10. April 2020

Messe- & Eventbranche fordert Weg zum Restart

Wuppertal ist Hauptsitz der großen, weltweit agierenden Live-Marketing-Agentur VOK DAMS mit insgesamt 300 Mitarbeitern. Von Vok Dams gegründet, wurde sie von Sohn Colja erfolgreich weiter geführt. Prominente Unternehmen wie Bayer, BMW, VW oder BASF sind Stammkunden bei VOK DAMS. Die Coronakrise macht selbst einem der ganz Großen der Branche schwer zu schaffen. Großevents wie der Genfer Autosalon oder die "Internationale Tourismusbörse" (ITB) sind weggebrochen. Colja Dams stellt sich hinter den "Offenen Branchen-Brief" des Kommunikationsverbands e. V. (FAMAB).

VOK DAMS-CEO Colja Dams – © Vok Dams

 

Jörn Huber, Vorstandsvorsitzen des „FAMAB“ und Geschäftsführer Jan Kalbfleisch, haben im Namen ihrer Mitglieder einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Peter Altmeier und Gesundheitsminister Jens Spahn geschrieben. Hier der Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrter Herr Minister Altmeier, sehr geehrter Herr Minister Spahn, 

Die derzeit anhaltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Corona-Virus haben die gesamte Messe- und Eventbranche mit Ihren 2 Mio. Mitarbeitern und 70 Mrd. EUR Gesamtumsatz vollständig stillgelegt. Alle Unternehmerinnen und Unternehmer der Branche haben, mit teils drakonischen Maßnahmen, teils durch die aktive Hilfe der Politik, dafür gesorgt, dass ein definierter Zeitraum des Stillstands überbrückt werden kann. 

Der aktuell verfolgbare politische Diskurs über den geeigneten Zeitpunkt, uns unsere Geschäftsgrundlage wieder zu geben, besorgt uns sehr. Zumal wir den aktuellen Aussagen regelmäßig entnehmen müssen, dass in Unkenntnis der Produkte und Prozesse unserer Branche die Sammelbegriffe „Veranstaltungen“ und „Großveranstaltungen“, bzw. das mittelfristige Verbot dieser, die Debatte prägen. 

Bitte erlauben Sie uns daher einige erklärende Worte: 

Die Anzahl der Menschen an sich ist kein geeignetes Entscheidungskriterium

Wir halten die Anzahl an Menschen nicht für ein geeignetes, vor allem nicht alleiniges, Entscheidungskriterium in einem behördlichen Verfahren. Viel mehr kommt es beispielsweise darauf an, geeignete räumliche Situationen, professionelle hygienische Zustände und Schutzmaßnahmen für Teilnehmer und Veranstalter zu schaffen, die ein Verbreitungsrisiko auf ein absolutes Minimum reduzieren. Unternehmen unserer Branche sind in der Lage, solche Maßnahmen konzeptionell in die Veranstaltungsformate zu integrieren, sie zu organisieren und umzusetzen. 

Businessevents und Messen sind keine Spaßveranstaltungen

Nahezu jedes Unternehmen Deutschlands setzt in seiner Kommunikation auch auf Live- Kommunikation. Im Übrigen ist diese Art der Kommunikation auch ein wesentliches Format der Politik. Sie trägt einen wesentlichen Beitrag zu einer wirkmächtigen Wirtschaftskommunikation bei. Es sollte hier vor allem unterschieden werden, in welchem Umfeld sie realisiert werden und welchen Grad an Professionalität der Veranstalter und seine Dienstleister aufweisen.

Die Sicherheit der Besucher stand für die Branche schon immer an erster Stelle

Deutschland ist Weltmeister für Messen und Events. Seit jeher existieren sehr umfängliche und strenge Regelwerke, denen sich die gesamte Branche unterwirft, um das wichtigste garantieren zu können: Die Unversehrtheit der Besucher. Die Unternehmen unserer Branche beschäftigen eine große Anzahl erfahrener Experten, deren einziges Augenmerk es ist, die in jeder Hinsicht beurteilte Sicherheit der Besucher zu gewährleisten.

Live-Kommunikation wird entscheidend bei der Überwindung der drohenden Wirtschaftskrise helfen 

Die Szenarien der Ökonomen deuten eindeutig auf eine tiefe wirtschaftliche Krise für Deutschland hin. Die beziehungs- und vertrauensfördernden Formate und Produkte der Live- Kommunikation werden entscheidend dabei helfen, die Wirtschaft zu reaktivieren und diese Krise schnellstmöglich zu überwinden. Dem Ermöglichen des – geregelten – Zusammentreffens von Menschen, wird in naher Zukunft auch eine erhebliche gesellschaftliche Bedeutung zukommen.

Wir arbeiten bereits an Handlungsempfehlungen für Politik und Behörden

Uns ist absolut bewusst, dass die derzeitige Situation anhalten wird und die gesamte Branche zukünftig noch deutlich mehr Augenmerk – auch auf die virologische – Sicherheit von Veranstaltungen legen muss. Unsere Experten arbeiten bereits mit Hochdruck an einem Katalog von detaillierten und dedizierten Handlungsempfehlungen für Veranstalter und Behörden. Diesen werden wir schnellstmöglich vorlegen und erklären uns schon heute bereit, aktiv bei der weiteren Ausgestaltung von Regelwerken mitzuwirken. 

Unsere Forderungen an Sie als politische Entscheidungsträger sind ebenso bescheiden wie einfach:

Wir benötigen einen Stufenplan

Wir alle haben die Hoffnung, dass das öffentliche Leben in Deutschland demnächst nach einem Stufenplan wieder „hochgefahren“ wird. Unabhängig von der absoluten zeitlichen Komponente, benötigt unsere Branche einen ebensolchen Stufenplan. Aus diesem Plan muss für unsere Kunden und uns zumindest ableitbar sein, wann welche 

Wir benötigen eine differenzierte Betrachtung von „Veranstaltungen“

Wie wir bereits ausgeführt haben, ist die reine Anzahl an Menschen kein geeigneter Maßstab für Genehmigungen. Stattdessen müssen unterschiedliche Veranstaltungen auch unterschiedlich beurteilt und behandelt werden.

Wir benötigen Entscheidungshilfen für die Behörden

Es deutet sich bereits an, dass die zuständigen lokalen Behörden, unabhängig von Allgemeinverfügungen, sehr restriktiv mit den notwendigen Genehmigungen umgehen werden. Dies ist zwar einerseits verständlich, würde aber weiterhin zu einem faktischen Verbot von Veranstaltungen führen. Wir glauben daher, dass – möglicherweise auf Basis unserer Handlungsempfehlungen – ein allgemein gültiger und allen Zuständigen bekannter, dedizierter Kriterienkatalog als Guidance erarbeitet und eingeführt werden muss. 

Die aktuell von der Politik ergriffenen Maßnahmen tragen wir vollumfänglich mit. Vor allem anderen gilt unser größtes Augenmerk stets der Gesundheit der Menschen. Unseren Mitarbeiter*innen, unseren Familien, unseren Kunden und unseren Teilnehmer*innen. Diese Abwägung „Mensch vs. Profit“ werden wir immer zu Gunsten von Menschen und Gesundheit treffen. 

Unser gemeinsames Ziel ist das strukturierte und geregelte Hochfahren einer Branche unter Wahrung aller notwendigen Schutzmaßnahmen.

Wir hoffen sehr, unsere Argumente finden durch Sie Widerhall in den anstehenden Diskussionen zur Festlegung des weiteren Weges. Gelänge dies nicht, wäre die Folge das unwiederbringliche Sterben einer ganzen Branche mit 2 Mio. Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und alle diese Menschen haben es verdient, dass der Fortbestand Ihrer Existenzgrundlagen einer detaillierten Betrachtung und Abwägung unterliegt.

Wir freuen uns von Ihnen zu hören. Mit freundlichen Grüßen 

Jörn Huber – Vorstandsvorsitzender FAMAB e.V.     –     Jan Kalbfleisch – Geschäftsführer FAMAB e.V.

 

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