2. März 2020

WSV steht ein „heißer“ Monat März bevor

Der Wuppertaler SV geht in einen „heißen“ März. Sponsoren des WSV waren in die Räume von „Wupper-Küchen“ eingeladen. Sie ließen sich über die aktuelle Situation des Vereins und seine Zukunftsperspektiven unter anderem durch Rechtsanwalt Stephan Ries informieren, der zuletzt vom WSV-Vorstand um Hilfe gebeten worden war und sich bereits ab Oktober vergangenen Jahres sehr intensiv um die Belange des Vereins gekümmert hat.

Rechtsanwalt und WSV-Mitglied Stephan Ries © ‚Siegfried Jähne

 

Der Klassenerhalt soll erreicht werden. Das wird eine besondere Herausforderung, muss die Mannschaft doch gleich in mehrere kräfteraubende Nachholspiele an Wochentagen gehen. Mehr noch: Hinter Kulissen besteht noch ein besonderer Gesprächsbedarf, der indes schnell vom Tisch sollte.

Hatte sich Ex-WSV-Vorstandssprecher Alexander Eichner noch vor einer Woche im STADTZEITUNGS-Exklusiv-Interview mit unserer Stadtzeitung („Der WSV ist ein Juwel“) zu den Gründen seines Rücktrittes eher moderat geäußert, legte er jetzt nach.

Im „RevierSport“ äußerte sich Eichner über Ex-WSV-Vorstand und Mäzen Friedhelm Runge, den Ist-Zustand und die Zukunft des Vereins. Danach soll Runge die Forderung artikuliert haben, „Eichner solle bluten“ und habe damit Reputation sowie maximale finanzielle und juristische Beschädigung gemeint.

Dabei traten offenkundig persönliche Befindlichkeiten zutage, die am Freitag unter den anwesenden Sponsoren allerdings kein wesentliches Thema mehr waren.

Dazu Stephan Ries: „Das Schicksal des WSV entscheidet sich allein im Blick nach vorne, über einen künftig solide durchfinanzierten Haushalt und nicht zuletzt über zurückzugewinnendes „Vertrauen“ des Umfeldes in diese neue Solidität des Arbeitens und Wirtschaftens. Davon, wie das geht, habe ich gewisse Vorstellungen, über die ich gegenwärtig mit vielen Beteiligten spreche. Was auch immer zuletzt war – ‚retten‘ wird den WSV nur ein solcher, konzentrierter Blick nach vorne.“

 

Verein muss sich erneuern

 

Das erfordert nach Meinung von Ries für eine keineswegs leichte Übergangszeit, dass ein professionell erfahrenes „Krisenmanagement‘ eingerichtet wird, das den Verein von alten Fehlentscheidungen abnabelt und neue Perspektiven in den Blick nimmt.

Erste dahingehende Papiere und Vorschläge hat Stephan Ries wohl schon in dieser Woche intern rundversandt. Der Verein müsse sich längerfristig in wirtschaftlichen und personellen Fragen grundlegend erneuern. 

Zu der Sponsorensitzung am Freitagabend eingeladen hatten Dieter Schauf und Ralf Bartsch. Sie baten Rechtsanwalt Stephan Ries (Jahrgang 1957, verwitwet, 2 Kinder, WSV-Mitglied Nr. 800) um einen Vortrag zur aktuellen Situation.

Außerdem waren anwesend für der Rest-Vorstand, die sportliche Leitung in Person von Thomas Richter, Trainer Pascal Bieler sowie Marketing Mitarbeiter Daniel Grebe. Letztere berichteten der Versammlung ebenfalls aus ihren jeweiligen Bereichen.

Stephan Ries, der bereits in der schwierigen Zeit des Jahres 2013 beim WSV involviert war und die damals unvermeidliche Insolvenz mit vorbereitete, wurde nun auch im Verlauf des Jahres 2019 von zahlreichen Beteiligten, nicht zuletzt von Seiten des Vorstandes, erneut um Hilfe gebeten.

Rechtsanwalt Stephan Ries (r.) beim Sponsorentreff des WSV im Gespräch mit WSV Förderkreismitglied Eckhard Osberghaus.

Dazu liegen inzwischen erste Lösungsvorschläge auf dem Tisch. Ries erläuterte anhand der ausgewerteten Vorjahreskennzahlen, dass der Verein neben seinen regulären Einnahmen aus Ticketverkäufen, Merchandising etc. für die Spielzeit 2020/21 weitere rd. 700 T € an Sponsorengeldern und Spenden benötige.

Nach bisherigen Vorgesprächen mit drei größeren Geldgebern gehe es jetzt vorrangig darum, die zur Erreichung des 700 T €-Zieles noch fehlenden mind. 250 T€ zusammen zu bekommen. Das funktioniere aber nur, wenn der Verein weitgehend altschuldenfrei sei.

Von den bisher bekannten Sponsoren und denen, die gegenwärtig angesprochen werden, wolle und werde mit Gewissheit niemand mehr für Altschulden mit eintreten. Da es kein anderes Aktivvermögen gebe, seien also alle Ansprüche von Altgläubigern – so Stephan Ries, der auch auf den Inhalt des damaligen Insolvenzplanes von 2014 hinwies (damalige Quote: 0,9 %) – de facto ‚wertlos‘. 

 

Mein Team und ich können ‚Krise’

 

Das gelte erst recht für den Fall einer bei Uneinsichtigkeit der Beteiligten durchzuführenden Insolvenz – nach den dann Platz greifenden strengen Gesetzen könne der Insolvenzverwalter ohnehin alles zu seiner Masse wieder zurückfordern, was jetzt noch auf alte Dinge gezahlt werde.

Aktuell in gerichtliche Auseinandersetzungen zu gehen, verbrenne deshalb bestenfalls unnötig gutes Geld. Jeder, der „vernünftig“ sei, werde dies verstehen und sich einem Forderungsverzicht sicher nicht verschließen. Dazu sind entsprechende Erklärungen schon vorbereitet und mit einigen Gläubigern positiv vorbesprochen.

Stephan Ries weiter: „Mein Team und ich können ‚Krise‘, und wir werden natürlich Gelder neuer Spender und Sponsoren auf deren Wunsch so sauber und insolvenzsicher separieren, dass deren Zweckerreichung stets voll gewährleistet bleibt, egal was auch immer schlimmstenfalls passiert. Ich denke, wir sollten das Sponsorenthema schwerpunktmäßig lokal und regional gut lösen – ein reicher Scheich aus Asien, den wir nicht kennen, oder ein Sponsor aus Marokko, der nicht einmal bisherige Zahlungstermine einhielt, werden uns in dieser Lage nicht helfen.“

Ries deutete an, dass er die Lage in Teilbereichen kritischer bewerte als es Alexander Eichner zuletzt kundtat. Ries schlug deshalb vor, die zunächst für den 28. März geplante Jahreshauptversammlung um einen Monat zu verschieben.

Der Anwalt: „Wir brauchen momentan alle Kraft und Ruhe, um die Lage zu stabilisieren, in der Akquise neuer Sponsoren möglichst erfolgreich zu sein und dann auch einer Mitgliederversammlung wirklich positiv berichten bzw. Rechenschaft geben zu können. Jegliche Irritation und öffentlich wahrnehmbare Auseinandersetzung kann in der derzeitig schwierigen Lage enormen Schaden anrichten.“

 

Bei Bedarf als „Not-Vorstand“

 

Er selbst strebe, zumal beruflich wegen anderer Mandate sehr stark belastet, beim WSV kein Funktionsamt an, erklärte sich jedoch bereit, im Bedarfsfall sogar für kurze Zeit als „Not-Vorstand“ zu agieren – in einem sanierungserfahrenen bzw. gut aufgestellten Team. Auch dazu gebe es bereits Vorschläge.

Es gehe nun in allererster Linie darum, verloren gegangenes „Vertrauen“ für den Verein zurückzugewinnen und in Abstimmung mit wichtigen Beteiligten aus der Mitgliedschaft, aus dem Verein und nicht zuletzt natürlich aus dem Kreis der Sponsoren die wirtschaftlichen und personellen Themen in Ruhe neu aufzustellen.

Da er viele Beteiligte persönlich kenne, wisse er um die Probleme und die Gefahr des Scheiterns – aber in diesem „Netzwerk“ liege auch eine Chance, und den Versuch sei es allemal wert. 

Er habe als Jugendlicher die guten und großen Zeiten des WSV hautnah miterleben dürfen – dann dürfe man umgekehrt nicht kneifen, wenn es schwierig wird. Er hoffe, dass auch viele bekanntere Unternehmen in unserer Region mit einer ähnlichen Einstellung auf die Dinge schauen.

Diese Ausführungen sowie sein Hinweis, dies alles ohne Honorar zu machen, fanden den lebhaften Beifall der Anwesenden. Wie sehr es jetzt darauf ankomme, den drohenden Abstieg zu vermeiden und durch geschlossenes Auftreten sowie ein glaubwürdiges Konzept nach innen und außen wieder Vertrauen zu gewinnen, betonten auch Sportdirektor Richter und Trainer Bieler.

„Wir möchten wieder positive Schlagzeilen machen, dabei offen, demütig und ehrlich auftreten, wie es meinen Werten entspricht“, versicherte WSV- Mittelfeldspieler Daniel Grebe (33) eindrucksvoll.

In seiner Doppelfunktion als Spieler und Funktionär berichtete er auch von dem aktuellen WSV-Engagement, für das Kinder- und Jugendhospiz Burgholz auf dem Trikotärmel kostenlos zu werben.

Text: Siegfried Jähne

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