{"id":20567,"date":"2018-07-21T09:52:19","date_gmt":"2018-07-21T07:52:19","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2018\/07\/21\/thomas-laske-ein-bariton-erobert-die-musik-welt\/"},"modified":"2025-02-26T00:59:18","modified_gmt":"2025-02-25T23:59:18","slug":"thomas-laske-ein-bariton-erobert-die-musik-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2018\/07\/21\/thomas-laske-ein-bariton-erobert-die-musik-welt\/","title":{"rendered":"Thomas Laske: Ein Bariton erobert die Musik-Welt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_45381\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 925px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-45381\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Thomas-Laske-c-privat-2-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"915\" height=\"680\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der erfolgreiche Bariton Thomas Laske &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>Eine \u201eschrecklich\u201c musikalische Familie. Vater Thomas Laske ist einer der erfolgreichsten Baritone Deutschlands. Mutter Catarina Laske-Trier gl\u00e4nzt als Fl\u00f6tistin im Sinfonieorchester Wuppertal, Tochter Letizia (8) spielt Geige und S\u00f6hnchen Valentin (6) schl\u00e4gt mit viel Talent in die Klaviertasten. 15 Jahre lang war Thomas Laske (48) festes Ensemble-Mitglied der Wuppertaler B\u00fchnen, bis er wie viele seiner Kollegen von Intendant Toshiyuki Kamiokas K\u00fcndigungswelle weggeschwemmt wurde.<\/p>\n<p>Als gefragter und gefeierter Bariton bereist der geb\u00fcrtige Stuttgarter jetzt die Musik-Welt. Nur wenige wissen, dass der Wahl-Wuppertaler, der 2003 vom Fachblatt \u201eTheater pur\u201c zum besten \u201eNachwuchsoperns\u00e4nger des Jahres\u201c gew\u00e4hlt wurde, auch einen Abschluss als Dipl. Ton- und Bild-Ingenieur in der Tasche hat. Die STADTZEITUNG hat sich mit dem facettenreichen Ausnahme-S\u00e4nger unterhalten.<\/p>\n<p><strong>DS: Wie sind Sie \u00fcberhaupt bei der Musik gelandet?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eIch bin mit neun Jahren den Hymnus-Chorknaben in Stuttgart beigetreten. Da haben wir in erster Linie geistliche Lieder gesungen, viel von Johann Sebastian Bach oder Heinrich Sch\u00fctz. Dadurch bin ich fr\u00fch mit klassischer Musik in Ber\u00fchrung gekommen. Wir haben damals schon 50 Konzerte im Jahr gesungen. Ein Freund aus dem Knabenchor ist sp\u00e4ter Bar-Pianist geworden, mit ihm habe ich dann einige Sessions \u00f6ffentlich gespielt. Er ist heute \u00fcbrigens Radiomoderator beim NDR Kultur.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie haben Sie Toshiyuki Kamioka als Intendanten erlebt?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eSagen wir es mal so: Haupts\u00e4chlich als nicht vorhanden! Das erste, das ich von ihm als Intendant erlebt habe, waren die K\u00fcndigungsgespr\u00e4che. Ich war als Ensemblesprecher an diesen Gespr\u00e4chen beteiligt und auch selbst Betroffener der K\u00fcndigungswelle. Ansonsten war er als Intendant aus meiner Sicht kaum da. Ich habe es ja dann nur noch aus der Ferne miterlebt. Aber wie mir Kollegen berichtet haben, war das Haus leer und tot.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: K\u00f6nnen Sie denn seine Ma\u00dfnahme nachvollziehen, dem festen Ensemble zu k\u00fcndigen und mit st\u00e4ndig wechselnden Musikern arbeiten zu wollen?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201e\u00dcberhaupt nicht! Er versuchte, ein Modell zu bauen, das in Deutschland einmalig war und so auch nicht funktionieren konnte. Es hat ja seine Gr\u00fcnde, warum alle anderen Theater auf ein festes Ensemble bauen und auch Wuppertal zu dem Prinzip zur\u00fcckgekehrt ist. Ich habe es mehrfach im Ausland erlebt, dass da gestandene S\u00e4nger f\u00fcr ein Projekt einige Wochen zusammen kamen, konzentriert probten, auftraten und dann wieder auseinander gingen. Das waren alles erfahrene Profis. Aber das Konzept kann man auf einen normalen Theaterbetrieb gar nicht \u00fcbertragen, da hat es ohnehin einen erheblichen Wandel gegeben.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Das m\u00fcssen Sie uns aber n\u00e4her erkl\u00e4ren:<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eFr\u00fcher konnten junge S\u00e4nger &#8211; so wie ich damals &#8211; von der Berufserfahrung der \u00e4lteren Kollegen profitieren: Wie kann man sich beispielsweise eine Orchesterprobe effizient einteilen, wie gehe ich mit einer gro\u00dfen Partie um, wenn ich sie neu lerne. Die \u00e4lteren S\u00e4nger stehen heute als wertvolle Helfer nicht mehr zur Verf\u00fcgung, weil sie entlassen worden sind. An den kleineren Theatern sind die Ensembles heutzutage sehr jung, weil die neuen Intendanten aus Kostengr\u00fcnden keine Leute mehr in die Unk\u00fcndbarkeit \u00fcbernehmen, die nach 15 Jahren Ensemble-Mitgliedschaft einsetzt. Nur die ganz gro\u00dfen H\u00e4user leisten sich noch Ensembles mit einer gewissen Altersstruktur.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Besteht bei unk\u00fcndbaren Ensemble-Mitgliedern nicht die Gefahr, dass sie aus Bequemlichkeit nicht mehr 100 Prozent ihres Potentials abrufen?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eDas glaube ich nicht. Wir haben ja grunds\u00e4tzlich befristete Vertr\u00e4ge, die in der Regel von Saison zu Saison um ein Jahr verl\u00e4ngert werden. Also kann man sich gar nicht h\u00e4ngen lassen. Abgesehen davon steht man dem Publikum gegen\u00fcber in der Pflicht. Man kann sich auf der B\u00fchne nicht verstecken. Wer es sich bequem macht, ist ganz schnell raus.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Gibt es denn auch Tage, an denen Sie stimmlich nicht so gut drauf sind?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eDie gibt es immer wieder. Die Kunst ist, dass man an solchen Tagen, mit dem auskommt, was einem zur Verf\u00fcgung steht. Ich muss mir dann die Partien anders einteilen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_41152\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-41152\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Verena-Louis-Thomas-Laske_Credt_Thomas-Laske-2-1024x851.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"851\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Pianistin Verena Louis und der Bariton Thomas Laske gingen gemeinsam auf Tour &#8211; \u00a9 Thomas Laske<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Welche Tricks gibt es, dem Publikum einen schw\u00e4chelnden Tag zu verheimlichen?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eEs gibt da M\u00f6glichkeiten. Wenn ich einen hohen Ton nicht wie normal bringen kann, singe ich ihn k\u00fcrzer oder gehe die Phrase anders an. Ich kann dann auch etwas weniger k\u00f6rperbetont singen. Man kann da schon gewisse Klippen umschiffen. Jeder kennt ja die schwierigen Punkte einer Partie.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Haben Sie schon einmal erlebt, dass Kollegen auf der B\u00fchne ausgebuht wurden?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eDas habe ich bislang wirklich nur bei Regisseuren erlebt.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Haben Sie nicht Kamioka zu verdanken, dass Sie viel in der Welt herumkommen?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske (lacht): \u201eJa schon. Aber ich hatte vorher schon immer eine sehr komfortable Vertragssituation. Ich konnte somit auch au\u00dferhalb von Wuppertal gastieren. Jetzt als freiberuflicher S\u00e4nger kommen mir die Kontakte zugute. Die Auftr\u00e4ge springen mich zum Gl\u00fcck mehr oder weniger an.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Ist es denkbar, dass Sie irgendwann wieder in Wuppertal auf der B\u00fchne stehen?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eDenkbar ist vieles. Ich h\u00e4tte auch nichts dagegen. Wichtig w\u00e4re aber f\u00fcr mich, dass die Aufgabe interessant ist. Ich wohne ja weiter in Wuppertal und werde immer wieder von B\u00fcrgern gefragt, wann ich mal wieder hier im Opernhaus singe. Mal sehen!\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie sind ja jetzt auf der ganzen Welt zuhause. Warum wohnen Sie dann noch in Wuppertal?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eMeine Frau Catarina hat ihren festen und unk\u00fcndbaren Job als Fl\u00f6tistin im Sinfonieorchester Wuppertal und wir haben zwei Kinder, die hier in die Schule gehen. Wir f\u00fchlen uns in Wuppertal auch sehr wohl, wir haben hier ein sch\u00f6nes Haus und gute Freunde. Au\u00dferdem ist die Lage verkehrstechnisch optimal. Es gibt viel Arbeit f\u00fcr mich in der Umgebung und dann liegt ja auch der D\u00fcsseldorfer Flughafen quasi vor der Haust\u00fcre.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: So richtig familienfreundlich ist ja Ihr Job nicht gerade &#8211; wie kriegen Sie Familie und Beruf unter einen Hut?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eDie Leute denken immer, ich w\u00e4re st\u00e4ndig in der Welt unterwegs. Aber so h\u00e4ufig bin ich gar nicht weg &#8211; abgesehen von einem dreiw\u00f6chigen Opern-Gastspiel in Peking und einer Konzert-Tournee durch Spanien. Ich habe den Vorteil, dass ich fast die gesamte Vorbereitung zuhause erledigen kann. Anschlie\u00dfend fliege ich dahin, wir proben zwei Tage und dann kommen die Konzerte. Im Prinzip bin ich viel zuhause. Ich arbeite, bis die Kinder aus der Schule kommen und habe dann sogar Zeit, etwas mit ihnen zu unternehmen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Machen Sie eigentlich auch mit Ihrer Frau Catarina Haus-Musik?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eLeider sehr selten. Aber an Weihnachten machen wir gemeinsam mit den Kindern Musik.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Instrumente spielen Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eIch spiele Geige wie meine Tochter und k\u00f6nnte sicher in einem Laien-Orchester mitspielen. Au\u00dferdem musste ich w\u00e4hrend meines Musik-Studiums ein wenig Klavierspielen lernen. Leider beherrsche ich es nicht gut genug, als das es mir n\u00fctzt. Aber immerhin reicht es, um meine Partien am Klavier vorzubereiten. Es reizt mich noch, Trompete oder Saxophon spielen zu lernen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Musik h\u00f6ren Sie eigentlich privat?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eHaupts\u00e4chlich Jazz oder Funk- und Soul-Musik wie Earth, Wind &amp; Fire, Quincy Jones oder Al Jarreau.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Haben Sie eigentlich so etwas wie ein Vorbild?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eNicht direkt. Ich habe eigentlich nur ein Vorbild, was die Gesangstechnik angeht. Und da hat mich immer Luciano Pavarotti fasziniert.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Gibt es denn eine nat\u00fcrliche Altersgrenze f\u00fcr Operns\u00e4nger?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eEs h\u00e4ngt elementar davon ab, wie man sich k\u00f6rperlich f\u00fchlt. Singen ist eine k\u00f6rperliche Herausforderung, dar\u00fcber hinaus gibt es die technische Seite. Ich habe Kollegen mit 40 Jahren &#8211; so wie man bei uns sagt &#8211; sterben sehen. Sie konnten nicht mehr singen. Sie haben eigentlich nie richtig die Technik beherrscht. 40 Jahre sind eine Schallmauer. Da kann man einfach nicht mehr nur mit jugendlicher Kraft singen. Mitte 60 ist auch so eine kritische Grenze. Gegenbeispiel ist Bariton Franz Mazura, der steht mit 94 Jahren noch auf der B\u00fchne.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Rolle spielt die Gesundheit in Ihrem Job?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eEine ganz gro\u00dfe! Ich versuche deshalb, mich k\u00f6rperlich fit zu halten. Das bedeutet: Ich jogge bei Wind und Wetter im Wald &#8211; egal ob bei Sonnenschein oder Schneefall. Dar\u00fcber hinaus hat jeder S\u00e4nger so seine Hausmittelchen. Ich nehme bespielsweise ein spezielles Nasenspray. Es gibt aber auch Situationen, wo es einfach nicht mehr geht. Meine Absagen kann ich an einer Hand abz\u00e4hlen. In 21 Berufsjahren habe ich drei Opern-Auff\u00fchrungen und zwei Konzerte verpasst.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Hobbys haben Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eGro\u00dfe Teile meines Berufes sind mein Hobby. Das ist schon ein Privileg. Dar\u00fcber hinaus ist meine Familie mein Hobby. Ebenso Gartenarbeit und Heimwerken. Das Talent habe ich von meinem Vater geerbt. Und ich reise gerne.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie haben Sie denn Ihre Frau kennen gelernt?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eDaran kann mich mich noch sehr genau erinnern: Es war bei einer Orchester-Probe f\u00fcr die Oper \u201eDer Babier von Sevilla\u201c. Ich hatte vorher schon geh\u00f6rt, dass es da neue Fl\u00f6tistin gab, die sehr interessant aussieht. Bis wir uns dann aber n\u00e4her kennen gelernt haben, hat es noch ein Jahr gedauert.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Ihre gesungenen Heinz-Erhardt-Gedichte sind der Hit. Wie ist es dazu gekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Laske: \u201eEin befreundeter Komponist hat die Musik dazu geschrieben. Und wir haben damit zwei Lieder-Abende im Foyer des Opernhauses veranstaltet und beide waren ausverkauft. Und inzwischen gibt es davon sogar eine CD.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Vielen Dank f\u00fcr das spannende, ehrliche Gespr\u00e4ch<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bariton Thomas Laske war eine feste, gefeierte Gr\u00f6\u00dfe am Wuppertaler Opernhaus &#8211; bis sich Intendant\u00a0Toshiyuki Kamioka entschied, sich von einem festen Ensemble zu verabschieden. 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