{"id":13898,"date":"2017-03-13T09:17:39","date_gmt":"2017-03-13T08:17:39","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2017\/03\/13\/hajo-jahn-andenken-an-else-lasker-schueler\/"},"modified":"2023-04-11T15:26:36","modified_gmt":"2023-04-11T13:26:36","slug":"hajo-jahn-andenken-an-else-lasker-schueler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2017\/03\/13\/hajo-jahn-andenken-an-else-lasker-schueler\/","title":{"rendered":"Hajo Jahn: Andenken an Else Lasker-Sch\u00fcler"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_37939\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 707px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-37939\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/c6b276563aeea1c333f74a71794f6a96-2.jpg\" alt=\"\" width=\"697\" height=\"453\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der bekannte Wuppertaler TV- und Rundfunk-Journalist Hajo Jahn &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>F\u00fcr ihn ist die freie Meinungs\u00e4u\u00dferung ein Wert, dem er sich sein ganzes Leben lang verpflichtet f\u00fchlt. \u201eZu unserer Gegenwart geh\u00f6ren in vielen L\u00e4ndern noch immer oder schon wieder Unterdr\u00fcckung der Meinungsfreiheit und Verfolgung von K\u00fcnstlern, Publizisten und anderen Intellektuellen\u201c, schreibt Hajo Jahn in seinem neuen Buch \u201eDer blaue Reiter ist gefallen\u201c.<\/p>\n<p>Hajo Jahn, geboren 1941 in Berlin, ist Vorsitzender der Else-Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft. Als Rundfunk- &amp; TV-Moderator arbeitete Jahn von 1970 bis 2000 als WDR-Studioleiter in Wuppertal. Jahn organisiert seit 1993 die Else-Lasker-Sch\u00fcler-Foren mit Ausstellungen, Konzerten, Lesungen oder Zeitzeugen in Schulen zu literarischem und politischem Austausch, so in Wuppertal\/Solingen, Jerusalem, Breslau, Prag, Z\u00fcrich oder Wien. \u201eDies tue ich, um eine zeitgem\u00e4sse Erinnerungskultur und Erinnerungsp\u00e4dagogik jenseits eingefahrener Gedenkrituale zu schaffen\u201c, sagte er uns.<\/p>\n<p>F\u00fcr Hajo Jahn hat die Katastrophe des 20. Jahrhunderts mit der Vertreibung der K\u00fcnstler und Intellektuellen begonnen. Wie eine Metapher daf\u00fcr sei das Schicksal der stadtbekannten Exzentrikerin Else Lasker-Sch\u00fcler im Berlin der Jahrhundertwende. Sie war eine bedeutende deutsch-j\u00fcdische Dichterin und galt als herausragende Vertreterin der avantgardistischen Moderne und des Expressionismus in der Literatur. 1909 erschien ihr dramatisches Werk &#8222;Die Wupper&#8220;, mit dem sie ihrer Kindheit und Jugend in Elberfeld ein Denkmal setzte.<\/p>\n<p>Geboren 1869 in Elberfeld, von den Nazis gleich zweimal vertrieben, starb sie 1945 in Jerusalem. Jahns eigene Geschichte hat viel zu tun mit Vertreibung. Seine Familie floh 1945 aus Frankfurt\/Oder nach Berlin. Er selbst war damals vier Jahre alt. Dann 1953 nach dem DDR-Volksaufstand die Flucht von Ost-Berlin nach Hamburg. Von da kam er ins Ruhrgebiet, wo er zun\u00e4chst als \u201eKoffertr\u00e4ger\u201c, dann als Chemielaborant im Bergbau arbeitete. Als 18-J\u00e4hriger bekam er, der Volkssch\u00fcler und Ex-Bergmann, ein Volontariat bei der Westf\u00e4lischen Rundschau.<\/p>\n<p>Seine Erfahrungen aus dem Bergbau kamen ihm bei seiner ersten WDR-Reportage zugute. Er begleitete den in Barmen geborenen NRW-Wirtschaftsminister Gerhard Kienbaum auf einer Grubenfahrt. Hier entstanden erste Kontakte nach Wuppertal. Jahn wurde WDR-Studio-Leiter von \u201eRadio Bergisch Land\u201c, dem Vorl\u00e4ufer der heutigen Lokalzeit Bergisches Land. Johannes Rau, damals NRW-Landesvater, war quasi Jahns Stammgast. \u201eBruder Johannes\u201c wohnte gleich nebenan und h\u00e4tte im Morgenmantel ins WDR-Studio am Dr.-Tigges-Weg kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Hajo Jahn\u2019s Kinder&#8230;.<\/strong><\/p>\n<p>Radio Bergisch Land wurde zum erfolgreichsten Regionalsender. Das von Jahn entwickelte Konzept verband wie kein anderes regionale, identit\u00e4tsstiftende Elemente. Das bergische Heimatlied als \u201eJingle&#8220;, die \u201eWupperwelle\u201c als Nachrichtenblock und die Dr\u00f6ppelmina als Symbolfigur geh\u00f6rten dazu. WDR-Intendant Fritz Pleitgen h\u00f6chstpers\u00f6nlich, Max Schautzer, der u.a. das ARD-Wunschkonzert moderierte oder Manfred Erdenberger kamen gerne als Gastmoderatoren.<\/p>\n<p>Durch seine Schule gegangen sind unter anderen auch Horst Kl\u00e4user (u.a. USA-Korrespondent), Ulrike R\u00f6mer (WDR 5 Morgenecho), Edda Damm\u00fcller (News-Redakteurin WDR 2), Peter Kunz (Leiter des ZDF-Studios Singapur) und Jochen Rausch, u.a. Programmchef von 1LIVE, WDR 2, WDR 4. Das wohl prominenteste \u201eJahn-Kind\u201c aber d\u00fcrfte J\u00f6rg Sch\u00f6nenborn (Moderator \u201eARD-Wahlstudio\u201c) sein. Er hatte seinen medialen Durchbruch als H\u00f6rfunkredakteur im WDR-Studio Wuppertal.<\/p>\n<p><strong>\u201eKino im Kopf\u201c<\/strong><\/p>\n<p>An Auszeichnungen fehlt es auch Hajo Jahn nicht: F\u00fcr seine Verdienste wurden ihm 2003 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2006 der Rheinlandtaler und 2010 der Verdienstorden des Landes NRW verliehen. Als Hajo Jahn die Else-Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft gr\u00fcndete, fand er schnell Mitstreiter. Autoren wie G\u00fcnter Grass, Siegfried Lenz, Wolf Biermann und auch Salman Rushdie unterst\u00fctzten ihn. Der lang gehegte Traum von einem \u201eZentrum f\u00fcr verfolgte K\u00fcnste\u201c wurde 2015 indes nicht in Wuppertal, sondern in Solingen realisiert, geht aber auf seine Initiative zur\u00fcck. Hajo Jahn: &#8222;Das Zentrum besteht offiziell, aber es lebt noch nicht.\u201c Er w\u00fcnscht sich ein lebendiges, international vernetztes Haus.<\/p>\n<p>W\u00fcnschen w\u00fcrde er sich ad-hoc-Veranstaltungen, etwa eine kurzfristig machbare Veranstaltung nach dem Anschlag auf das franz\u00f6sische Satiremagazin &#8222;Charlie Hebdo\u201c, mit Diskussionen \u00fcber Meinungsfreiheit. \u201eUm Jugendliche in Internet-Zeiten f\u00fcr die Freiheit und Kunst zu begeistern\u201c, sagt Jahn, \u201emuss man schon mehr machen, als nur Museum.\u201c An Bildern k\u00f6nne man sich sattsehen. B\u00fccher setzten mit der Zeit Staub an. \u201eDeshalb m\u00fcssen wir hier &#8218;Kino im Kopf&#8216; machen.\u201c<\/p>\n<p>Hajo Jahn wird sich weiter f\u00fcr seine Ziele einsetzen. Zum Beispiel als Herausgeber der Else-Lasker-Sch\u00fcler-Almanach-Ausgaben mit Sarah Kirsch und J\u00fcrgen Serke. Die Gesellschaft m\u00fcsse wachsam sein, davon ist Jahn heute mehr denn je \u00fcberzeugt und sieht besonders bei den \u00f6ffentlich rechtlichen Medien noch einen guten Handlungsbedarf.<\/p>\n<p>\u201eDa gibt es ungenutzte journalistische Freir\u00e4ume. Hier ist f\u00fcr ein geb\u00fchrenfinanziertes und damit unabh\u00e4ngiges Medium deutlich mehr drin\u201c, meint er. \u201eElse Lasker-Sch\u00fcler hat gelebt wie niemand vor und niemand nach ihr. Sie hat sich nicht angepasst, hat keinen der Kompromisse geschlossen, aus denen unser Leben besteht, hat nie und nirgends auf ihr \u201aIch\u2018 verzichtet, auf ihre ganz eigene Sicht der Welt\u201c, so Jakob Hessing 2009 in einer Biografie \u00fcber die Dichterin.<\/p>\n<p><strong>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die in Wuppertal geborene Else Lasker-Sch\u00fcler ist nach Expertenmeinungen eine der besten und zugleich auch unbekannteste Dichterin Deutschlands. Letzteres zu \u00e4ndern, hat sich der Wuppertaler Journalist Hajo Jahn zu einer seiner Aufgaben gemacht.<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":13897,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-13898","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wuppertal"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-29 07:51:13","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13898","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13898"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13898\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64376,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13898\/revisions\/64376"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13897"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13898"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13898"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13898"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}