{"id":16851,"date":"2017-09-09T09:53:18","date_gmt":"2017-09-09T07:53:18","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2017\/09\/09\/jean-puetz-auf-meinem-grabstein-wird-ein-qr-code-sein\/"},"modified":"2025-05-12T19:11:14","modified_gmt":"2025-05-12T17:11:14","slug":"jean-puetz-auf-meinem-grabstein-wird-ein-qr-code-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2017\/09\/09\/jean-puetz-auf-meinem-grabstein-wird-ein-qr-code-sein\/","title":{"rendered":"Jean P\u00fctz: \u201eAuf meinem Grabstein wird ein QR-Code sein&#8220;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_45418\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45418\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/DSC03957-2-1024x753.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"753\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein gl\u00fcckliches, harmonisches Paar: Jean P\u00fctz und Ehefrau Pina Coluccia &#8211; \u00a9 Susanne Bellenbaum<\/span><\/div>\n<p>Jean P\u00fctz, ist weit mehr als nur der \u201eEinstein\u201c unter den TV-Moderatoren. Der Charakterkopf des WDR moderierte \u00fcber 2.500 Sendungen, entwickelte die Naturwissenschafts-Show \u201eHobbythek\u201c zu einem erfolgreichen Dauerbrenner. Alt und Jung fesselte das Multitalent des deutschen Fernsehens mit seinen Experimenten und Ph\u00e4nomenen vor dem Bildschirm.<\/p>\n<p>In seiner Live-Show \u201eP\u00fctzmunter\u201c bringt der begnadete Technik-T\u00fcftler sein Publikum immer noch zum Staunen. 80 Jahre und kein wenig leise. Seine Stimme und sein Lachen sind seine markanten Alleinstellungsmerkmale.<\/p>\n<p>Mit seiner 30 Jahre j\u00fcngeren Ehefrau Pina Coluccia f\u00fchrt er eine gl\u00fcckliche Beziehung. M\u00f6glicherweise ist die Ehe auch so harmonisch, weil sich beiden, wenn sie wollen, buchst\u00e4blich aus dem Weg gehen k\u00f6nnen. Auf dem Grundst\u00fcck am Rande des Bergischen Landes gibt es n\u00e4mlich zwei H\u00e4user, die 20 Meter voneinander getrennt liegen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-83834\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hand-aufs-Herz-88510200.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"66\" \/><\/p>\n<p>In dem einen wohnt Pina mit T\u00f6chterchen Juli (6), in dem anderen Jean mit Sohnemann Jean Adrian (18). Jean P\u00fctz hat jetzt gerade seine Biographie unter dem Titel: \u201aIch hab da mal was vorbereitet \u2013 Ein Gl\u00fcckspilz packt aus\u2019 vollendet. Sie erscheint am 10. 09. im Buchhandel.<\/p>\n<p>Peter Pionke unterhielt sich mit dem intelligenten wie humorvollen TV-Moderator.<\/p>\n<p><strong>DS: Vom Elektromechaniker zum gefeierten TV-Moderator ist ein langer Weg?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eKann man wohl sagen. Ich wohnte in einem Internat und besuchte eine staatliche Handwerkerschule. Wir haben damals Schaltbretter gebaut und Sirenen f\u00fcr die Polizeiwagen. Auf der Oberprim\u00e4rschule in Luxemburg war ich noch der Zweitschlechteste. Die Lehrer haben mich f\u00fcr bekloppt gehalten. Aber ich war einfach nicht motiviert. Die Handwerkerschule habe ich dann mit der Note eins abgeschlossen. Ich war auf Anhieb der Beste, weil mich der Stoff interessiert hat. Motivation ist so wichtig bei jungen Leuten.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_45419\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-45419 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/DSC03949-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"682\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Jean P\u00fctz ver\u00f6ffentlicht regelm\u00e4ssig seinen Podcast &#8222;Der Vernunft eine Chance geben&#8230;&#8220; &#8211; \u00a9 Susanne Bellenbaum<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Aber das war nur ein Meilenstein auf Ihrem Berufsweg?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eJa, mein Traum war es ja immer, Ingenieur zu werden. Aber nach meinem Abschluss an der Handwerkerschule hatte ich ja noch nicht die Gesellen-Pr\u00fcfung abgelegt. Dazu musste ich mindestens ein halbes Jahr Praxis nachweisen. Im Eisenh\u00fcttenwerk in Esch sur Alzette habe ich dann nach sechs Monaten die Gesellenpr\u00fcfung abgelegt und bestanden. Danach habe ich noch ein Jahr als ganz normaler Betriebselektriker geschuftet, um mein Ingenieur-Studium zu finanzieren.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Ohne Abitur auf die staatliche Ingenieurschule in K\u00f6ln &#8211; wie haben Sie das denn geschafft?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eGanz einfach: Ich habe eine Aufnahmepr\u00fcfung f\u00fcr Sonderbegabte bestanden. Von 250 Bewerben sind nur 16 angenommen worden. Das war das gro\u00dfe Gl\u00fcck meines Lebens. Als Luxemburger konnte ich nicht richtig Deutsch, da haben mich die anderen zun\u00e4chst ganz sch\u00f6n ver\u00e4ppelt. Das h\u00f6rte aber auf, als wir die ersten Klausuren schrieben. Ich habe mein Studium zum Diplomingenieur der Nachrichtentechnik schlie\u00dflich mit der Note eins abgeschlossen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Das war der berufliche Werdegang. Was hat sich zu der Zeit in Ihrem Privatleben abgespielt?<\/strong><\/p>\n<p>Jeans P\u00fctz (augenzwinkernd): \u201eIch habe damals auf einem Medizinerball eine wunderbare Frau kennengelernt, die habe ich sozusagen in mein Zimmer in K\u00f6ln-Nippes gelockt und da haben wir unseren Sohn J\u00f6rn (geb. 1959) gezeugt, der heute Professor f\u00fcr Biochemie an der Universit\u00e4t Stra\u00dfbourg ist.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Und wie kam es dann zum Abitur auf dem zweiten Bildungsweg?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eIch habe als Diplom-Ingenieur im Entwicklungsb\u00fcro einer Bonner Firma gearbeitet und ein Buch \u00fcber eine technische Neuentwicklung geschrieben. Das Buch wurde dann auch ver\u00f6ffentlicht, aber ohne mich namentlich zu erw\u00e4hnen. Da habe ich gek\u00fcndigt. Ohne je ein Gymnasium von innen gesehen zu haben, habe ich 1960 in D\u00fcsseldorf erfolgreich die Abiturpr\u00fcfung f\u00fcr Externe abgelegt. Ich hatte damit die allgemeine Hochschulreife, bin zur Uni K\u00f6ln gegangen und habe mich in der philosophischen Fakult\u00e4t eingeschrieben. Ich wollte eigentlich Journalist werden. Aber dann haben die mit Mittel- und Altdeutsch angefangen &#8211; zum Beispiel Walter von der Vogelweide. Das wollte ich mir dann doch nicht antun.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Und was haben Sie sich dann angetan?<\/strong><\/p>\n<p>Jeans P\u00fctz: \u201eDann habe ich Physik und Mathematik f\u00fcrs Lehramt Sekundarstufe II studiert. Nebenfach Chemie. Nach dem ersten Staatsexamen habe ich noch parallel ein Soziologie- und Volkswirtschaftsstudium abgeschlossen. Bis 1969 &#8211; zuletzt als Oberstudienrat &#8211; habe ich an der Fachoberschule und Berufsschule in K\u00f6ln Mathematik, Physik und Elektronik unterrichtet. Nebenbei arbeitete ich von 1966 an als freier Journalist. Au\u00dferdem habe ich von 1963 bis 1973 die Lehrlinge des K\u00f6lner Unternehmens Felten &amp; Guillaume auf die Pr\u00fcfung vorbereitet.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie sind Sie dann beim Fernsehen gelandet?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eWir hatten in K\u00f6ln den Republikanischen Club gegr\u00fcndet, eine links orientierte, demokratische Gemeinschaft kritischer B\u00fcrger. Wir trafen uns immer in einer angemieteten Wohnung am R\u00f6merturm. Viele Aktive der 68-Szene haben sich dort eingefunden. Und da waren auch mehrere WDR-Redakteure, die gerade dabei waren, das 3. WDR-Fernsehprogramm zu installieren. Diese baten mich, die Redaktion Naturwissenschaft und Technik aufbauen. Da schlug mein Gl\u00fcck noch einmal zu. Ich habe mich nie beworben. Aber dann durfte ich 13 Folgen der Reihe \u201eEnergie, die treibende Kraft\u201c produzieren. Moderiert habe ich aber damals noch nicht.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Daf\u00fcr war ja wohl ein spezielles Moderations-Coaching n\u00f6tig?<\/strong><\/p>\n<p>Jeans P\u00fctz: \u201eNicht eine Minute! F\u00fcr die Technik-Serie \u201eEinf\u00fchrung in die Elektronik\u201c haben wir einen Moderator gesucht und u.a. auch einen Schauspieler gecastet. Das Ergebnis war unbefriedigend. Da haben meine Kollegen gesagt: \u201aMachen Sie es doch selbst\u2018. Und pl\u00f6tzlich stand ich vor der Kamera.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wissen Sie eigentlich, wie viele TV-Sendungen Sie \u00fcberhaupt moderiert haben?\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eDas m\u00fcssen so um die 2.500 gewesen ein.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Warum war denn Ihre Elektronik-Bastel-Sendung \u201eHobbythek\u201c so ein erfolgreicher Dauerbrenner?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eDie Sendung war ja ein trojanisches Steckenpferd, um Wissenschaft f\u00fcr jedermann zu vermitteln, insbesondere f\u00fcr die Menschen, die f\u00fcr naturwissenschaftliche F\u00e4cher nichts \u00fcbrig hatten, denn Technik bestimmte schon damals unseren Alltag und Beruf, insbesondere aber, um Hintergr\u00fcnde zu offenbaren. Ich wollte den Zuschauern erkl\u00e4ren, warum dies oder jenes funktioniert, vor allen Dingen um Ursache und Wirkung zusammenzubringen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Message hatten Sie denn?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eMein Motto: Wissenschaft darf niemals nur Herrschaftswissen werden, sondern sie muss f\u00fcr jedermann erschlossen werden. Ich finde \u00fcberhaupt, dass der gesamte Techniksektor in der Gesellschaft viel zu wenig gew\u00fcrdigt wird. Die technische Kreativit\u00e4t ist mindestens genauso hoch anzusetzen, wie die kulturelle und k\u00fcnstlerische. Es wird das Riesenproblem der Zukunft sein, dass wir keine Handwerker mehr bekommen. Alle wollen heute das Abitur machen und keiner mehr Handwerker werden. Wir brauchen aber auch Menschen, die ihre Arme und Beine benutzen k\u00f6nnen, nicht nur das Gehirn, darauf baut die Anwendung der Technik auf.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_33579\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 670px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-33579\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/d763d41eff7aa0d535c0b756060c660e-2-1.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"473\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der &#8222;k\u00f6lsche Jong&#8220; Jean P\u00fctz mit dem &#8222;Goldenen Narr&#8220;, dem Oscar\u00a0der Rheinischen Karnevals-Gesellschaft &#8211; \u00a9 Susanne Bellenbaum<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Was treibt Sie an &#8211; Geld, Ruhm?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eKeines von beiden. Geld spielt nur insofern eine Rolle, als es mir die Unabh\u00e4ngigkeit erm\u00f6glicht. Ich verabscheue Statussymbole, aber daf\u00fcr nehme ich umso mehr an kulturellen Ereignissen teil. Ich m\u00f6chte vor allen Dingen mithelfen, dass unsere offene Gesellschaft und damit unsere Demokratie, die meiner Generation 70 Jahre Frieden gebracht hat, auch f\u00fcr unsere Kinder und Kindeskinder bewahrt bleibt und nicht an der Dummheit erstickt.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie machen zwar keine Wissenschafts-Sendung mehr, sind aber mit Ihrer Live-Show \u201eP\u00fctzmunter\u201c weiter unterwegs. Also einmal Rampensau, immer Rampensau?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eDabei handelt es sich um eine Live-Show, ein physikalisch-chemisches Cabaret, sozusagen Wissenschaft zum Anfassen, zum Begreifen, im wahrsten Sinne des Wortes und zwar f\u00fcr alle Altersstufen. W\u00e4hrend ich fr\u00fcher nur die Kameralinse vor mir hatte, habe ich jetzt eine Begegnung mit dem Zuschauer unmittelbar. Vor tausenden von Menschen haben ich im ber\u00fchmten \u201aDeutschen Museum\u2018 in M\u00fcnchen die Nano-Halle er\u00f6ffnet, in der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen die \u201aNacht der Wissenschaften\u2018, in Heidelberg das \u201aJahr der Mathematik\u2018. Aber am meisten Spa\u00df macht es mir, wenn ich Firmenjubil\u00e4en mitgestalten kann, und besonders wenn es mir gelingt, mit der P\u00fctzmunter Show in Schulen bis hin zu Kitas die Jugendlichen und Kinder f\u00fcr die MINT-F\u00e4cher begeistere. Und bei den ganz Kleinen spiele ich dann sogar den Zauberer, der die Naturwissenschaft nutzt, um sie zum Staunen und Lachen zu bringen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Letztens haben Sie sogar geschauspielert?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eJa, und zwar habe ich im ZDF Neo bei B\u00f6hmermann den Menschen dargestellt, der glaubt, er w\u00e4re Albert Einstein aus Friedrich D\u00fcrrenmatts \u201aDie Physiker\u2018. Soeben komme ich aus Berlin zur\u00fcck, wo ich in einem kreativen Spielfilm \u201aStory of Berlin\u2018 Albert Einstein spiele, der einem jungen M\u00e4dchen in der Retrospektive erschienen ist, nebst einem Gespr\u00e4ch mit Max Planck, Heinrich Schliemann &#8211; den Gr\u00f6\u00dfen der Wissenschaft des vorigen Jahrhunderts -, und sogar im Verbund mit Marlene Dietrich.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Und jetzt wagen Sie sich sogar an Facebook?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eJa, aber niemals mit privaten Angelegenheiten, sondern stets mit Kommentaren zu politischen und technischen Geschehen, bei denen ich meine, dass etwas schief l\u00e4uft im Staate. Gro\u00dfen Erfolg habe ich mit einem regelm\u00e4\u00dfigen Block unter dem Titel \u201aDer Vernunft eine Chance\u2018. In diesem Zusammenhang ist es mir gelungen, bis zu 40.000 Abonnenten zu gewinnen und teilweise weit \u00fcber eine Million Klicks. Die kann sich jedermann anschauen, er braucht nur auf Google das Stichwort \u201aJean P\u00fctz Facebook\u2018 einzugeben. Aber noch mehr engagiere ich mich im Internet unter www.jean-puetz.net.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Worauf muss man sich denn da gefasst machen?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eDa ist es mir in den letzten Jahren unter dem Button \u2019Lexikon der Wissenschaft\u2018 gelungen, \u00fcber 40.000 handverlesene und glaubhafte wissenschaftliche Informationen mit Nutzen f\u00fcr Jedermann einzubringen. Daran arbeite ich jeden Tag mindestens drei Stunden. Dieses Alles, um der schrecklichen Entwicklung gegenzusteuern, die mit den Begriffen Fakenews und Postfaktisch treffend beschrieben ist \u2013 eine Seuche unserer Zeit. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn es mir gel\u00e4nge, den Marx\u2019schen Spruch mit den Proletariern umzum\u00fcnzen in eine Gemeinschaft unter dem Motto \u201aVernunftbegabte aller L\u00e4nder vereinigt Euch. Ohne Vernunft wird unsere Gesellschaft elendig zu Grunde gehen, daf\u00fcr sind wir verdammt. Das sollten sich die Politiker hinter die Ohren schreiben.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Haben Sie ein Geheim-Rezept?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eJa, weitermachen, nicht verzagen, wer rastet, der rostet. Nach neuesten Forschungen kann man auch Demenz zumindest um Jahre nach hinten verschieben, wenn mach sich k\u00f6rperlich bet\u00e4tigt, aber vor allen Dingen die Gehirnzellen herausfordert \u2013 egal womit. Da k\u00f6nnten z. B. auch Kreuzwortr\u00e4tsel oder die modernen Computerspiele helfen. Nat\u00fcrlich auch daran denken, dass unsere Gesellschaft die Erfahrung der Alten braucht. Also mischen Sie sich aktiv ein. Dabei kann eine Prise Humor oder der Schalk im Nacken nicht schaden.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: K\u00fcrzlich haben Sie zu dem Thema ja den \u201aGoldenen Narr\u2018 der Rheinischen Karnevalsgesellschaft bekommen. Ist das so etwas wie der \u201aOrden wider den tierischen Ernst\u2018 ?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eJa, wenn Sie mich so fragen, neben den vielen Preisen und Ehrungen, die ich bekommen habe, so z. B. wurde ich in Wuppertal zum Ehrensenator der Prinzengarde ernannt, hat mir dieser \u201aNarr\u2018 besonders gefallen, den ich \u00fcbrigens zusammen mit unserer heutigen Bundesfamilienministerin verliehen bekommen habe. Seitdem kann ich n\u00e4mlich in Berlin oder in D\u00fcsseldorf ohne Bedenken den Hofnarr spielen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Aber da war noch etwas?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: Ja, Sie meinen bestimmt, dass ich total erleichtert bin, weil es mir gelungen ist, meine schon lange geplante Biographie zu vollenden. Ich schrieb sie in enger Anbindung an die Zeitgeschichte, sozusagen als einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen, der die Revolution der modernen Technologie von Anfang bis heute miterlebt hat. Der Titel ist bezeichnend: \u201aIch hab da mal was vorbereitet \u2013 ein Gl\u00fcckspilz packt aus\u2018, ca. 350 Seiten, 14 Kapitel. In der zweiten Ebene ganz einfach zu finden \u00fcber QR-Codes mit vielen Bildern und Video-Ausschnitten aus der damaligen Zeit. Sie sollte schon zu meinem 80. Geburtstag erscheinen, jetzt kommt sie zum 81. heraus. Sie ist bestimmt in Wuppertaler Buchhandlungen erh\u00e4ltlich.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Noch eine letzte Frage: Haben Sie Angst vor dem Tod?<\/strong><\/p>\n<p>Jean P\u00fctz: \u201eNein, auch die Wissenschaft hat mir den Glauben an Gott nicht madig gemacht. Allerdings habe ich dem 10. Gebot ein 11. hinzugef\u00fcgt, das der Nachhaltigkeit: \u201eDu darfst die Reserven dieser Erde nur so nutzen, dass unsere Kinder und Kindeskinder die gleichen Chancen haben. Ich hoffe, dass ich ein wenig dazu beigetragen habe. Und wenn es zu Ende geht, am liebsten bei voller Arbeit, dann erbitte ich mir noch mindestens 10 Minuten, damit ich mich von den Besuchern meines Grabes verabschieden kann. Da kommt n\u00e4mlich auf den Grabstein ein QR-Code auf einem Emaile-T\u00e4felchen. Darauf kann man mit seinem Smartphone gehen und ich w\u00fcrde ihm dann sagen: \u201eIch liege unten, hatte ein wunderbares Leben \u2013 Du bist noch oben, freue Dich und merk\u2018 Dir die k\u00f6lschen Weisheiten: &#8230;.. jede Jeck is angers, et k\u00fctt wie et k\u00fctt, wat fott is is fott und et h\u00e4t nooch immer joot jejange. Verteidige unsere Demokratie, die uns drei Generationen Frieden gebracht hat und zum Schluss: Nimm das Leben nicht allzu ernst und Tsch\u00fcss.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Herzlichen Dank f\u00fcr das spannende, offene Gespr\u00e4ch<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_32704\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-32704\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/DSC03935-1024x823.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"823\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Klugheit und Humor zeichnen den Wissenschaftsjournalisten Jean P\u00fctz aus &#8211; \u00a9 Dr. Susanne Bellenbaum<\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><span style=\"font-size: 12pt;\">VITA JEAN P\u00dcTZ<\/span><\/h4>\n<p>Jean P\u00fctz wurde am 21.09.1936 in K\u00f6ln geboren, der Vater war Deutscher, die Mutter Luxemburgerin. Er besitzt heute noch einen deutschen und luxemburgischen Pass. P\u00fctz besuchte die Prim\u00e4r- und Oberprim\u00e4rschule im luxemburgischen Moselst\u00e4dtchen Remich.<\/p>\n<p>Nach einer dreij\u00e4hrigen erfolgreichen Ausbildung zum Elektromechaniker (1952-1955) und einem Jahr Praxis als Betriebselektriker in einem Luxemburgischen Eisenh\u00fcttenwerk, wechselte er nach einer erfolgreich abgelegten Aufnahmepr\u00fcfung f\u00fcr Sonderbegabte auf die staatliche Ingenieurschule K\u00f6ln.<\/p>\n<p>Jean P\u00fctz schloss das Studium als Diplom-Ingenieur f\u00fcr Nachrichtentechnik ab. 1960 legte er die Abiturpr\u00fcfung f\u00fcr Externe ab, ohne je ein Gymnasium besucht zu haben. Anschlie\u00dfend. absolvierte er ein Physik- und Mathematik-Studium f\u00fcrs Lehramt mit Abschluss 1. Und 2. Staatsexamen.<\/p>\n<p>Parallel dazu studierte er acht Jahre lang an der WISO-Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln Volkswirtschaft mit Schwerpunkt Soziologie. Insgesamt unterrichtete er vier Jahre lang als Studienrat bzw. Oberstudienrat an der Fachoberschule K\u00f6ln Mathematik, Physik und Elektronik.<\/p>\n<p>Am 01.01.1970 wurde er verantwortlicher Redakteur, Autor, Produzent beim WDR. Jean P\u00fctz baute die Redaktion Naturwissenschaft und Technik auf. Er moderierte rund 2.500 Sendung, davon allein 350 Mal die \u201eHobbythek\u201c. Er verfasste rund 60 B\u00fccher. Seine Autobiographie, \u201eIch hab da mal was vorbereitet &#8211; Ein Gl\u00fcckspilz packt aus\u201c, erscheint am 10. September. Seit 2008 ist P\u00fctz endg\u00fcltig im Un-Ruhestand.<\/p>\n<p>Er ist in dritter Ehe mit Pina Coluccia verheiratet und hat mir ihr zwei Kinder: Sohn Jean Adrian (geb. 1999) und Tochter Juli (geb. 2010). Sohn J\u00f6rn (geb. 1959) stammt aus erster Ehe.<\/p>\n<p>www.jean-puetz.net<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jean P\u00fctz (80) moderierte \u00fcber 2.500 Wissenschafts-Sendungen (u.a. Hobbythek) im WDR. 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