{"id":17275,"date":"2017-10-09T08:52:28","date_gmt":"2017-10-09T06:52:28","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2017\/10\/09\/werner-kreiskotts-letzter-fight\/"},"modified":"2022-01-31T18:11:10","modified_gmt":"2022-01-31T17:11:10","slug":"werner-kreiskotts-letzter-fight","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2017\/10\/09\/werner-kreiskotts-letzter-fight\/","title":{"rendered":"Werner Kreiskott: Des Champions letzter Fight"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_49583\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-49583\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/IMG_8845_b-1024x755.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"755\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Werner Kreiskott geht optimistisch in den Fight &#8211; \u00a9 Dirk Sengotta<\/span><\/div>\n<p>Werner Kreiskott, Wuppertals WBU-Schwergewichts-Weltmeister, klettert am 14 Oktober zum letzten Mal als Profi-Boxer in den Ring. Mit einer Gala in der Unihalle beendet er seine aktive Laufbahn. Bevor er nun die Boxhandschuhe endg\u00fcltig an den Nagel h\u00e4ngt, gab der \u201ePanzer\u201c, wie ihn seine Fans nennen, weil der 38j\u00e4hrige Fighter immer beherzt und furchtlos nach vorne marschiert, der STADTZEITUNG ein Interview &#8211; offen, schonungslos, wie man den \u201eStreetfighter\u201c aus dem Tal nun einmal kennt.<\/p>\n<p><strong>DS: Ihr letzter Kampf. Welche Gef\u00fchle \u00fcberwiegen bei Ihnen: Wehmut oder Erleichterung?<\/strong><\/p>\n<p>Werner Kreiskott: \u201eNaja, wenn ich ans Training aktuell denke, dass zweimal am Tag absolviert wird, parallel meine Halle gef\u00fchrt und eine Gro\u00dfveranstaltung organisiert werden muss, dann wahrscheinlich eher Erleichterung. Aber ich glaube, wenn man dann eine l\u00e4ngere Zeit auf einmal nicht mehr powern kann, werde ich vielleicht etwas Wehmut versp\u00fcren. Wir treiben aber auch Sport in unserer Freizeit, unternehmen gr\u00f6\u00dfere Spazierg\u00e4nge mit unserem Hund, fahren Fahrrad usw. Und au\u00dferdem habe ich ja t\u00e4glich meinen Fight Club. Wenn mich die Wehmut \u00fcberkommt, kann ich ja jederzeit mit den Jungs etwas mit trainieren.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Steht inzwischen fest, gegen welchen Gegner Sie in den Ring steigen m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<p>Werner Kreiskott: \u201eDer Verband hat einen K\u00e4mpfer ausgew\u00e4hlt, der sich auch seit Wochen auch auf diesem Kampf vorbereitet. Ich denke, bald wird der Name bekannt gegeben.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie haben viel erreicht, Sie treten hoffentlich als WBU-Weltmeister ab. \u00c4rgern Sie sich eigentlich, dass Sie nicht um die ganz gro\u00dfen Gagen boxen durften?<\/strong><\/p>\n<p>Werner Kreiskott: \u201eNat\u00fcrlich ist es ein Traum, allein vom Boxen leben zu k\u00f6nnen. Aber um ein Leben wie Klitschko, Mayweather etc. zu f\u00fchren, brauchst du einfach die Gro\u00df-Sponsoren oder dicke Fernsehvertr\u00e4ge. Das ist aber ein seltener Gl\u00fccksgriff. Wie jeder Sportler, ob Fu\u00dfballer, Radsportler, Boxer etc. w\u00fcnscht man sich so etwas, aber es ist wie ein Sechser im Lotto und der wird nun mal nicht so oft gezogen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie haben Danny Williams besiegt, der sogar Box-Legende Mike Tyson ausgeknockt hat. War das der eigentliche H\u00f6hepunkt Ihrer Karriere?<\/strong><\/p>\n<p>Werner Kreiskott: \u201eJa mit Sicherheit einer davon. Wie bei vielen K\u00e4mpfen gegen gro\u00dfe Namen wirst du als Au\u00dfenseiter gesehen. Wenn du dann aber dein Bestes zeigst, ist es einfach ein super Gef\u00fchl. Du sp\u00fcrst, wie das Publikum dann auf auf einmal hinter Dir steht. Eine tolle Erfahrung war auch mein Kampf gegen Chagaev in der K\u00f6nig Pilsener Arena in Oberhausen. Ich war krasser Au\u00dfenseiter und nicht austrainiert, da ich erst vier Tage vor dem Fight die Zusage erhielt. Ich setzte mich trotzdem sehr gut zu Wehr. Der Kampf war super. Mehrere Tausend Leute haben mich angefeuert. Doch dann wurde der Kampf vorzeitig abgebrochen und der Sieg Chagaev zugesprochen. Eine krasse Fehlentscheidung, das sp\u00fcrte auch das Publikum. Es gab jede Menge Buh-Rufe. So ist es eben manchmal im Boxsport. Als Andenken habe ich noch ein Foto mit Chagaev, der \u00fcbrigens ein sympathischer Typ ist. Auf dem Bild sehe ich aus wie immer und er hat ein XXL-Auge.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wenn Sie heute die Zeit zehn Jahre zur\u00fcckdrehen k\u00f6nnten, was w\u00fcrden Sie anders machen?<\/strong><\/p>\n<p>Werner Kreiskott: \u201eVor fast genauso 10 Jahren habe ich meine Frau kennengelernt. Das<br \/>\nw\u00fcrde ich bestimmt nicht anders machen. Aber ich glaube, ich h\u00e4tte von Beginn an intensiver ans Profiboxen herangehen sollen. Das war ja in etwa die Zeit, in der ich vom Kickboxen zum Profiboxen gewechselt bin.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Was war f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich bisher der gr\u00f6\u00dfte Erfolg in Ihrem Leben?<\/strong><\/p>\n<p>Werner Kreiskott: \u201eIch denke f\u00fcr einen pers\u00f6nlich ist es der gr\u00f6\u00dfte Erfolg, wenn man nach einem Fall immer wieder aufsteht. Und das bin ich. Ich denke sportlich gesehen habe ich mir in Europa oder sogar in der Welt einen guten Namen aufgebaut. Es passiert ja nicht alles vor der Kamera oder gelangt in die \u00d6ffentlichkeit. Aber wenn man im stetigen Kontakt mit gro\u00dfen Boxverb\u00e4nden oder Boxst\u00e4llen steht, darf man darauf schon stolz sein. Wenn Boxer, die von weit her kommen, Anfragen stellen, ob sie auf meinen Veranstaltungen k\u00e4mpfen d\u00fcrfen, wei\u00df man, dass ich vieles richtig gemacht haben. Mein gr\u00f6\u00dfter Erfolg privat ist meine Frau Olga.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: War war f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich bisher die gr\u00f6\u00dfte Niederlage in Ihrem Leben?<\/strong><\/p>\n<p>Werner Kreiskott: \u201e\u00dcber Niederlagen m\u00fcssen wir nicht lange diskutieren, die geh\u00f6ren zum Sport dazu und passieren einfach. Wichtig ist einfach, dass man danach immer wieder aufsteht. Und ich werde sicher immer ein \u201eStehaufm\u00e4nnchen&#8220; bleiben.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Was denkt eigentlich Ihre Ehefrau Olga \u00fcber Ihren Abschied vom Box-Ring?<\/strong><\/p>\n<p>Werner Kreiskott: \u201eSie ist gl\u00fccklich dar\u00fcber. Zehn Jahre lang mit zu fiebern und Angst zu haben bei jedem Kampf, das reicht ihr.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie haben jetzt sicher mehr Freizeit, wie werden Sie diese nutzen?<\/strong><\/p>\n<p>Werner Kreiskott: \u201eDass ich mehr Freizeit haben werde, glaube ich gar nicht. Der Fight Club hat in der Woche t\u00e4glich ge\u00f6ffnet, am Wochenende k\u00e4mpfen oft meine Jungs. Ich werde weiter als Trainer, Veranstalter und Vermittler arbeiten. Und ich habe noch einige Projekte im Kopf, da laufen auch schon Gespr\u00e4che. Ich werde alles tun, damit Wuppertal auch weiter eine Box-Stadt bleibt, auch wenn man uns nicht immer angemessen unterst\u00fctzt hat.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Mit Ihnen geht jetzt ein Lokalmatador, eine Identifikationsfigur. Sehen Sie irgendjemand in Wuppertal, der Sie in dieser Rolle ersetzen k\u00f6nnte?<\/strong><\/p>\n<p>Werner Kreiskott: \u201eMir ist aktuell kein Schwergewichtsboxer in Wuppertal bekannt, der so viel erreicht hat. Es soll nicht arrogant klingen. Aber ich glaube, dass die Leute die mich gerne k\u00e4mpfen sehen, es auch m\u00f6gen, dass ich immer gerade heraus sage, was ich denke. Viele rieten mir von bestimmten K\u00e4mpfen ab oder gaben mir den Tipp, mich zu verstellen. Das habe ich nie gemacht. Ich habe jeden Kampf angenommen, auch wenn meine Chancen schlecht standen. Ich habe auch Punkt-Niederlagen in meiner Bilanz, aber das sind f\u00fcr mich keine richtigen Niederlagen. Ich habe ein K\u00e4mpferherz und stets bis zum bitteren Ende gefightet. Egal wie aussichtslos es war. Das hat mich von vielen anderen Boxern unterschieden. Viele wollen einfach nur nach au\u00dfen hin gut aussehen und besorgen sich schwache Gegner. Blender halt. Das habe ich nie getan. Und ich denke, es ist durchaus erw\u00e4hnenswert, dass es aktuell ca. 1.228 gelistete Schwergewichtsboxer gibt. Aktuell belege ich Platz 78. Als ich noch h\u00e4ufiger gek\u00e4mpft habe, war ich immer unter den Top 50. Das habe ich sonst nie erw\u00e4hnt, aber vor meinem letzten Kampf darf ich das wohl&#8230;\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie sind ein erfolgreicher Jugendtrainer, wie \u00fcberzeugen sie Kids davon, dass es f\u00fcrs Leben wichtiger ist, sich im Training zu qu\u00e4len, als Zuhause stundenlang vor dem PC zu zocken?<\/strong><\/p>\n<p>Werner Kreiskott: \u201eMir sind Disziplin und Respekt wichtig. Gerade Kinder und Jugendliche, die sich noch nicht richtig gefunden haben, vielleicht dazu neigen, auch mal Bl\u00f6dsinn zu machen, k\u00f6nnen durch meine Vorgaben auch schnell Erfolge erleben. Sie merken, dass sie, wenn sie ausgepowert sind, gar keine Kraft und auch keine Lust mehr haben, abends dumme Sachen anzustellen. Und Kinder, die vielleicht in der Vergangenheit gemobbt wurden, bekommen durch das Box-Training viel mehr Selbstsicherheit und treten dann im Leben ganz anders auf. Ich bin mir sicher: Dieses Gef\u00fchl kann eine Play\/Station ganz sicher nicht vermitteln.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Was ist Ihr Wunsch f\u00fcr Ihren letzten Kampf?<\/strong><\/p>\n<p>Werner Kreiskott: \u201eWie immer will ich den Zuschauern, die seit Jahren hinter mir stehen, einen guten Kampf zu bieten. Ich m\u00f6chte den Fight gesund \u00fcberstehen und meinen WBU-Weltmeister-Titel f\u00fcr Wuppertal verteidigen! Ich habe tolle Jahre als aktiver Boxer erlebt und bedanke mich daf\u00fcr jetzt schon herzlich bei allen Fans und Unterst\u00fctzern &#8211; und nat\u00fcrlich auch bei allen Neidern!\u201c<\/p>\n<p><strong>Text: Peter Pionke<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eStehaufm\u00e4nnchen\u201c Werner Kreiskott steigt zum letzten Mal in den Ring. Der WBU-BoxWeltmeister bestreitet am 14.10. in der Unihalle seinen Abschieds-Kampf.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":17274,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[5043,3581,3582],"class_list":["post-17275","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sport","tag-schwergewicht","tag-wbuweltmeister","tag-werner-kreiskott"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-20 08:04:20","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17275","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17275"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17275\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":49762,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17275\/revisions\/49762"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17274"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17275"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17275"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17275"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}