{"id":17942,"date":"2019-12-14T11:54:30","date_gmt":"2019-12-14T10:54:30","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2017\/11\/19\/dietmar-bell-zeit-ist-das-kostbarste-gut\/"},"modified":"2022-01-29T20:05:02","modified_gmt":"2022-01-29T19:05:02","slug":"dietmar-bell-zeit-ist-das-kostbarste-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2019\/12\/14\/dietmar-bell-zeit-ist-das-kostbarste-gut\/","title":{"rendered":"Dietmar Bell: Zeit ist das kostbarste Gut"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_48486\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-48486\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/084_landtag-2-1024x774.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"774\" \/><span class=\"wp-caption-text\">MdL Dietmar Bell &#8211; \u00a9 Land NRW \/ Jens Grossmann<\/span><\/div>\n<p><span style=\"font-size: 16px;\">Ein Interview zwischen Wochenendeink\u00e4ufen, Schreibtischarbeit und Familienessen \u2013 auch das geh\u00f6rt zum Leben eines Berufspolitikers. Wir treffen Dietmar Bell,\u00a0der seit 2010 im D\u00fcsseldorfer Landtag sitzt, an einem Samstag in der Wuppertaler SPD-Zentrale an der Robertstra\u00dfe. Es ist 10 Uhr fr\u00fch, und obwohl er an diesem Tag noch einen vollen Terminkalender hat, wirkt Bell entspannt, ausgeglichen und so, als w\u00e4re er fast ein bisschen erhaben \u00fcber diesen Faktor Zeit, der \u2013 wie wir sp\u00e4ter noch lernen werden \u2013 eine entscheidende Rolle spielt in seinem Leben.<\/span><\/p>\n<p>Bell, Jahrgang 1961, w\u00e4chst mit seinen drei Geschwistern in Wuppertal in einfachen Verh\u00e4ltnissen auf. Politisch ist in seinem Leben zun\u00e4chst einmal nichts, im Gegenteil. Er ist eines von wenigen Kindern aus seinem Viertel, die aufs Gymnasium gehen, auch deshalb, weil seine alleinerziehende Mutter um den Wert einer guten Ausbildung wei\u00df. Wohin es nach dem Abitur f\u00fcr ihn gehen soll, ist dennoch lange unklar. Er will Lehrer werden, doch Stellen sind rar und eine Festanstellung illusorisch.<\/p>\n<p>Als Schreiner nimmt ihn niemand in die Ausbildung, daf\u00fcr disqualifiziert ihn das Abitur. Letztlich w\u00e4hlt er das f\u00fcr ihn Naheliegendste: Nachdem er lange Zeit nebenbei als Aushilfe im Krankenhaus gearbeitet hat und die Kontakte dorthin gut sind, macht er seine Ausbildung kurzerhand dort in der Klinik.<\/p>\n<p>R\u00fcckblickend ist das auch der Moment, in dem Bell das erste Mal politisch wird: Er erkennt schnell, dass die Umst\u00e4nde der Ausbildung problematisch sind und versucht, sie aktiv zu ver\u00e4ndern. Wenige Zeit sp\u00e4ter ist er bereits Schulsprecher.<br \/>\nDieses Gef\u00fchl und das Wissen, mit genug Anstrengung \u00c4nderungen herbeif\u00fchren zu k\u00f6nnen, begleitet Bell k\u00fcnftig sein Leben lang.<\/p>\n<p>Er bekommt ein Stipendium des DGB, studiert an der Sozialakademie Dortmund und anschlie\u00dfend Sozialwissenschaften in Bochum und ist immer noch auf der Suche nach seinem Weg im Leben, als er Anfang 30 das Angebot bekommt, f\u00fcr die Gewerkschaft \u00d6ffentliche Dienste, Transport und Verkehr in Deutschland, kurz \u00d6TV, als Sekret\u00e4r zu arbeiten.<\/p>\n<p>Kurz vor dem Vordiplom bricht Bell sein Studium ab und nimmt den Job an, auch deshalb, weil er fortan wieder bei seiner Frau in Wuppertal arbeiten kann. Au\u00dferdem \u00fcbernimmt er als Neuling einen wichtigen Bereich \u2013 eine Tatsache, die ihn unglaublich motiviert. Trotzdem braucht er f\u00fcnf Jahre Erfahrung, bis er wirklich gut wird in seinem Job.<\/p>\n<p>Dass er 1992 schlie\u00dflich SPD-Mitglied wird, ist fast schon ein zuf\u00e4lliger Umstand. Damals beschlie\u00dft die Partei eine Grundgesetz\u00e4nderung. Bell ist dagegen und beschlie\u00dft, seinem ureigenen Grundsatz folgend, dass es nicht hilft, sich zu beschweren, wenn man besser selbst aktiv werden sollte. Trotzdem ist er lange Zeit ein eher passives Mitglied, konzentriert sich auf seine Arbeit bei der \u00d6TV, wird erst dort Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und sp\u00e4ter bei Verdi.<\/p>\n<p>Als 2002 wegen der Parteispenden-Aff\u00e4re der SPD-Vorstand zur\u00fccktritt, bietet Bell \u2013 politisch ein unbeschriebenes Blatt, wenn auch mit guten Kontakten und einem tollen Netzwerk in Wuppertal \u2013 seine Kandidatur an. Sein Vorhaben bespricht er zuvor mit seiner Frau. \u201eH\u00e4lst du das aus, wenn ich noch weniger zu Hause bin? H\u00e4lst du das aus, wenn mein Bild auf Seite 1 der Lokalzeitung steht und der Text dazu wenig schmeichelhaft ist?\u201c. Kurze Zeit sp\u00e4ter wird er mit 95 Prozent der Stimmen gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>13 Jahre lang ist er ehrenamtlicher SPD-Vorsitzender in Wuppertal. Kandidiert 2005 das erste Mal f\u00fcr den Landtag, unterliegt, kandidiert 2009 f\u00fcr das Amt des B\u00fcrgermeisters, obwohl er wei\u00df, dass er kaum eine Chance hat gegen den damals starken Peter Jung. \u201eSicher habe ich das auch ein St\u00fcck weit aus Pflichtbewusstsein gemacht\u201c, sagt er heute. Doch Bell verfolgt noch ein anderes Ziel. Als Verlierer der Wahl, mit einem tollen Wahlkampf hinter sich, bekommt er am Wahlabend Standing Ovations im Rathaus. Auf diesen R\u00fcckenwind hat er gehofft, er ist die Ausgangslage f\u00fcr seine zweite Landtagskandidatur 2010, die diesmal erfolgreich ist.<\/p>\n<p>Ein bisschen hofft er damals darauf, dass sich durch den Wechsel von Verdi nach D\u00fcsseldorf und den Wegfall der Doppelbelastung auch das Arbeitspensum verringert. Doch daf\u00fcr ist Bell letztlich auch einfach zu engagiert. \u201eMeine Arbeit ist eine Verpflichtung den Menschen gegen\u00fcber und ich habe als Abgeordneter M\u00f6glichkeiten, die ich einfach nutzen muss.\u201c<\/p>\n<p>Dietmar Bell ist f\u00fcr die Menschen da, freut sich, wenn er in Bus und Bahn angesprochen wird, Besuch bekommt in seinem Wuppertaler B\u00fcro, wo die W\u00e4hler ihm manchmal sein Leid klagen und hoffen, dass Bell f\u00fcr sie etwas bewirken kann. Bis zu 80 Stunden die Woche arbeitet er, in der parlamentsfreien Zeit sind es immerhin noch 40. \u201eZeit ist f\u00fcr mich das kostbarste Gut geworden.\u201c Und wenn er sie hat, dann liest er gerne ein Buch oder f\u00e4hrt Mountainbike.<\/p>\n<p>Auch Bell sp\u00fcrt, dass die politische Landschaft sich ver\u00e4ndert, erf\u00e4hrt bei den Reden der AfD oft genug, wie Hass und Wut Einzug gehalten haben in die Politik und ihr Bild nach au\u00dfen bestimmen. \u201eIn solchen Situationen muss man standhaft bleiben. Wir alle sind gefordert, uns dem entgegenzustellen und Antworten auf die Fragen unserer Zeit zu finden.\u201c<\/p>\n<p>Dietmar Bell jedenfalls leistet seinen Teil. \u201eIch bin mit dem Mandat extrem gl\u00fccklich und dankbar f\u00fcr das Vertrauen und f\u00fcr den Job, der mir eine Ehre ist.\u201c Und egal was noch kommen mag, eines ist sicher: Berlin wird es nicht. \u201eDahin hat es mich nie gezogen. Man sollte das was einem gut tut nicht kaputt machen indem man nach anderen Dingen strebt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Text: Jan Filipzik<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gew\u00e4hlt von den Wuppertalerinnen und Wuppertalern, um sie auf der politischen B\u00fchne zu vertreten und ihre Interessen durchzusetzen. Berufspolitiker haben einen ganz besonderen Job. In unserer losen Serie stellen wir einige von ihnen vor. Diesmal steht Dietmar Bell im Fokus.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":17940,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[5258,5259],"class_list":["post-17942","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik","tag-dietmar-bell","tag-nrwlandtag"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-11 11:47:31","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17942","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17942"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17942\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48487,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17942\/revisions\/48487"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17940"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17942"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17942"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17942"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}