21. März 2020

Dr. Ludger Stratmann: Gesund und trotzdem Corona-Opfer

Er ist selbst Allgemeinmediziner, obwohl er seit vielen Jahren nur auf noch auf das Rezept setzt: Lachen ist die beste Medizin. Dr. Ludger Stratmann, bundesweit erfolgreicher Kabarettist und Comedian, hat die Coronakrise sehr nachdenklich gestimmt und sie bereitet ihm große Sorgen.

 

Dr. Ludger Stratmann – © privat

 

Dr. Stratmann ist sich darüber im Klaren, dass die Entscheider in Politik und Behörden derzeit einen sehr schwierigen Job haben und bei ihren Entscheidungen auf die Fachkenntnisse und Empfehlungen von Medizinern und Virus-Experten angewiesen sind.

„Ich halte mich strikt an alle Regeln, die vorgegeben werden. Mich verunsichert natürlich auch, dass sich die Virologen, die jetzt überall in den Talkshows auftauchen, teilweise widersprechen. Vielleicht haben ja auch die Japaner recht, die gesagt haben, man hätte das Corona-Virus wie ein normales Grippevirus behandeln sollen, dann hätte niemand etwas davon mitbekommen. Es wäre zwar auch zu Todesfällen gekommen, wie bei jeder Grippewelle. Selbstverständlich ist jeder Tote einer zu viel. Aber das Ganze hätte nicht solche Ausmasse angenommen und zudem noch die Wirtschaft weltweit bedroht,“ so der ehemalige Hausarzt aus Bottrop.

Dr. Ludger Stratmann macht sich aus zwei Gründen große Sorgen. Einmal ist er selbst unmittelbar Betroffener der Corona-Krise.

Der Kabarettist: „Mein Theater und mein Restaurant „Leo’s Casa“ in Essen sind geschlossen. Wir haben sieben angestellte Mitarbeiter im Restaurant und drei Festangestellte im Theater. Für sie wurde direkt Kurzarbeit beantragt. Dazu kommen natürlich noch viele Studenten als Aushilfskräfte. Und die sind auch auf ihr Geld angewiesen. Ausserdem brechen mir selbst alle Einnahmen weg, weil ich alle meine Auftritte absagen musste. Das alles macht mir ein wenig Druck in der Brust. Obwohl ich das finanziell verkraften kann, weil ich vorgesorgt und einiges an die Seite gelegt habe. Aber für einige meiner Kollegen geht es echt ans Eingemachte. Die tun mir richtig leid.“

 

Sorge um die Demokratie

 

Und noch etwas bereitet dem Doc starke Kopfschmerzen: „Ich bin mir nicht sicher, ob unsere liberale Demokratie diese Krise aushält. Es gibt doch schon wieder Rufe nach einem starken Mann, der zupackt. Und es tauchen auch schon wieder Blockwarte auf, die alles im Blick haben. Über die sozialen Medien wird schon wieder kräftig denunziert. Da hat ein Facebook-User beispielsweise einen Trinkhallenbesitzer aus Mülheim an der Ruhr übel bedroht und ihm mit einer Anzeige gedroht, weil dieser drei Kunden gleichzeitig vor seinem Kiosk duldete.“

Stratmann vermisst am meisten die sozialen Kontakte. Er verbringt seine unfreiwillige Freizeit mit Ehefrau Gitti in seinem Haus in Bottrop. Tochter Anne ist oft zu Besuch., nicht zuletzt wegen der kurzen Wege. Sie wohnt im gleichen Haus.

Der Comedy-Star nutzt die Zeit, um einmal zu endschleunigen: „Und das tut mir gut. Ich kann jetzt während meiner Isolationshaft in aller Ruhe an den Texten für mein Jubiläums-Programm ‚Das ist das Schönste‘ feilen, bei dem es diesmal einige Musikabschnitte gibt mit zwei Tänzerinnen und einem Sänger. Und ich komme endlich mal wieder zum Lesen. Also Langweile habe ich keine“, so der Medizin-Experte für die Lachmuskeln.

 

Norderney-Einreiseverbot

 

Nicht gerade begeistert ist er darüber, dass er nicht auf die Nordsee-Insel Norderney reisen darf, seiner zweiten Heimat. Das Ehepaar besitzt dort seit über 25 Jahren ein schmuckes Haus. Dr. Ludger Stratmann: „Da Norderney nur unser Zweitwohnsitz ist, gilt die Besuchssperre leider auch für uns.“

Welche Konsequenzen will er persönlich aus der Corona-Krise ziehen? Der Kabarettist: „Ich war ja noch nie ein großer Anhänger der Bussi-Bussi-Gesellschaft. Küsschen hier – Küsschen da. Das habe ich ja auch in meinen Programmen thematisiert. Aber nach der Krise sollten wir uns ein Beispiel an den Japanern nehmen. Die bleiben in einem gewissen Abstand voneinander stehen und nicken sich zur Begrüßung freundlich zu.“

 

Humor als beste Medizin

 

Dr. Stratmann wären nicht Ludger Stratmann, würde er nicht jeder noch so denkwürdigen Situation mit Humor begegnen. Hier sein momentaner Lieblingswitz: „Ein Kunde im Supermarkt bemerkt einen Mann, der acht Pakete Toilettenpapier durch die Gänge schleppt. Er spricht ihn sofort an und beschimpft ihn wüst: „Unsozial, unsolidarisch! Sie sind ein asozialer Hamsterkäufer.“ Der Mann hört sich das in Ruhe an und sagt dann: „Mein Herr, darf ich jetzt das Regal auffüllen?“

Text: Peter Pionke

 

 

 

 

 

 

Kommentare

Neuen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.