{"id":14584,"date":"2016-04-16T06:16:25","date_gmt":"2016-04-16T04:16:25","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2017\/04\/16\/trainer-zauberer-horst-buhtz-unerfuellter-traum\/"},"modified":"2022-01-31T17:25:20","modified_gmt":"2022-01-31T16:25:20","slug":"trainer-zauberer-horst-buhtz-unerfuellter-traum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2016\/04\/16\/trainer-zauberer-horst-buhtz-unerfuellter-traum\/","title":{"rendered":"Trainer-Zauberer Horst Buhtz: Unerf\u00fcllter Traum"},"content":{"rendered":"<p>Man nannte ihn den \u201eAufstiegsk\u00f6nig\u201c. Seine Bilanz ist so einmalig, wie seine Fu\u00dfballkarriere selbst. Horst Buhtz f\u00fchrte mit Borussia Neunkirchen (1964), Wuppertaler SV (1972), 1. FC N\u00fcrnberg (1978) sowie Bayer Uerdingen (1979) gleich vier Vereine aus der Zweitklassigkeit in die Bundesliga. Seine sch\u00f6nste Zeit als Trainer war nach eigenen Bekunden aber die Zeit beim Wuppertaler SV, die von 1968 bis 1974.<\/p>\n<p>Ein Glanzpunkt einer an H\u00f6hepunkten reichen internationalen Karriere. Horst Buhtz war einer der erfolgreichsten deutschen Trainer \u00fcberhaupt und vorher auch einer der besten deutschen Fu\u00dfballer. Die Frage, warum der herausragende Spielmacher nicht neben Fritz Walter in der deutschen Nationalmannschaft spielen durfte, konnte nie gekl\u00e4rt werden. Horst Buhtz schoss in der Oberliga S\u00fcd f\u00fcr Offenbach und M\u00fchlberg in 143 Spielen 69 Tore, und das oft vor den Augen Bundestrainers Sepp Herberger. Alle rechneten mit seiner Nominierung. Aber sie kam nicht. 1951 wirkte er im allerersten B-L\u00e4nderspiel Deutschlands (gegen die Schweiz) mit, was als Sprungbrett f\u00fcr die A-Elf h\u00e4tte dienen k\u00f6nnen. Doch Herberger ignorierte ihn.<\/p>\n<p>Der 1923 in Magdeburg geborenen Horst Buhtz war ein so \u00fcberragender Spieler, dass er schon als 16j\u00e4hriger mit einer Ausnahmegenehmigung des Deutschen Fu\u00dfballbundes (DFB) in der Seniorenmannschaft von Fortuna Magdeburg zum Einsatz kam. Nach dem Zweiten Weltkrieg fl\u00fcchtete er als junger Mann vor den Sowjets in den Westen. Als technisch beschlagene Offensivspieler fand er von 1947 bis 1950 bei den Offenbacher Kickers schnell ein neues Zuhause.<\/p>\n<p>Mit den Hessen stand er 1950 vor 95.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, unterlag dort dem VfB Stuttgart 1:2. Die Presse nannte ihn, den Offenbacher Torsch\u00fctzen, damals den besten Mann auf dem Platz. Buhtz erhielt ein Angebot vom FC Barcelona, lehnte aber ab, weil er in Deutschland bleiben wollte, um Nationalspieler zu werden.<\/p>\n<p><strong>Der Schatten \u201eFritz Walter\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Eine L\u00e4nderspielkarriere blieb im letztlich versagt. Er stand zwar im legend\u00e4ren Notizbuch von Bundestrainer Sepp Herberger, blieb aber im Schatten von Fritz Walter, Der hatte als Mittelfeld-Regisseur die gleiche Spielanlage wie Buhtz. \u201eHerberger hat mich vertr\u00f6stet und gesagt: Horst, Sie haben doch noch Zeit, der Fritz ist doch \u00e4lter als Sie.\u201c Drei Jahre waren es, die sie trennten. \u201eIch w\u00e4re alt und grau geworden\u201c, sagte er sp\u00e4ter in einem \u201e11-Freunde-Interview\u201c.<\/p>\n<p>Als zweiter Deutscher \u00fcberhaupt (nach Ludwig Janda) wechselte Buhtz schlie\u00dflich 1952 nach Italien zum AC Turin. F\u00fcnf Jahre lang war er hier absoluter Starspieler. &#8222;Ich verdiente 150.000 Mark. \u201eDas war ein Haufen Geld. Ich habe in Turin f\u00fcrstlich gelebt&#8220;, berichtete er. In Deutschland h\u00e4tte er maximal 6.000 DM im Jahr verdienen k\u00f6nnen. \u201eF\u00fcr mich als Fu\u00dfballer war Italien ein Paradies. Ich habe mir mit dem ersten Handgeld gleich ein VW-Cabriolet mit roten Ledersitzen f\u00fcr damals 6.500 DM gekauft\u201c verriet er. Bereits im zweiten Jahr wurde er von den Journalisten zum besten Ausl\u00e4nder gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Nach Jahren als Spielertrainer in der Schweiz startete Buhtz 1962 seine erfolgreiche Trainerlaufbahn in Deutschland und in der T\u00fcrkei (1976 Pokalsieger). Seine sp\u00e4teren Erfolge wurden durch die Erfahrungen in Italien erst m\u00f6glich. In Europa wurde traditionell im WM-System mit elf taktischen Positionen gespielt, in Italien gab es bereits 15 und damit ein fu\u00dfballerisch flexibleres Denken.<\/p>\n<p>Die taktische Aufstellungen variierten von Spiel zu Spiel. Das Besondere: Er hatte in seiner Trainer-T\u00e4tigkeit nicht immer einen herausragende Kader, musste sich also etwas einfallen lassen. Und das tat er dann auch. In Wuppertal lie\u00df er Dieter L\u00f6mm sehr erfolgreich eine Art h\u00e4ngender Linksau\u00dfen spielen und Manni Reichert als Au\u00dfenverteidiger in die Sturmspitze gehen. Die gegnerischen Trainer verstanden diese taktischen Ma\u00dfnahmen manchmal gar nicht&#8230;<\/p>\n<p>Als Buhtz nach Wuppertal kam, war er nach Misserfolgen bei Hannover 96 genauso angeschlagen wie viele seiner Spieler, die anderswo gescheitert waren und beim WSV quasi um ihre letzte Chance spielten, was sehr zur Motivation beigetragen hat. Auch der WSV selbst lag am Boden. Horst Buhtz konnte sich richtig entfalten. 1972 stiegen er mit dem WSV in die Bundesliga auf und qualifizierten sich im ersten Jahr sogar als Vierter f\u00fcr den Uefa-Cup.<\/p>\n<p>Das Stadion am Zoo war eine Macht, und in \u00fcber sechzig Heimspiele von der Regionalliga bis zur Bundesliga blieb man ungeschlagen. Aber im Erfolg lagen auch bereits die Gr\u00fcnde f\u00fcr den sp\u00e4teren Abstieg. \u201eWir hatten ein Jahr in der Regionalliga verschenkt, als uns 1971 auf dem Aachener Tivoli ein Torwartfehler den sicheren Aufstieg gekostet hatte\u201c, erkl\u00e4rte der Erfolgs-Coach.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter stellte der WSV in der Aufstiegsrunde mit acht Siegen in acht Spielen einen Rekord auf. Aber durch das Jahr Versp\u00e4tung kam die Mannschaft in der Bundesliga schnell in ein hohes Alter, und der Verj\u00fcngungsprozess wurde viel zu sp\u00e4t eingeleitet. Man hatte ihn, vom Erfolg geblendet, vers\u00e4umt. Sein letztes Jahr in Wuppertal wurde auch dadurch beeintr\u00e4chtigt, dass Buhtz schwer von einer Aff\u00e4re mit einer Australierin namens Jackie beeintr\u00e4chtigt wurde und oft gar nicht zum Training erschien. Ein Spruch machte die Runde: \u201eManni, \u00fcbernehmen Sie!\u201c Gemeint war Kapit\u00e4n Reichert.<\/p>\n<p>\u201eEs war f\u00fcr mich ein wirklich trauriger Moment, als ich in Wuppertal erkannte: \u201eDas war es jetzt! Als aktiver Trainer muss man die Boulevardpresse lesen, damit man wei\u00df, wann und wem die Stunde schl\u00e4gt.\u201c Buhtz mu\u00dfte mitten in der Saison des gehen und wurde im Oktober 1974 von dem Ungarn Janos Bedl abgel\u00f6st, der den Abstieg indes auch nicht mehr verhindern konnte. Die letzte Trainerstation von Horst Buhtz waren 1983 die Stuttgarter Kickers, wo er auch J\u00fcrgen Klinsmann und Guido Buchwald trainierte.<\/p>\n<p>\u201eIch habe meinen Lebenstraum total erf\u00fcllt. Schon als Kind wollte ich immer nur einen Ball haben: Zu Ostern, zum Geburtstag und zu Weihnachten. Mehr gab es f\u00fcr mich nicht. Wenn dann wieder so ein Ball auf einem rostigen Nagel seinen Geist aufgab, war es immer ein Elend von ein paar Tagen, bis sich mein Vater erbarmte und mir einen neuen kaufte\u201c, berichtet Horst Buhtz in seiner Lebensgeschichte, die im 11-Freunde-Magazin f\u00fcr Fu\u00dfballkultur ver\u00f6ffentlicht wurde. Der flie\u00dfend italienisch sprechende Horst Buhtz verstarb im M\u00e4rz 2015 im Alter von 91 Jahren im rheinischen Langenfeld, wo er auch die letzten Jahre seines Lebens mit Ehefrau Hilde verbrachte.<\/p>\n<p>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil 8 unserer Serie &#8222;WSV-Legenden&#8220;: Trainer-Zauberer Horst Buhtz &#8211;\u00a0Vier Bundesliga-Aufstiege &#8211; aber der\u00a0Lebenstraum \u201eNationalspieler\u201c blieb unerf\u00fcllt-<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":14582,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[3281,3964,3135],"class_list":["post-14584","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sport","tag-fussballbundesliga","tag-horst-buhtz","tag-wsvlegenden"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-14 10:36:14","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14584","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14584"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14584\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":49735,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14584\/revisions\/49735"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/14582"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14584"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14584"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14584"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}