{"id":11200,"date":"2016-12-13T09:24:56","date_gmt":"2016-12-13T08:24:56","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2016\/12\/13\/meine-suppe-ess-ich-nicht-teil-2-3\/"},"modified":"2022-07-22T14:25:21","modified_gmt":"2022-07-22T12:25:21","slug":"meine-suppe-ess-ich-nicht-teil-2-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2016\/12\/13\/meine-suppe-ess-ich-nicht-teil-2-3\/","title":{"rendered":"&#8222;Meine Suppe ess ich nicht&#8220; &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_53727\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-53727\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_1195_a-2-1024x778.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"778\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Diplom-Psychologin Barbara Knoblauch &#8211; \u00a9 Dirk Sengotta<\/span><\/div>\n<p>Das K\u00f6rpergewicht liegt bei selbst herbeigef\u00fchrtem Gewichtsverlust mindestens 15% unter dem zu erwartenden Gewicht oder unter einem BMI (Body-Ma\u00df-Index = kg\/m2) von unter 17,5 (Normalgewicht zwischen 24,9 und 18,5, Untergewicht unter 18,5). M\u00f6glicherweise, z.B. bei fr\u00fchem Beginn der Magersucht, wurde das zu erwartende Gewicht durch weiteres Gr\u00f6\u00dfenwachstum und unterbliebene Gewichtszunahme nie erreicht.<\/p>\n<p>Der BMI wird bei Patienten und Patientinnen ab 16 Jahren zugrunde gelegt. Bei j\u00fcngeren Patientinnen sollten die BMI-Perzentilen angewandt werden. Die Magersucht ist eine K\u00f6rperschemast\u00f6rung. Die Erkrankten leiden unter einer deutlichen Wahrnehmungsverzerrung bez\u00fcglich des eigenen K\u00f6rpers. Sie nehmen trotz knochiger Schultern, heftig hervortretenden Schl\u00fcsselbein- und Beckenknochen jede kleinste Fettansammlung am K\u00f6rper wahr, ekeln sich davor, empfinden sich selbst bei existentiell bedrohlichem Untergewicht noch als zu dick.<\/p>\n<p>Dieses Symptom ist letztendlich f\u00fcr die Diagnose entscheidender als das Untergewicht. Patienten mit Untergewicht ohne die Diagnose Magersucht k\u00f6nnen ihr eigenes D\u00fcnnsein erkennen und favorisieren ein anderes Idealgewicht als die an Magersucht Erkrankten. Diese verbergen zudem oft ihre eigenen Wunschvorstellungen bez\u00fcglich des K\u00f6rpers und des Gewichts vor der Umwelt, da sie wissen, dass ihre Vorstellungen mit denen der Umwelt kollidieren.<\/p>\n<p>Die Magersucht ist eine ernst zu nehmende, schwerwiegende St\u00f6rung. Sie kann t\u00f6dlich verlaufen. Bedingt durch das extreme Untergewicht entstehen k\u00f6rperliche Folgen und Sch\u00e4digungen: Es zeigt sich eine St\u00f6rung der Regulation der Hormone. So setzt meist bei den Patientinnen die Menstruationsblutung aus (Amenorrhoe), Unfruchtbarkeit kann entstehen. Bei Einnahme der Antibabypille wird das Ausbleiben der Menstruationsblutung durch die Entzugsblutung oft kaschiert. Bei den Jungen drohen Verlust von Libido und Potenz, Auch die Produktion anderer Hormone ist gest\u00f6rt.<\/p>\n<p>Beginnt die Magersucht vor der Pubert\u00e4t ist die Abfolge der pubert\u00e4ren Entwicklungsschritte verz\u00f6gert oder gehemmt, was Wachstumsstop, bei den M\u00e4dchen, fehlende Brustentwicklung, Ausbleiben der Monatsblutung etc. bedeutet, bei den Jungen ist meist die Entwicklung der Genitalien gest\u00f6rt.<\/p>\n<p>Es ergeben sich zudem Herzprobleme wie verlangsamter Herzschlag, niedriger Blutdruck, niedriger Puls, Herzrhythmusst\u00f6rungen, was im schlimmsten Fall zum pl\u00f6tzlichen Herztod f\u00fchren kann. Es zeigen sich Ver\u00e4nderungen im Blutbild mit Unterzuckerung, Blutarmut, St\u00f6rung der Elektrolyte etc.. Bei h\u00e4ufigem Erbrechen werden durch die Magens\u00e4ure die Z\u00e4hne angegriffen, was vermehrte Karies zur Folge hat. Zudem zeigen sich Magenschmerzen, Verstopfung und andere Darmprobleme. Es drohen Nierenversagen und Osteoporose. Durch Fehlen des subkutanen Fettgewebes und Herunterfahren des Stoffwechsels sind die Patientinnen meist sehr k\u00e4lteempfindlich. Sie versp\u00fcren oft Schwindel und drohende Ohnmacht, leiden meist unter trockener Haut.<\/p>\n<p>Magers\u00fcchtige Patientinnen vermeiden zwar die Zufuhr von Nahrung, kontrollieren st\u00e4ndig die Kalorienzahl, disziplinieren sich in h\u00f6chstem Ma\u00dfe, was Essen betrifft, leiden unter erheblichem Hungergef\u00fchl, zeigen sich andererseits den ganzen Tag mit Essen besch\u00e4ftigt. Sie w\u00e4lzen Kochb\u00fccher, studieren Rezepte, bekochen ihre Familien, servieren ihnen Mahlzeiten, weigern sich aber mit anderen zusammen zu essen.<\/p>\n<p>Anfangs leiden die magers\u00fcchtigen Patienten unter heftigen Hungergef\u00fchlen. Erst mit fortgeschrittener Krankheit tritt eine wirkliche Appetitlosigkeit, das Fehlen von Hungergef\u00fchl ein. Die Disziplinierung der Nahrungszufuhr trotz erheblichen Hungergef\u00fchls f\u00fchrt zu einem Gef\u00fchl der Macht und Kontrolle und zu einer vermeintlichen Stabilisierung des Selbstwertgef\u00fchls.<\/p>\n<p>Bei schwerwiegendem Krankheitsbild essen manche Patientinnen nur noch einen Apfel am Tag, der in kleine St\u00fccke zerteilt, auf einem Teller serviert und ganz langsam verzehrt wird, dazu vielleicht noch ein trockenes Br\u00f6tchen. Dazu werden rund 30 Abf\u00fchrtabletten und mehr zu sich genommen.<\/p>\n<p>Ausschlaggebend f\u00fcr die Diagnose bleibt aber nicht die Kalorienzufuhr, die H\u00e4rte der Di\u00e4t, sondern die K\u00f6rperschemast\u00f6rung. Selbst wenn die Rippen nach langem Hungern erschreckend sichtbar sind, sich nur ein Loch in der Bauchgegend zwischen den hervorstehenden Beckenknochen zeigt, empfinden sich die Patientinnen noch als zu \u201efett\u201c.<\/p>\n<p><strong>Barbara Knoblauch &#8211; Dipl.-Psych. \/Psychotherapeutin<\/strong><\/p>\n<p>Lesen Sie Teil 3 in unserer Januar-Print-Ausgabe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMeine Suppe ess ich nicht\u201c &#8211; Magersucht\/Anorexia nervosa &#8211; Teil 2: Symptome\/Kriterien.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":11195,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[3363,3504],"class_list":["post-11200","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lifestyle","tag-magersucht","tag-magersucht-anorexia-nervosa"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-26 01:30:02","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11200","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11200"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11200\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53732,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11200\/revisions\/53732"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11195"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11200"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11200"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11200"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}