4. März 2020

Löwen erkämpfen Punkt gegen die Füchse

"Der Bergische HC hatte sich perfekt auf uns vorbereitet", meinte Füchse-Manager Bob Hanning im Anschluss an das 26:26 (17:12) der Löwen gegen die Berliner. "Ich habe selten eine Mannschaft gesehen, die so brutal in unser Herz gestochen hat." Der BHC führte zwar 17:12 und 24:20, war nach einer starken Vorstellung ganz nah dran an seinem ersten Sieg im Düsseldorfer ISS Dome überhaupt, doch am Ende langte es nur zu einem Punkt.

Fabian Gutbrod fehlte dem BHC in der 2. Halbzeit – © Jochen Classen

Im ersten Moment war das sportlich bitter, doch in der Nachbetrachtung wird es ein gewonnener Zähler sein. Die Löwen boten in der ersten Halbzeit eine herausragende Leistung. Fabian Gutbrod legte mit drei tollen Toren aus dem Rückraum los, musste dann aber vom Feld, weil er bei einer Kollision etwas abbekommen hatte.

Die leichten Tore des Rückraum-Rechtshänders haben die Gastgeber gerade in der zweiten Hälfte dann schmerzlich vermisst. Der BHC ließ sich allerdings überhaupt nicht von dem Ausfall beeindrucken. Lukas Stutzke, der stark gegen Dainis Kristopans verteidigte, sprang offensiv für ihn ein und setzte tolle Akzente. Er traf ein Mal selbst und setzte mehrere Male Leos Petrovsky in Szene, der am Kreis hervorragend funktionierte.

In starker Verfassung präsentierte sich auch Jeffrey Boomhouwer, der eine makellose Bilanz von der Siebenmeter-Linie vorwies und zudem auch aus spitzem Winkel von außen traf. Doch nicht nur im Positionsangriff bereiteten die Löwen den Berlinern große Probleme, auch das gefürchtete Tempospiel zündete.

Yannick Fraatz erkämpfte den Ball und verwertete den Gegenstoß gleich selbst, Petrovsky vollendete einen Konter über Csaba Szücs, und auch die schnelle Mitte funktionierte. Der BHC beging in der ersten Halbzeit nur ganz wenige Fehler und erarbeitete sich einen auch in der Höhe verdienten 17:12-Pausenvorsprung, der nicht zuletzt auch Christopher Rudeck im Tor zu verdanken war.

Der Schlussmann stand mit Ausnahme von ein paar Siebenmetern 60 Minuten zwischen den Pfosten und bot eine seiner konstantesten Leistungen in dieser Saison. Auch in der zweiten Hälfte war Rudeck ein Faktor, aber offensiv hatten die Löwen schon unmittelbar nach dem Wechsel größere Probleme als zuvor.

Die Berliner bekamen mehr und mehr Zugriff. Trotzdem gelang des dem BHC, immer wieder entscheidend zu treffen. Durch Ragnar Johannsson, der nach seinem 18:13 aus dem Rückraum spürbar Selbstvertrauen gewann. Durch Linus Arnesson, der einen spektakulären Dreher nach einer Rudeck-Parade vollendete. Durch Boomhouwer von der Linie und per Gegenstoß.

Nach Johannssons Schlagwurf zum 24:20 lag der Löwen-Sieg in der Luft, aber die Lösungen im Angriff wurden merklich weniger – und die Fehler mehr. Beim 24:23 waren die Füchse wieder dran. Der starke Johannsson stellte auf 25:23, Fraatz verwertete einen Abpraller zum 26:24.

Ein weiteres Tor hätte wohl genügt, doch Linus Arnessons und Tomas Babaks Würfe bei angezeigtem passiven Spiel fanden nicht ihr Ziel. So hatten die Berliner das letzte Wort. Kristopans traf, nachdem die Löwen eigentlich gut verteidigt hatten, nach dem letzten Pass im Zeitspiel zum 26:26.

Der Ball war abgefälscht, und auch Rudeck war noch dran. Einen letzten Angriff hatten die Löwen noch, doch Johannsson schaffte es nicht, sich zum Helden des Abends zu machen. Sein Versuch ging daneben. Es blieb bei einem Punkt – einem achtbaren.

Stimmen zum Spiel

Michael Roth: „Wir haben zwei sehr unterschiedliche Halbzeiten gesehen. Wir haben sehr schlecht ins Spiel gefunden, aber der BHC hat mit eine seiner besten Partien gemacht in letzter Zeit. Er hat uns da erwischt, wo wir anfällig fahren. Wir wurden immer unsicherer, weil wir keinen Zugriff in der Abwehr bekommen haben. Wir wurden auch öfter überlaufen in der zweiten Welle. Auch hatten wir klare Chancen, die wir nicht verwertet haben, so dass wir in die Defensive gedrängt wurden. Nach der Halbzeit haben wir uns in der Abwehr gesteigert, sind mit Mut und Risiko nach vorne gegangen. Das haben die Jungs super gemacht. Hätten wir noch Glück gehabt, hätten wir das Spiel auch gewinnen können. Insgesamt ist das Unentschieden aufgrund der zwei verschiedenen Halbzeiten auch gerecht.“

Sebastian Hinze: „Es war ein verdienter Punkt. Ich bin direkt zu den Jungs gegangen, weil wir in weniger als 48 Stunden wieder Handball spielen müssen. Wir sollten das Positive aus dem Spiel mitnehmen: Das ist ein Punkt gegen Berlin. Wenn mir das vorher einer gesagt hätte, hätte ich es sofort unterschrieben. Aber natürlich fühlt sich das Spiel erstmal so an wie ein Punktverlust. Wir haben in der ersten Halbzeit nahe an der Perfektion gespielt. Wir haben überragend verteidigt, sehr viele Ballgewinne gehabt, haben das von Berlin bekommen, was wir haben wollten: Rückraum-Würfe außerhalb von neun Metern. Christopher Rudeck ist dann auch gut ins Spiel gekommen und hat uns die ganze Zeit Sicherheit gegeben. Wir haben acht Tempotore in der ersten Hälfte geworfen, das war überragend. Bitter war, dass Fabian Gutbrod nach zehn Minuten ausgefallen ist. In der zweiten Halbzeit machen wir es defensiv weiter stark, haben im Tempospiel aber ein bisschen was liegen lassen. Wir hatten dann eine Phase mit vielen Fehlern und Ballverlusten auf den Rückraumpositionen. Berlin hat uns auch besser verteidigt. Da hätten wir auch mal den Mut haben müssen, einen Schlagwurf aus dem Rückraum zu nehmen. Tomas Babak hat es versucht, war nicht erfolgreich, aber Ragnar Johannsson hat zwei Mal getroffen. Deshalb kann ich auch mit dieser Phase leben, weil ich in der Summe zehn bis zwölf von 60 Minuten sehe, die im Angriff nicht ideal waren – und nicht umgekehrt. Ich kann mit dem Punkt leben, aber als Sportler ist das natürlich auch einen Moment bitter.“

Jörg Föste: „Es war für uns ein Punktgewinn. Wir haben eine perfekte erste Halbzeit gespielt, Sebastian hat die Mannschaft hervorragend eingestellt. Wir haben die Angriffe breit vorgetragen. Berlin hat keinen Zugriff gefunden, vielleicht fehlte den Berlinern auch der eine oder andere Schritt. Das war in der zweiten Halbzeit anders. Uns fehlte das eine oder andere leichte Rückraum-Tor. Das haben wir nicht gemacht. Da ist es auch folgerichtig, dass eine Mannschaft wie die Füchse irgendwann mal Anschluss gewinnt. Gut gefallen hat mir Christopher Rudeck im Tor und die ganze Deckungsarbeit, die aufopferungsvoll war. Bei Berlin hat man gesehen, dass Marko Kopljar ein Faktor ist in der Deckung. Insgesamt war es ein verdientes Remis, mit dem wir sehr gut leben können.“

 

Bergischer HC – Füchse Berlin 26:26 (17:12)

Bergischer HC: Rudeck, Mrkva – Boomhouwer (9/5), Gutbrod (3), Stutzke (1), Weck, Szücs, Arnesson (1), Babak (1), Darj (1), Petrovsky (4), Baena, Nippes, Johansson (3), Gunnarsson, Fraatz (3). Trainer: Sebastian Hinze

Füchse Berlin: Heinevetter, Ziemer – Holm (2), Struck, Mandalinic, Gojun, Genty, Lindberg (6/3), Simak (2), Müller (1), Matthes (2), Kopljar (1), Koch (2), Kristopans (4), Marsenic (6). Trainer: Michael Roth

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