recherchen f\u00fchrten ihn in alle Erdteile.<\/p>\n<p>Dietrich Gr\u00f6nemeyer nutzt sein gesammeltes Wissen, um Antworten auf zahlreiche Fragen der Heilkunst zu finden und hinter die \u201eGeheimnisse\u201c von Medizinm\u00e4nnern und Heilerinnen zu kommen: Kann Meditation den Herzrhythmus regulieren? Werden Menschen durch Handauflegen gesund? Warum funktionieren Akupunktur, Ayurveda oder Yoga?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-83834\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hand-aufs-Herz-88510200.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"66\" \/><\/p>\n<p>\u00dcber diese Fragen, \u00fcber sein Buch &#8222;Weltmedizin&#8220; und vieles mehr gab uns Prof. Dr. Dietrich Gr\u00f6nemeyer ein umfassendes \u201eHand aufs Herz\u201c-Interview.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>DS: Welche L\u00e4nder haben Sie f\u00fcr Ihre Studien zur Weltmedizin besucht?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eDa ist im Laufe der Jahre viel zusammen gekommen, von China \u00fcber Mexiko und Brasilien bis hinunter auf den australischen Kontinent. Und nat\u00fcrlich bin ich immer wieder in Europa unterwegs. Allerdings gab es keinen Plan, nach dem ich Land f\u00fcr Land bereist h\u00e4tte. Wann und wo immer ich unterwegs war, ob als Student, als Arzt oder als Wissenschaftler, habe ich mich f\u00fcr die \u00fcberlieferte Heilkunst der jeweiligen Kulturen interessiert. Habe mich gefragt, wovon k\u00f6nnten wir hier bei uns profitieren. Das hat mir manche Kritik eingetragen. Denken Sie nur daran, wie lange es dauerte, bis sich die Schulmedizin wenigstens zur teilweisen Anerkennung der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) durchgerungen hat. Unterdessen kommen sogar viele Krankenkassen f\u00fcr die Kosten der Akupunktur auf.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie lange hat denn Ihre Recherche gedauert?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eSie besch\u00e4ftigt mich noch immer. Die Erforschung der Weltmedizin ist f\u00fcr mich eine Lebensaufgabe. Schon Anfang der 1970er Jahre, w\u00e4hrend meines Studiums der Sinologie, noch bevor ich 1976 zur Humanmedizin gewechselt bin, hat mich das Thema fasziniert.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welchen medizinischen Fragen haben Sie den besonders interessiert?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eEhrlich gesagt, wollte und will ich noch immer hinter alles kommen, was uns oftmals so geheimnisvoll anmutet, dass wir es nicht glauben wollen. Wie gelingt es etwa Schamanen, Medizinm\u00e4nnern und Heilerin durch das blo\u00dfe F\u00fchlen des Pulses Krankheiten zu diagnostizieren? L\u00e4sst sich der Herzrhythmus tats\u00e4chlich durch Meditation beeinflussen; wie ist das m\u00f6glich? Warum funktionieren Akupunktur, Ayurveda oder Yoga?\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sehen Sie Ihr Buch \u201eWeltmedizin\u201c als so eine Art Verm\u00e4chtnis, als H\u00f6he- oder sogar Endpunkt Ihrer Karriere als Medizinbuch-Autor?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eNein, \u00fcberhaupt nicht. Das Ganze ist eher ein erster Versuch, zusammenzufassen, was ich bei meinen Begegnungen mit den verschiedenen Kulturen der Weltmedizin erfahren habe und welche \u00dcberlegungen das nach sich zog. Ich hoffe, dass es ein Ansto\u00df dazu ist, mehr voneinander zu lernen. Wir m\u00fcssen aufh\u00f6ren, dogmatisch auf den Methoden der Schulmedizin zu beharren. So gro\u00dfartig deren Leistungen zweifelsohne sind, es gibt auf dem weiten Feld der Weltmedizin noch sehr viel mehr, womit dem Patienten geholfen werden kann, oftmals sogar schonender. Dazu geh\u00f6ren f\u00fcr mich auch die Errungenschaften alter Heilweisen und alter Kulturen. Steht doch auch die Schulmedizin, historisch betrachtet, auf diesen Schultern.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_45454\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 420px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-45454\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/IMG_4802-1024x788.jpeg\" alt=\"\" width=\"410\" height=\"315\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein eindrucksvolles Dokument: Prof. Dr. Dietrich Gr\u00f6nemeyer (r.) und der Dalai Lama treffen sich \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Es gibt auf der Welt Schamanen und Medizinm\u00e4nner, was k\u00f6nnen wir von diesen Heilern, die gar nicht studiert haben, lernen?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eZuerst und vor allem, man kann es nicht oft genug wiederholen, die menschliche Zuwendung. Etwas, das im betriebswirtschaftlich organisierten Gesundheitswesen unserer Tage vielfach verloren geht. Die Erfolge der alternativen Heiler r\u00fchren zum gro\u00dfen Teil daher, dass sie sich auf den Kranken einlassen. So k\u00f6nnen sie die jeweils individuelle Auspr\u00e4gung seiner Krankheit besser verstehen. Und dann verf\u00fcgen sie nat\u00fcrlich \u00fcber einen immensen Erfahrungsschatz auf dem Gebiet der Pflanzenheilkunde, weitergereicht von Generation zu Generation. Dazu bedarf es nicht unbedingt eines Studiums.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welche M\u00f6glichkeiten hat Otto Normalpatient, einen echten Spezialisten von einem Quacksalber zu unterscheiden?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eDas ist ein Problem. Denn nur allzu oft wird den Menschen in der Not das Blaue vom Himmel herunter versprochen, zumal im Internet. Mit Globuli und Ringelblumensalbe ist aber keiner Krebserkrankung beizukommen. Der seri\u00f6se Alternativ-Mediziner zeichnet sich dadurch aus, dass er seine Grenzen kennt und wei\u00df, wann er einen Patienten an diesen oder jenen Facharzt \u00fcberweisen muss. Umgekehrt t\u00e4ten auch viele Schulmediziner gut daran, dem einen oder anderen eine naturheilkundige Behandlung zu empfehlen, bevor sie Antibiotika verschreiben oder gar zum Skalpell greifen. F\u00fcr den guten alten Hausarzt verstand sich das von selbst. Deshalb bin ich so traurig und \u00e4rgerlich, dass dieser wunderbare Beruf im Grunde wegrationalisiert wird &#8211; nicht zuletzt von der Politik.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sehen Sie Ihr Buch als Ratgeber oder als Denkansto\u00df, sich mit der eigenen Gesundheit und dem eigenen Seelenleben mehr zu besch\u00e4ftigen?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eEs ist eine Orientierungshilfe, die M\u00f6glichkeiten aufzeigt, f\u00fcr sich selbst einen Weg zu finden. Mein Versuch ist es, dazu beizutragen, dass sich die Medizin ver\u00e4ndert, n\u00e4mlich hin zu einer ganzheitlichen Herangehensweise, die sowohl die Schulmedizin, die traditionellen Heilweisen, wie auch Psychosomatik als Gesamtes sieht und nicht mehr gegeneinander stellt.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sehen Sie Ihr Buch als Gegenpol zu den medizinischen und wirtschaftlichen Strategien gro\u00dfer Krankenhaus-Unternehmen, die zunehmend auf Hightech und Apparate-Medizin setzen?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eArzt ist eigentlich ein phantastischer Beruf. Nur wenn wir immer weiter fortfahren, vor allem \u00fcber die Kosten des Gesundheitswesens zu reden, nach M\u00f6glichkeiten der Optimierung und Einsparung zu suchen, werden wir alle krank und kr\u00e4nker. Es ist h\u00f6chste Zeit, wieder vorrangig \u00fcber die Qualit\u00e4t der Behandlung nachzudenken. Und das hei\u00dft nicht zuletzt, wir m\u00fcssen junge Frauen und M\u00e4nner motivieren, sich f\u00fcr das Gesundheitswesen zu begeistern. Was wir brauchen, sind gut bezahlte Krankenschwestern und Krankenpfleger, keine Billigkr\u00e4fte.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie haben mit dem Thema \u201eQuantitative Blutfluss-Bestimmung mit Hilfe digitaler R\u00f6ntgenbildverarbeitung im Modell und Tierversuch\u201c promoviert. Hat sich seither Ihre Einstellung gegen\u00fcber Tierversuchen ge\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eEs stimmt, ich habe Tierversuche unternommen, aber schnell festgestellt, dass das gar nicht sein muss. Der technische Fortschritt kam mir zu Hilfe. Ich habe elektronische Modellversuche gemacht, bei denen das Tier simuliert wurde. Das waren damals die Anf\u00e4nge des Computereinsatzes in der medizinischen Forschung. Ich bin stolz darauf, daran mitgearbeitet zu haben, und ich bin auch stolz darauf, dass ich ganz fr\u00fchzeitig auf Tierversuche verzichtet habe. Wir brauchen heute eigentlich keine Tierversuche mehr. Wir k\u00f6nnen sehr vieles am Computer simulieren oder auch mit Zellkulturen arbeiten. Ich halte das f\u00fcr moralisch geboten. Wir machen uns viel zu wenig Gedanken dar\u00fcber, dass es sich bei den Tieren um Gesch\u00f6pfe handelt, die genau wie wir leben wollen und genau wie wir Gef\u00fchle haben.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Warum haben denn unsere Mitgesch\u00f6pfe keine Lobby?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eWeil viele Menschen zu wenig Respekt vor den anderen Lebewesen haben. Ich h\u00f6re gern zu, wenn die V\u00f6gel miteinander zwitschern. Sie haben ihre eigene Sprache. Tiere sprechen ja auch mit den Augen. Und ihre K\u00f6rpersprache ist sehr ausdrucksstark. Sie kuscheln sich an oder gehen auf Distanz. Ich hatte zwei sehr beeindruckende Erlebnisse mit Tieren, die mich tief ber\u00fchrt haben.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Jetzt werden Sie doch wohl hoffentlich unsere Neugierde befriedigen?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eIch wohne gar nicht weit von Wuppertal quasi mitten im Wald. Und immer wenn ich im Sommer nach Hause komme, fliegt eine Libelle auf mich zu. Einen Meter vor mir bleibt sie in der Luft stehen, dann scannt sie mich von oben bis unten mit leuchtenden Augen ab. Jahr f\u00fcr Jahr erlebe ich das. F\u00fcr dieses kleine Wesen bin ich ja ein Riese und trotzdem sendet es mir das Signal: Ich passe auf Dich auf. Meine zweite wundersch\u00f6ne Begegnung mit einem Tier hatte ich, als ich im Rahmen der Ver\u00f6ffentlichung meines Wir-Buches \u201eMut zum Miteinander\u201c eine Lesung in einer Kirche hatte. Ich sprach gerade \u00fcber den Respekt vor der Sch\u00f6pfung. In dem Augenblick &#8211; es war mitten im Winter &#8211; setzte sich ein Schmetterling auf meine Hand. Da habe ich gedacht: Jetzt h\u00f6re ich auf, es ist alles gesagt.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie Sind Mediziner, Sie sind Buchautor, Sie haben Fernsehsendungen moderiert. Wie w\u00fcrden Sie sich selbst charakterisieren?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eIch bin ein vom Leben faszinierter Mensch, der neugierig ist. Ich w\u00fcrde gern zigfach wieder geboren werden, als Pflanze, als Tier oder was immer. Dieser Gedanke der Ewigkeit fasziniert mich am Buddhismus. Was aus unserer Seele wird, wissen wir alle nicht.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie viele Stunden in der Woche behandeln Sie noch selbst?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eIch behandele fast t\u00e4glich, dazu z\u00e4hle ich auch die mentale Behandlung, also die intensiven Gespr\u00e4che mit meinen Patienten. Praktisch &#8211; also mikrotherapeutisch &#8211; bin ich rund eine Woche im Monat aktiv.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie weit f\u00fchlen Sie sich eigentlich \u00fcberhaupt noch als Schulmediziner?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eIch bin Schulmediziner von Hause aus und ich m\u00f6chte mit meinem Wissen und meinen F\u00e4higkeiten auch die wissenschaftliche Qualit\u00e4t absichern. Ich bin aber ein Schulmediziner, der offen ist f\u00fcr andere Herangehensweisen wie Akupunktur, bew\u00e4hrte Massagetechniken, oder die Naturheilkunde mit Pflanzen wie Thymian und Weidenrinde. Deshalb bezeichne ich auch die Zukunft der Medizin als Weltmedizin, eine integrale Heilkunst.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie sehen sie die Entwicklung der Medizin in Deutschland?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. Gr\u00f6nemeyer: \u201eIch glaube, dass die Menschen in Deutschland immer bewusster leben, sonst w\u00fcrde die Ern\u00e4hrung gar nicht so sehr thematisiert, ob es vegetarisch, vegan oder ayurvedisch ist. Auch Naturheilkunde spielt eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle. Immerhin werden heute zwei Drittel der Menschheit mit naturheilkundlichen Methoden behandelt. Gleichzeitig gibt es im schulmedizinischen Bereich eine fach\u00e4rztliche Qualifizierung, die man gar nicht hoch genug sch\u00e4tzen kann. Wenn beides zusammenkommt, muss uns um die Zukunft nicht bange sein. Daf\u00fcr aber bedarf es noch des Abbaus zahlreicher Vorurteile und Dogmen auf beiden Seiten, bei den Schulmedizinern sowie bei den Heilpraktikern.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie nutzen die Medien, um Ihre Mission und Ihre Message zu verbreiten. Das ruft so manchen Neider aus Kollegenkreisen auf den Plan, die Sie kritisieren. Wie gehen Sie damit um?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eDas tut weh! Unterstellungen schmerzen immer. Am Ende aber z\u00e4hlt nur eins: Alles, was ich tue, meine Methoden der Diagnose und der Therapie, sind f\u00fcr jedermann \u00fcberpr\u00fcfbar. Ich kann als Erfolg f\u00fcr mich verbuchen, dass die Mikrotherapie inzwischen weltweit angewendet wird. Man f\u00fchrt sie zwar nicht auf mich zur\u00fcck, aber ich habe sie nun mal in die Welt gebracht und sie auch gegen Radiologen und Chirurgen verteidigt.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Warum tut man sich in der Medizin mit Innovationen so schwer und st\u00f6\u00dft auf Widerst\u00e4nde?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eEs liegt in der Natur des Menschen, dass er sich von dem Vertrauten mehr Sicherheit verspricht als von dem Unbekannten. Und \u00c4rzte sind schlie\u00dflich auch nur Menschen und gewiss keine Halbg\u00f6tter in Wei\u00df. Man muss ihnen den Erfolg des Neuen vorf\u00fchren, um sie zu \u00fcberzeugen. Ich kann mich gut daran erinnern: Ich war 38 Jahre alt, die Mikrotherapie stand ganz am Anfang. Ich hatte angek\u00fcndigt, CT gesteuert eine Bandscheibe zu operieren. Da haben sich die Kollegen ziemlich aufgeregt. Von der Orthop\u00e4die der D\u00fcsseldorfer Uni-Klinik k\u00fcndigten sich der Chefarzt und drei Ober\u00e4rzte an. Sie kamen in den OP, als ich gerade mit dem Laser in der Bandscheibe war. Zu viert standen sie um mich herum. Eigentlich wollten sie Zeugen meines Scheiterns werden. Am Ende der OP mussten sie dann zugeben: \u201eDas ist es. Das ist die Zukunft\u201c.<\/p>\n<p><strong>DS: Sie sind im November 67 Jahre alt geworden. K\u00f6nnen Sie sich vorstellen, dass Sie irgendwann nur noch den Golfschl\u00e4ger schwingen?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. Gr\u00f6nemeyer: \u201eDas ist doch langweilig. Ich will mich nicht mit Michelangelo vergleichen, der noch mit 90 Gro\u00dfes geschaffen hat. Aber mich zur Ruhe zu setzen kommt nicht in Frage. Ich habe einmal f\u00fcr das ZDF einen Film \u00fcber 100j\u00e4hrige produziert. Da habe ich eine Berlinerin besucht, die mit 110 Jahren allein in ihrer Wohnung lebte. Das ist f\u00fcr mich Motivation genug, zu sagen: Ich bin jetzt 67 und bis 110 ist es noch lange hin &#8211; Zeit genug, viel zu tun.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wenn Sie selbst einmal krank werden. In welche H\u00e4nde begeben Sie sich dann?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eZun\u00e4chst vertraue ich meinem eigenen Wissen; wenn das nicht hilft, frage ich meine Tochter Friederike. Sie ist Psychologin und Heilpraktikerin. Sie wei\u00df sehr viel \u00fcber Naturheilkunde. Wenn es sein muss, vertraue ich mich auch anderen Schulmedizinern an, wie z.B. dem phantastischen Operateur, der mir die Gallensteine entfernte.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie werden doch sicher bevorzugt behandelt und m\u00fcssen nicht im Wartezimmer warten, bis Sie aufgerufen werden?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eDa t\u00e4uschen Sie sich. Ich habe so manches Mal im Wartezimmer gesessen und recht lange warten m\u00fcssen. Ich kann durchaus verstehen, dass viele damit ein Problem haben. Aber mir ist es lieber, ich warte etwas, und der Arzt nimmt sich dann f\u00fcr mich genauso viel Zeit wie f\u00fcr die Patienten vor mir. Er behandelt mich individuell und mit fundierten Erkl\u00e4rungen, warum, wann, wie oft ich dieses oder jenes Medikament nehmen muss, welche Nebenwirkungen es hat. Heute ist es doch so, dass die meisten Patienten nach ein paar Minuten wieder drau\u00dfen sind und nicht wissen, was sie tun sollen. Viele nehmen die verschriebenen Medikamente gar nicht ein, weil sie nicht verstanden haben, wie sie wirken.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Erlebnisse und Erfahrungen auf den Studienreisen f\u00fcr Ihr neues Buch sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eAuf Hawaii habe ich einen beeindruckenden Heiler kennen gelernt. Ich kam in einen abgedunkelten Raum, da sa\u00df ein \u00e4lterer Mann, sagte kein Wort und schaute praktisch durch mich hindurch. Dann nahm er meine Hand, um den Puls zu f\u00fchlen, und in dem Augenblick wurde ich ganz ruhig, f\u00fchlte mich gl\u00fccklich. Die andere positive Erfahrung habe ich bei einer Ayurveda-Kur gemacht. Durch die speziellen Massagen, die Entspannungs- und Yoga-\u00dcbungen sowie durch die Nahrungs-Umstellung haben sich meine Cholesterin-Werte wieder normalisiert. Ich verstand: Man kann auf die Regenerationskraft des K\u00f6rper vertrauen und braucht keine Medikamente, um gl\u00fccklich zu sein.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Ihr erkl\u00e4rtes Ziel ist es, \u00fcber 100 Jahre alt zu werden. Haben Sie daf\u00fcr ein Geheimrezept?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dietrich Gr\u00f6nemeyer: \u201eIch h\u00f6re auf mich und meinen K\u00f6rper und lebe fr\u00f6hlich in den n\u00e4chsten Tag hinein. Ich rege mich allenfalls noch \u00fcber Ungerechtigkeit und Unfrieden auf, \u00fcber sonst nichts mehr. Als ich bei einem Unfall in den Bergen zehn Meter in die Tiefe st\u00fcrzte, habe ich im ersten Moment gedacht: Jetzt ist das Leben gleich vorbei. Und dann ging es doch weiter. Da hab ich mir gesagt: Ich will leben und ich bin dankbar daf\u00fcr, dass ich leben darf.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Vielen Dank f\u00fcr das offene, ehrliche, interessante Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>VITA<\/strong><\/p>\n<p>Dietrich Gr\u00f6nemeyer wurde am 12.11.1952 in Clausthal-Zellerfeld geboren, wuchs in Bochum auf und ist in der sechsten Generation Arzt. Die Mutter entstammt einer \u00c4rzte-Familie, sein Vater war Bergbauingenieur. Mit seinen Br\u00fcdern Herbert und Wilhelm Gr\u00f6nemeyer wuchs er in Bochum auf.<\/p>\n<p>1972 machte Dietrich Gr\u00f6nemeyer sein Abitur am Humanistischen Gymnasium Bochum. Vor seinem Medizinstudium an der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel studierte er Romanistik und Sinologie an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum. 1981 promovierte er in Kiel und wurde Assistenzarzt f\u00fcr Radiologie in Kiel und Witten, strahlentherapeutischer Oberarzt an der Lungenklinik in Hemer und mit 36 Jahren Chefarzt in M\u00fchlheim.<\/p>\n<p>Seine Habilitation folgte 1990 an der Universit\u00e4t Witten\/Herdecke. Dort war Gr\u00f6nemeyer bis zu seiner Emeritierung 2012 Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr Radiologie sowie des weltweit einzigen Lehrstuhls f\u00fcr Mikrotherapie. Er leitet das Gr\u00f6nemeyer Institut f\u00fcr Mikrotherapie in Bochum und Berlin. 2013 wurde er zum Professor f\u00fcr Gesundheitswirtschaft an der Steinbeis-Universit\u00e4t Berlin berufen.<\/p>\n<p>Gr\u00f6nemeyer gilt durch die Zusammenf\u00fchrung und Weiterentwicklung von interventioneller Radiologie, Endoskopie und Schmerztherapie als der \u201eVater der Mikrotherapie\u201c. Als Gastprofessor wirkte er u. a. an der Harvard Medical School in Boston und der Georgetown University in Washington. Mit zahlreichen wissenschaftlichen Werken und popul\u00e4rwissenschaftlichen B\u00fcchern hat er sich als Autor einen Namen gemacht. Eben ist sein neuestes Buch \u201eWeltmedizin\u201c erschienen.<\/p>\n<p>Mit den Erfindung der Figur des \u201eKleinen Medicus\u201c und &#8222;Erwin &amp; Rosi&#8220; &#8211; f\u00fcr Kinder und Familien &#8211; sowie als Journalist und Moderator seiner langj\u00e4hrigen ZDF-Sendung \u201eDietrich Gr\u00f6nemeyer \u2013 Leben ist mehr!\u201c und auch als Gast zahlreicher Sendungen und Talk-Shows wurde er einem breiten TV-Publikum bekannt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Dietrich Gr\u00f6nemeyer &#8211; ein rastloser K\u00e4mpfer f\u00fcr die Gesundheit.\u00a0Der renommierte Mediziner hat gerade das Buch &#8222;Weltmedizin&#8220; ver\u00f6ffentlicht. 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