16. Januar 2020

Paul Mehling sprang 1959 Schanzenrekord für die Ewigkeit

Paul Mehling, der sympathische "Überflieger" aus dem Tal. Am 17. Januar vor 61 Jahren stellte er als Skispringer mit 33 Metern den Schanzen-Rekord auf Wuppertals einziger Sprungschanze im Gelpetal auf. Der WDR war sogar live mit TV-Kameras dabei.


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Paul Mehling deutet auf die Stelle, an die Schanze stand. Rechts die Gedenktafel – © Foto; Monika Asmus

 

Paul Mehling (92) liebte schon als kleiner Junge den Schnee. Als Kind war er früh aktiv im 1929 gegründeten Ski-Club Cronenberg. Die Mitgliedern erwärmten sich schon bald für den Vorschlag, eine Sprungschanze quasi direkt vor der Haustür zu bauen. 

Paul Mehling erinnert sich genau an diese aufregende Zeit. Fast zwei Jahre lang bauten unermüdliche Hände zum Teil aus Strommasten eine Schanze, die zu einer kleinen Sensation in der Welt des Skizirkus wurde. Denn, wenn auch vergleichsweise klein, war sie immerhin die einzige Schanze, die es überhaupt in einer deutschen Großstadt gab.

Ernst Jöcker, Gastwirt eines Restaurants im Gelpetal und Besitzer des Geländes, hatte sich 1932 bereit erklärt, den Nord-Osthang kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Schmunzelnd sitzt Paul Mehling auf „seiner“ Bank, die an der Stelle platziert wurde, wo früher die Schanze stand. 

Eine Parkbank als Geschenk

Zum 80. Geburtstag hatte er sie von Freunden als Erinnerung an seine glorreichen Zeiten als Skispringer geschenkt bekommen. Ein kleines Messingschild beurkundet die Schenkung. „Die Bank ist aus Mammutholz“, betont er stolz. Und dann schwelgt er in Erinnerungen: „Ja, dort oben war der Schanzentisch“ und zeigt hinter sich. „Der Anlauf war sehr steil. Und wer im Auslauf nicht aufpasste, landete im Gelper Bach.“ 

1933 wurde die Schanze eingeweiht und schon als 10jähriger Junge wagte Paul Mehling selbst seinen ersten Sprung. Auf der kleinen Schanze, die vor dem Krieg gebaut wurde, sprang er immerhin 18 Meter weit,

Paul Mehling lacht: „Aus Brettern von Butter- und Heringsfässern haben wir unsere Skier angefertigt. Meine Mutter war eine Blumenhändlerin. Als wir die Bretter der Heringsfässer über den Ofen hielten, um sie zu formen, stank nicht nur die Küche, sondern auch der ganze Laden!“ 

Im 2. Weltkrieg jedoch wurde die Schanze abgebaut und im wahrsten Sinne des Wortes verheizt. Paul Mehling: „Die Winter waren sehr kalt und die Menschen brauchten dringend Brennholz und dieses holten sie sich von der Schanze.“

Doch dem passionierten Wintersportler ließ das Projekt „Sprungschanze“ keine Ruhe. Nach Kriegsende motivierte Paul Mehling erneut viele fleißige Helfer, um die Schanze wieder aufzubauen – diesmal sogar noch größer. 

1948 konnte die Einweihung gefeiert werden. Und jetzt wurde die Schanze endgültig geschichtsträchtig. Die Ausbauarbeiten hatten das Ziel, einen bestimmten Radius zu erreichen, damit sie letztlich auch die Zulassung des Deutschen Skiverbandes (DSV) für offizielle Sprungwettbewerbe erhielt. 

Der WDR übertrug live

Mit Werbeträgern auf dem Rücken und Skiern unter den Sohlen hängten sich die wintersportvernarrten Cronenberger hinter Autos und machten so als Litfaßsäulen auf zwei Beinen Werbung für das nächste Sprung-Event auf der Zillertaler Schanze. „Da kamen schnell mal 500 bis 1.000 Zuschauer zusammen und sorgten für eine tolle Stimmung“, schwärmt Paul Mehling.

Doch einen Sprung wird er nie im Leben vergessen – mit diesem hat Paul Mehling Wuppertaler Sportgeschichte geschrieben. Die Springer kamen in den 50er Jahren auf Weiten von  gerade einmal 25 Metern.1954 landete ein Springer bei der 29-Meter-Marke.

Paul Mehling bei seinem legendären Sprung auf der Schanze im Gelpetal. Links eine WDR-Kamera – © Kalenderblatt CHBV

 

Und dann kam der 17. Januar 1959. Mehrere Tausend Zuschauer verfolgten vor laufenden Kameras des WDR den Jahrhundert-Sprung von Paul Mehling: 33 Meter weit! Das war ein Schanzenrekord für die Ewigkeit. Der überglückliche Wintersportler feierte seinen Super-Flug anschliessend beim „Skihasen-Ball“ im „Haus Zillertal“.

In den kommenden Jahren ging es mit Schanze im Gelpetal immer mehr bergab. Der Betrieb musste schließlich aufgrund des hohen Aufwandes und der fehlenden Wirtschaftlichkeit komplett eingestellt werden. 1970 verschwand die einzige Großstadt-Sprungschanze Deutschlands endgültig von der Bildfläche.

Ältester Skilehrer der Welt

Paul Mehling blieb dem Wintersport aber erhalten. Von 1955 an war er 43 Jahre lang Vorsitzender des Ski-Clubs Cronenberg und wurde schließlich 1997 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Noch mit 89 Jahren war Paul Mehling noch regelmässig auf den Schnee-Pisten unterwegs. Er leitete Jugendgruppen bei Skifreizeiten des Deutschen Ski-Verbands (DSV). Mit knapp 90 Lenzen konnte sich der Wuppertaler Naturbursche ältester Skilehrer der Welt nennen. Noch ein Rekord!

Für sein großes, ehrenamtliches  Engagement in diversen Sportverbänden wurde Paul Mehling gleich zweimal mit dem Bundesverdienstkreuz dekoriert. 

Die Ski-Bretter hat er für immer in die Ecke gestellt. Doch seine Leidenschaft für den Wintersport ist geblieben. Wenn seine „Sportkameraden“ wie jetzt Karl Geiger, Dritter bei der Vierschanzentournee 2019/20, vom Schanzentisch abheben, dann sitzt Paul Mehling vor dem Fernseher und drückt kräftig die Daumen…

Text: Martina Schulz/pp


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