{"id":1823,"date":"2015-10-09T06:27:35","date_gmt":"2015-10-09T04:27:35","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2015\/10\/09\/die-kinder-denken-doch-kuehe-waeren-lila\/"},"modified":"2015-10-09T06:27:35","modified_gmt":"2015-10-09T04:27:35","slug":"die-kinder-denken-doch-kuehe-waeren-lila","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2015\/10\/09\/die-kinder-denken-doch-kuehe-waeren-lila\/","title":{"rendered":"&#8222;Die Kinder denken doch, K\u00fche w\u00e4ren lila\u2026&#8220;"},"content":{"rendered":"<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-1822\" src=\"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2735facec1d89ee0a8d2497f18c9f8af.jpg\" alt=\"\" class=\"caption\" title=\"Zoodirektor Dr. Arne Lawrenz im Gespr\u00e4ch.\" width=\"900\" height=\"600\" \/>\n<p>Wuppertals Zoodirektor Dr. Arne Lawrenz m\u00f6chten den Menschen die Natur n\u00e4her bringen &#8211; und kennt dabei keine halben Sachen. Am wichtigsten ist ihm jedoch das Wohl seiner Tiere.<\/p>\n<p>  <!--more-->  <\/p>\n<p>Dr. Arne Lawrenz kennt keine Kompromisse, wenn es um das Wohl seiner Tiere geht. Er ist engagierter Zoodirektor und leidenschaftlicher Tierarzt. Und im Zweifel entscheidet der Tierarzt. Dr. Arne Lawrenz schreckt auch vor unpopul\u00e4ren Entscheidungen nicht zur\u00fcck und hat eine klare Meinung, was mit \u00fcberz\u00e4hligen Tieren geschehen soll, die nicht mehr artgerecht gehalten werden k\u00f6nnen. Im Interview mit Peter Pionke macht er unmissverst\u00e4ndlich klar, wie er sich den Wuppertaler Zoo der Zukunft vorstellt oder was er vom neuen NRW-Tierschutzgesetz und von der der Gro\u00dfwildjagd h\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>DS: Was macht den Wuppertaler Zoo so attraktiv?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Wir sind einer der \u00e4ltesten Zoos Deutschlands und besonders die Topographie ist einzigartig. Wir k\u00f6nnen durchaus von uns behaupten, dass wir mit unserem alten Baumbestand landschaftlich einer der sch\u00f6nsten Tierparks Europas sind. Wir verf\u00fcgen zudem \u00fcber eine einzigartige Katzenhaltung &#8211; mit der gr\u00f6\u00dften L\u00f6wenanlage Europas, einem attraktiven Tigergehege, dazu viele weitere, kleinere Katzenarten. Und nicht zuletzt k\u00f6nnen wir stolz auf die beste Zuchtgruppe afrikanischer Elefanten sein.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Aufgabe hat ein Zoo heute, in einer Zeit, in der man sich in den modernen Medien die seltensten Tiere aus der N\u00e4he und sogar in 3D anschauen kann?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Als wissenschaftlich gef\u00fchrter Zoo haben wie vier Standbeine. Fr\u00fcher waren wir eine reine Menagerie, zum Erholen und Belustigen. Heute gibt es auch noch viele Leute, die hierher kommen, um sich zu entspannen oder die tolle Landschaft f\u00fcr ihren Abendspaziergang zu nutzen. Enorm wichtig ist inzwischen der Bereich Forschung. Hier betreiben wir zum Beispiel Basisforschung f\u00fcr den Erhalt von Tieren in der freien Wildbahn. Natur- und Artenschutz ist ein weiterer wichtiger Baustein, da sind wir an \u00fcber 40 Erhaltungs-Programmen beteiligt. Wir unterst\u00fctzen z.B. Projekte in Afrika mit Geld und unserem Know-How. Das vierte und f\u00fcr mich wichtigste Standbein ist Umwelt-Bildung. Der Mensch entfernt sich ja immer mehr von der Natur. Da herrscht vielfach so ein biologischer Analphabetismus. Kinder denken, die K\u00fche w\u00e4ren lila und der Elefant fliegt mit seinen Ohren. Wir wollen die Menschen f\u00fcr ihre Umwelt sensibilisieren. Das alles kann man bei uns dreidimensional erleben: riechen, begreifen, anfassen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Was erwidern Sie Zeitgenossen, die behaupten, ein Zoo sei heute gar nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Damit m\u00fcssen wir uns auseinandersetzen, ganz klar. Deshalb wollen wir auch weg von den alten Klischees, dass im Zoo Exotisches und Freakiges zu sehen ist. Wir m\u00fcssen den Menschen vielmehr die Natur n\u00e4her bringen, ihr Interesse f\u00fcr die Tiere und deren Lebensweise wecken.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Gibt es Tierarten, von denen Sie sagen w\u00fcrden, dass diese auf keinen Fall im Zoo gehalten werden d\u00fcrfen?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Nat\u00fcrlich die gro\u00dfen Wale. Ansonsten kann man fast alle Tierarten im Zoo halten, man muss aber den biologischen Anforderungen gerecht werden.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Es gibt doch sicher auch &#8222;schwarze Schafe&#8220; unter den Zoos, wo die Tiere nicht artgerecht gehalten werden, schalten Sie sich dann im Sinne der Tiere ein?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Selbstverst\u00e4ndlich! Wir haben unsere Verb\u00e4nde, in denen alle wissenschaftlich gef\u00fchrten Zoos in Europa organisiert sind. Wir \u00fcberpr\u00fcfen uns da gegenseitig, was die Haltungsbedingungen der Tiere angeht. Und wenn dann ein Tierpark die Anforderungen nicht erf\u00fcllt, versuchen wir zun\u00e4chst, beratend und disziplinierend einzuwirken. Und wenn auch das nicht hilft, wird der Zoo aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Das bedeutet, dass er keine Zuchttiere aus anderen Zoos mehr bekommt und auch viele Tiere, die nur eingestellt sind, wieder abgeben muss. Und das ist f\u00fcr den betroffenen Tierpark eine Katastrophe.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Gibt es Situationen, in denen der Tierarzt Dr. Lawrenz mit dem Zoodirektor Dr. Lawrenz in Konflikt ger\u00e4t?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Nein! Ich habe von vornherein klargestellt, dass f\u00fcr mich als Zoodirektor die Tiergesundheit und die artgerechte Haltung an erster Stelle stehen. Und wenn wir ein Tier auf lange Sicht nicht artgerecht halten k\u00f6nnten, dann m\u00fcssten wir uns von dem Tier trennen. Auch wenn das aus meiner Sicht als Zoodirektor nicht popul\u00e4r w\u00e4re. Aber in einem solchen Fall entscheide ich als Tierarzt mit Herz und Seele. Da sind meine Wurzeln.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Ein Zoo kann ja nicht von den Eintrittsgeldern leben, sondern ist auf Sponsoren angewiesen. Wie gro\u00df ist da die Gefahr der Einflussnahme?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Wir haben ja das Gl\u00fcck, dass wir ein st\u00e4dtischer Zoo sind und uns die Stadt Wuppertal am Leben erh\u00e4lt. Trotzdem brauchen wir auch Sponsoren, gerade wenn es um Investitionen geht. Solche Ma\u00dfnahmen werden dann in der Regel \u00fcber den Zooverein abgewickelt. Das bedeutet, die Sponsoren spenden an den Zooverein und &nbsp;wir \u00fcberlegen dann gemeinsam, wo das Geld am sinnvollsten eingesetzt wird. Es kommt \u00e4u\u00dfert selten vor, dass uns Sponsoren direkt zweckgebunden Geld zur Verf\u00fcgung stellen. Aber auch da haben wir eine ganz klare Linie. Wenn einer k\u00e4me und w\u00fcrde uns 20 Millionen Euro f\u00fcr eine Nashorn- oder eine Giraffen-Anlage zur Verf\u00fcgung stellen, w\u00e4re meine Antwort unmissverst\u00e4ndlich: \u201aDie 20 Millionen nehme ich gerne, aber auf keinen Fall f\u00fcr Nash\u00f6rner oder Giraffen. Diese Tiere k\u00f6nnen wir hier nicht artgerecht halten.&#8220; Da w\u00e4re ich total konsequent. Also Einflussnahme ist bei uns so gut wie unm\u00f6glich.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Auch Sie haben ja sicher eine Wunschliste. Wie w\u00fcrden Sie den Zoo &#8222;aufh\u00fcbschen&#8220;, wenn Sachzw\u00e4nge und Geld keine Rolle spielen w\u00fcrden?<\/strong><br \/> Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Wir haben einen Riesen-Ideenkatalog. Wir sammeln ja immer noch Geld f\u00fcr die gro\u00dfe Ara-Freiflug-Anlage. Dann steht das Riesenprojekt, die Umgestaltung der gro\u00dfen Zoo-S\u00e4le in den Fuhlrott-Campus an, in dem wir die Veterin\u00e4rmedizin und die Zooschule unterbringen wollen. Dort werden wir auch das \u00d6ko-System Wupper anschaulich erkl\u00e4ren. Zweifellos eine gro\u00dfe Ma\u00dfnahme, die sehr viel Geld kosten wird. Dann soll der Eingangsbereich umstrukturiert werden, als attraktives, zeitgem\u00e4\u00dfes Entr\u00e9e. Hier wird u.a. eine afrikanische Sumpf-Landschaft mit einem Skywalk \u00fcber unseren Teichen entstehen. Wir tr\u00e4umen zudem davon, dort auch eine Zwergflusspferd-Anlage zu integrieren mit einer gro\u00dfen Scheibe nach au\u00dfen zur Hubertussallee, um den Zoo gleich attraktiv \u201aanzuteasern&#8216;.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Sind Sie mit dem neuen NRW-Tierschutzgesetzt zufrieden?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Nicht 100prozentig! Wenn man ein neues Tierschutzgesetz in Kraft setzt, dann soll die Gesundheit des Tieres im Vordergrund stehen. Wir haben aber einige Vogelarten, f\u00fcr die das neue Gesetz sogar negative Folgen hat. Nehmen wir zum Beispiel die Pelikane, denen wir die Federn stutzen, damit sie nicht wegfliegen k\u00f6nnen. Ansonsten haben die Tiere die M\u00f6glichkeit, auf den gro\u00dfen Teichen v\u00f6llig frei herum zu schwimmen. Das schneiden der Federn bereitet ihnen keinerlei Schmerzen, sondern ist vergleichbar mit dem Fingern\u00e4gel-Schneiden bei uns. Wenn man jetzt das neue Gesetz komplett umsetzt, dann d\u00fcrfen wir die Fl\u00fcgel nicht mehr beschneiden. Einzige Alternative: Ich muss die Pelikane einz\u00e4unen und somit Kraft Gesetz ihren Lebensraum einengen. Das kann doch niemand wollen. Wir hoffen da auf eine Sondergenehmigung. Einen Hund muss man ja auch im Wald an die Leine nehmen. Damit begrenze ich ihn ja auch.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Gef\u00fchle haben Sie bei dem Gedanken, dass Jahr f\u00fcr Jahr 40 Millionen m\u00e4nnliche K\u00fcken wenige Minuten nach ihrer Geburt \u201ageschreddert&#8216;, sprich get\u00f6tet werden?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Das ist ein ganz schwieriges Thema. Wir alle wollen Eier essen und H\u00e4hnchen haben, die gut schmecken und viel Fleisch ansetzen. Dann ist es leider immer so bei Tierarten, bei denen wir nicht bestimmen k\u00f6nnen, ob M\u00e4nnchen oder Weibchen dabei herauskommen, dass irgendwann \u00fcberz\u00e4hlige Tiere produziert werden. Auch bei uns im Zoo, wo wir ja auch z\u00fcchten, ist das der Fall &#8211; nat\u00fcrlich in viel kleinerem Rahmen. Zum Beispiel bei den Hirschen. Da brauche ich beispielsweise viele Weibchen, aber nur ein M\u00e4nnchen. Das Geburtenverh\u00e4ltnis ist aber in der Regel 50:50. Also habe ich irgendwann zu viele M\u00e4nnchen. In der freien Natur w\u00fcrde der Vater die jungen M\u00e4nnchen dann mit Gewalt vertreiben. Das ist in einem Zoo-Gehege unm\u00f6glich. Also versuchen wir, \u00fcberz\u00e4hlige Tiere in anderen Zoos unterzubringen. Wenn uns das nicht gelingt, nehmen wir die \u00fcbersch\u00fcssigen Zootiere aus der Herde heraus, schlachten sie schmerzfrei, um sie anschlie\u00dfend an andere Tiere zu verf\u00fcttern. Das tun wir und dazu stehen wir auch.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: W\u00fcrden Sie auch &#8211; wie Ihr d\u00e4nischer Kollege &#8211; im Kopenhagener Zoo die Giraffe Marius &#8211; aus wissenschaftlichen Gr\u00fcnden vor Publikum t\u00f6ten und zerlegen lassen?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Ich selbst bin mit dem Kollegen in Kopenhagen sehr gut befreundet. Und die Geschichte ist ja auch anders abgelaufen, als sie in der \u00d6ffentlichkeit dargestellt wurde. Die Giraffe war \u00fcberz\u00e4hlig und es konnte auch kein seri\u00f6ser Abnehmer f\u00fcr sie gefunden werden. Also hat man das Tier schmerzfrei geschlachtet. Und zwar im Stall und nicht etwa vor Publikum. Erst nachdem das Tier tot war, hat man es vor Besuchern, die eigens daf\u00fcr eine Schutzgeb\u00fchr bezahlt haben, hinter den Kulissen zerlegt. Ich halte das f\u00fcr wichtig, denn der Mensch wei\u00df nicht mehr, wie ein solches Tier aufgebaut ist. Fr\u00fcher hat fast jeder einmal eine Hausschlachtung miterlebt. Heute ist das Thema Tabu. Wir wollen aufkl\u00e4ren und das tun wir auch mit einer transparenten Veterin\u00e4rmedizin. Warum nicht auch, wenn wir eine Obduktion machen, damit die Leute sehen, wie so ein Tier von innen aussieht. Wir operieren unsere Affen teilweise hinter einer Glasscheibe. Die Leute k\u00f6nnen zuschauen und wir erkl\u00e4ren ihnen, was wir da gerade tun.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Also haben Sie kein Problem mit der der Vorgehensweise Ihres Kopenhagener Kollegen?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Nein, habe ich nicht. Wir stehen dazu, dass auch wir \u00fcberz\u00e4hlige Tiere, in der Regel M\u00e4nnchen, die wir leider nicht vermitteln k\u00f6nnen, schmerzfrei und professionell schlachten und sie dann nach der Fleischbeschau durch unsere Zoo-Tier\u00e4rztin in der Decke, sprich als ganzes Tier mit Fell, an unsere Gro\u00dfkatzen verf\u00fcttern. Die amerikanischen Zoos geben ihren Gro\u00dfkatzen nur noch W\u00fcrste zu fressen, damit man blo\u00df nicht mehr wei\u00df, wo das Fleisch herkommt. Darin sind zwar alle N\u00e4hrstoffe und Mineralien enthalten, die die Tiere brauchen. Wir sind aber \u00fcberzeugt davon, dass eine nat\u00fcrliche F\u00fctterung ges\u00fcnder ist.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Im gleichen d\u00e4nischen Zoo wurde auch eine ganze L\u00f6wen-Familien get\u00f6tet, obwohl die Tiere gesund waren. Wie sehen Sie das?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Auch das kann ich verstehen. Nach dem d\u00e4nischen Tierschutzgesetz d\u00fcrfen auch Tiere get\u00f6tet werden, die nicht verf\u00fcttert werden. Das ist bei uns noch nicht erlaubt. F\u00fcr mich geh\u00f6rt es aber zu einem ordentlichen Populations-Management dazu, dass ich z.B. im Sinne einer gesunden Population eine \u00fcberz\u00e4hlige Katze aus der Gruppe herausnehme und diese &#8211; falls sie nicht vermittelbar ist &#8211; schmerzfrei t\u00f6ten kann. Das macht niemand gerne! Ich bin ja nicht Tierarzt geworden, um Tiere zu schlachten. Aber in der freien Natur bekommt eine L\u00f6win viele Junge und die werden auch nicht alle gro\u00df. Wir behelfen uns im Moment mit Verh\u00fctungsmitteln, aber das ist sicher nicht artgerecht. Und auch nicht gesund. So stellen wir bei den Weibchen ein geh\u00e4uftes Vorkommen an Geb\u00e4rmutter-Tumoren fest. Wir arbeiten daran, dass das entsprechende Gesetz ge\u00e4ndert wird.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Wie stehen Sie zur Gro\u00dfwildjagd?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Ich bin selbst kein J\u00e4ger. Und zur Jagd in Afrika habe ich ein sehr gespaltenes Verh\u00e4ltnis. Ich pers\u00f6nlich kann sie nicht nachvollziehen und w\u00fcrde auch selbst nie jagen. Ich musste meine Meinung aber ein wenig revidieren. Ein Beispiel: &nbsp;Wir betreiben Schwarzfu\u00df-Katzen-Forschung in S\u00fcdafrika. Die Schwarzfu\u00df-Katzen leben in einem riesigen privaten Nationalpark, in dem es auch Springb\u00f6cke und Antilopen gibt, die hier ganz nat\u00fcrlich aufwachsen und sich vermehren. Und dann kommen ab und zu ein paar verr\u00fcckte \u201aHunter&#8216; aus Europa und USA dahin, um einen Springbock oder eine Antilope zu schie\u00dfen. Die zahlen daf\u00fcr dann so viel Geld, dass der Farmbesitzer damit den riesigen Park so nat\u00fcrlich erhalten kann wie er ist. Die Jagd hat also in diesem konkreten Fall einen durchaus positiven Aspekt. Gar nicht nachvollziehen kann ich dagegen die Gro\u00dfwildjagd auf Elefanten, Nassh\u00f6rner, L\u00f6wen oder Tiger.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Kann man denn eigentlich gleichzeitig Zoodirektor und J\u00e4ger sein?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Ja, das geht durchaus. Auch Tier\u00e4rzte sind h\u00e4ufig J\u00e4ger. Gerade in unseren Breitengraden gibt es keinen urspr\u00fcnglichen Lebensraum mehr. Zum Beispiel haben die Wildschweine keine nat\u00fcrlichen Feinde mehr und richten im Wald gro\u00dfe Sch\u00e4den an. Da muss der Mensch eingreifen. Mit dem NABU und den NRW-Partnerzoos sind wir ja jetzt dabei, den Menschen \u00fcber die nat\u00fcrliche R\u00fcckkehr des Wolfs aufzukl\u00e4ren. Die Menschen haben leider Angst vor diesen Tieren. Deswegen haben wir die Aktion gestartet &#8222;Rotk\u00e4ppchen l\u00fcgt&#8220;, um damit zu unterstreichen, dass der Wolf gar nicht b\u00f6se ist und in der Regel auch keine Menschen angreift.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Was tun Sie, um Ihren Zoo f\u00fcr die Smartphone-Generation attraktiv zu machen?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Wir wollen eine Streichel-Wiese er\u00f6ffnen, auf der die Kinder die Tiere streicheln und anfassen k\u00f6nnen. Im Campus werden wir auch Wassertiere wie den St\u00f6r oder Flusskrebse, die aus der Wupper kommen, zum Anfassen pr\u00e4sentieren. Das alles soll begreifbarer und erlebbarer werden. Es wird auch eine Zoo-App und QR-Codes an den Gehegen geben, wo Kids zus\u00e4tzliche Infos in Wort und Bild \u00fcber die jeweiligen Tiere abrufen k\u00f6nnen. Problem ist momentan noch, dass wir auf unserem Gel\u00e4nde kein freies W-LAN haben. Wir wollen aber am Eingang Docking-Stationen aufbauen, an denen man sich die ganzen Daten herunterladen kann. Und wir werden dann auch kleine Filme anbieten, in denen z.B. Operationen und Tiergeburten gezeigt werden.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Sie sind selbst ein Tierarzt mit exzellentem Ruf. Ihnen steht zudem mit Dr. Maya Kummrow eine sehr gute Zoo-Tier\u00e4rztin zur Seite. Wer entscheidet, wenn es um einen kniffligen Fall geht?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Ganz klar die Tier\u00e4rztin! Das haben wir ganz eindeutig so geregelt. Ich bin zwar bei vielen Operationen dabei, dann aber nur als ihr Assistent. Ich bin Tierarzt mit Leib und Seele. Aber als Direktor habe ich jetzt die M\u00f6glichkeit, &nbsp;mehr Einfluss zu nehmen und zu gestalten. Mir ist es ein gro\u00dfes Anliegen, den Bereich Veterin\u00e4rmedizin bei uns enorm ausbauen, deshalb habe wir mit Dr. Maya Kummrow eine der besten Tier\u00e4rztinnen \u00fcberhaupt nach Wuppertal geholt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Wo verbringen Sie Ihre Urlaube?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Ich reise gern zum Mountainbiken in die \u00f6sterreichischen &nbsp;Alpen. Aber ich fliege nat\u00fcrlich auch oft nach Afrika. Und dort spielen dann nat\u00fcrlich die Tiere eine gro\u00dfe Rolle.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Und welche Haustiere besitzen Sie selbst?<\/strong> <br \/>Dr. Arne Lawrenz: &#8222;Ich halte mich ja den ganzen Tag \u00fcber im Zoo auf und bin abends oft erst sp\u00e4t zuhause. Dadurch habe ich zu wenig Zeit, um mich intensiv um Haustiere zu k\u00fcmmern. Deshalb beschr\u00e4nke ich mich zuhause auf die Haltung von Fischen und Reptilien &#8211; also im Prinzip Tiere, die auch mal ohne pers\u00f6nliche Ansprache auskommen.<\/p>\n<p><strong>DS: Vielen Dank f\u00fcr das interessante Gespr\u00e4ch<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wuppertals Zoodirektor Dr. Arne Lawrenz m\u00f6chten den Menschen die Natur n\u00e4her bringen &#8211; und kennt dabei keine halben Sachen. 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