5. Mai 2020

Eine Lanze für das Ehrenamt – Career Story von Dr. Böth

Der Wuppertaler Wirtschaftswissenschaftler Dr. Thorsten Böth leitet das Deutsche Rote Kreuz in Solingen. Menschen für das Ehrenamt zu begeistern, gehört zu seinem Arbeitsalltag. Das werde immer schwieriger, erzählt er in der Career Story. Doch er weiß ebenso von Lichtblicken zu berichten.

Dr. Thorsten Böth – © privat

Ökonomische Zusammenhänge interessieren Thorsten Böth schon seit der Schulzeit. Die Wirtschaft verstehen zu wollen – sowohl den unternehmerischen Aufbau einer Firma als auch im gesamtgesellschaftlichen Kontext – führte ihn zum Studienfach Wirtschaftswissenschaft.

„Mein Ziel war es, über ein Studium den Zugang mit der entsprechenden Qualifikation für unterschiedliche Berufsfelder zu erhalten“, sagt der gebürtige Wuppertaler. Sein Engagement in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft in Wuppertal bringt ihm schnell eine studentische Hilfskraftstelle im Dekanat ein, über die er wichtige Erkenntnisse im Bereich Verwaltungsstrukturen erlangt.

„Da hatte ich allgemeine Verwaltungsaufgaben, Veranstaltungs- und Raumplanung, eine ganz spannende Sache“, erklärt er, „aber das Spannendste war, dass ich in den Fakultätsratssitzungen das Protokoll geschrieben habe. Das war als Studierender sehr interessant, weil ich da in einer vertrauensvollen Tätigkeit für den Dekan arbeiten konnte.“

Auch am Lehrstuhl für Controlling arbeitet Böth während seines Studiums später noch als studentischer Mitarbeiter.

Erste Erfahrungen im Ehrenamt

Schon in dieser Zeit engagiert er sich ehrenamtlich in der Hochschulgruppe des Bundesverbandes deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb), organisiert Workshops, lädt Referent*innen ein und bleibt dem Regionalverband bis heute treu.

„Ich leite selbst heute noch den Regionalverband des bdvb und kümmere mich als Mentor um die Hochschulgruppe der Bergischen Universität.“

Nach einer Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Controlling-Lehrstuhl und der Promotion führt ihn sein Weg zunächst in die Praxis. „Ich war erst einmal als Projektmanager und Produktmanager tätig, danach als Wirtschaftswissenschaftler für einige Jahre in der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen.“

Über eine Personalberatung bewirbt er sich auf die Stelle des Kreisgeschäftsführers des Deutschen Roten Kreuzes Solingen (DRK), in deren Funktion er seit Ende 2016 tätig ist.

Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes Solingen

Auch hier hat das Ehrenamt wieder eine entscheidende Bedeutung, denn das DRK arbeitet mit einer Vielzahl freiwilliger Helfer*innen. „Hier beim Roten Kreuz sind wir circa 150 fest angestellte Mitarbeiter*innen und ungefähr 400 Ehrenamtliche“, erläutert Böth.

Die Aufgaben des DRK, das sowohl Hilfsorganisation als auch Wohlfahrtsverband ist, sind vielfältig: Neben Rettungsdienst, Krankentransport, Behindertenfahrdienst, Blutspenden, Erste-Hilfe-Kursen und der Betreuung von etwa 1000 Hausnotrufnutzer*innen, die den 24 Stundendienst jederzeit abrufen können, betreibt das Rote Kreuz auch drei Kindertagesstätten und bietet Kurse für Familien, Kinder und Senior*innen an.

„Und darüber hinaus haben wir noch als wichtigen Bereich den Katastrophenschutz, in dem wir tätig sind. Wenn also eine Katastrophe eintreten sollte, dann stellen wir zweidrittel der Einsatzeinheiten der Stadt Solingen mit unserem Ehrenamt.“

Böth betont immer wieder, wie wichtig das ehrenamtliche Engagement für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist und spricht deutlich die Nachwuchsprobleme an. „Es ist grundsätzlich heutzutage schwierig, Ehrenämtler zu finden. Wir merken schon, dass Menschen, die sich in die Gesellschaft einbringen möchten, weniger werden. Wir gewinnen zwar immer noch Engagierte dazu, aber es wird schwieriger, jüngere Menschen zu finden.“

Die Corona-Pandemie verändert alles

Seit dem 13. März, dem Tag, ab dem alle öffentlichen Schulen und Kindertagesstätten geschlossen wurden, hat sich auch die Arbeit des DRK Solingen verändert. „Wir haben hier sofort eine Risikoanalyse durchgeführt und entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen“, erklärt der Diplom-Ökonom.

„Betriebsfremde haben seitdem keinen Zutritt mehr zur Rettungswache und es gilt ein Betretungsverbot für alle Eltern und Kinder in unseren Kindertagesstätten – außer Notfallbetreuungen.“ Stattdessen übernimmt der als gemeinnützig eingetragene Verein beispielsweise im Auftrag des Gesundheitsministeriums NRW die Verteilung von Atemschutzmasken an Krankenhäuser.

Dr. Böth, der im regelmäßigen Kontakt mit der Stadt und dem gemeinsamen Einsatzstab der Hilfsorganisationen in NRW steht, fährt fort: „Wir fahren im Auftrag des Gesundheitsamtes mit Helfer*innen in mobilen Beprobungsteams zur Testung auf Covid-19 und wir unterstützen mit DRK-Helfer*innen in der Notfallaufnahme des städtischen Klinikums im Rahmen der Mehrbelastung des Klinikums durch Corona.“

Aber auch die Hilfsbedürftigen in den eigenen vier Wänden hat man beim DRK im Blick. „Hierzu haben die Solinger Wohlfahrtsverbände für alleinstehende Menschen, die sich in der Krise nicht alleine helfen können, ein Notfalltelefon eingerichtet.“

Betriebswirtschaftlich steht das DRK, wie auch viele andere Organisationen, vor einer finanziellen Herausforderung, die Böth immer im Blick haben muss.

„Es sind viele Dienstleistungen weggebrochen. Bei unserem Fahrdienst sind hunderte Fahrten für Schüler*innen und Senior*innen auf einen Schlag weggefallen. Wir können in unserem Kreisverband derzeit keine Erste-Hilfe-Kurse mehr anbieten, weil man da keinen Abstand halten kann. Viele Kurse im Bereich Kinder, Familie, Senior*innen fallen weg, und das bedeutet enorme Einnahmeverluste, bei gleichbleibenden Personalkosten“, erklärt er.

Den Wunsch, zum Helfen wecken

Um auch in dieser Lage Menschen zu gewinnen, die der Allgemeinheit durch freiwilligen Einsatz zur Seite stehen, „muss man den Wunsch der jungen Leute wecken, anderen zu helfen“, konstatiert Böth, der den negativen Trend auch bei jungen Leuten an der Universität sieht, die oft zuerst fragten: Was bringt mir das?

Ein Engagement neben dem Studium hält er, der nebenberuflich auch Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Controlling der Schumpeter School of Business and Economics an der Bergischen Universität ist, für außerordentlich wichtig. „Man muss beides tun“, sagt er, „nicht nur Fachkompetenz erwerben, sondern auch schauen, dass man gemeinsam im Team auch mal neben dem Studium innovative und soziale Projekte macht.“

Die Akquise von Ehrenämtlern, die das Deutsche Rote Kreuz unterstützen, gehört zu Böths Tagesgeschäft. Und auch da gäbe es Lichtblicke, freut sich der engagierte Wirtschaftswissenschaftler: „Ich habe letzte Woche eine promovierte Naturwissenschaftlerin gewonnen, die bei der Blutspende hilft.“

UWE BLASS

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