5. Januar 2020

WSV 2020: Ein Weg ins Ungewisse – neue Gesichter

Wohin führt der Weg des Wuppertaler SV? Auch wenn der Verein zuletzt in Aachen nach 14 sieglosen Spielen mit einen 2:1-Erfolg aufwartete, bleiben die großen Zukunftsfragen unbeantwortet. Im Kader gab es vor dem Rückrundenstart einige Veränderungen.


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Vorstandssprecher Alexander Eichner steht nach seinem Comeback im WSV-Vorstand vor einer sehr schwierigen Aufgabe – Foto: Dirk Sengotta

Weniger der sportliche, als der finanzielle Abstieg ist in einer „tristen“ Regionalliga zu befürchten; einer Spielklasse, in der vielen Vereinen die Zuschauer fehlen und die von der Pleite bedroht ist. Bei einem Zuschauerschnitt von zuletzt nur noch 2.257

Ist man beim WSV zum Überleben auf erhebliche Fremdfinanzierung angewiesen, um den Etat von rund 1 Mio. €, etwa die Hälfte für den Bereich der ersten Mannschaft (incl. Verwaltung, Ordnungsdienst etc), die andere Hälfte für den Rest und die hochklassigen Jugendmannschaften, einem Herzstück des Vereins. Es dürfte ein „Ritt auf der Rasierklinge bleiben.

Das Fußballjahr 2019 war alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Ja, für die rotblauen Fans wurde es einmal mehr zu einer Zerreißprobe. Rückblick: Das Konzept „WSV 2020“ peilte das hoch ambitionierte Ziel „Dritte Liga“ an.

 

Schmerzhafte Notoperation

 

Man wolle wieder in die „Sportschau“, hieß es vor nicht einmal drei Jahren aus der damalige Vorstandsetage von Lothar Stücker, Manuel Bölster und Verwaltungsrat Thomas Lenz optimistisch und vollmundig. Als dann der Zuschauerzuspruch weit hinter den Erwartungen blieb und eine finanzielle Schieflage mit rund 1 Millionen Schulden Anfang dieses Jahres offenkundig wurde, kam es zur Notoperation.

Das Sofortprogramm sah Sparmaßnahmen, Spielerverkäufe und die sofortige Freigabe aller Spieler vor. Eine denkbare Insolvenz wurde vermieden. Ein folgenschwerer Fehler? Wollte oder konnte man gutmeinende Gläubiger nicht verprellen? 

Kritiker rechnen vor, dass für den Verein mit einer anderen Strategie Klassenerhalt und Schuldenfreiheit denkbar gewesen wäre, wenn man die Mannschaft nicht zu sehr geschwächt hätte, wenn man  z.B. Torjäger Christoph Kramer nicht verkauft, sondern gehalten hätte. Tatsächlich war die sportliche Bilanz immerhin noch so gut, dass mit einem sportlichen Abstieg aus der Regionalliga in der Saison 2018/19 auch mit einem geschwächten Team kaum noch zu rechnen gewesen wäre.

Eine Insolvenz hätte den WSV damals mit einem Schlag schuldenfrei gemacht und damit unter Umständen auch einen sportlich erfolgreichen Neuanfang ermöglicht. Man muss wissen, dass im Falle der Insolvenz ein automatischer, 2018/19 aber vermutlich verkraftbarer Neun-Punkte Abzug die Folge gewesen wäre.

 

Eine komplette Mannschaft verloren

 

Es kam anders: Nahezu das gesamte Management schmiss die Brocken hin, der Verein war damit am 26. Februar 2019 führungslos und geriet in eine schwere, existenzbedrohende Krise. Nicht wenige sprachen indes von „Fahnenflucht“.

Gut gemeint, aber nicht gut gemacht lauteten die Kommentare. Schlimmer noch: „Einige in der Führungs-Etage hatten wohl doch in erster Linie immer nur sich selbst, statt den Verein gesehen“. Lothar Stücker konnte nicht unbedingt gemeint sein, hatte er doch bis zu diesem Zeitpunkt hohe persönliche Bürgschaften übernommen.

Zwischen Hoffnung und Verzweiflung: WSV-Sportdirektor Karsten Hutwelker (2.v.r.) – Foto: Jochen Classen

In der Stunde der Not trat mit Alexander Eichner, von 2013 bis Oktober 2016 schon einmal Vorstandssprecher, auf den Plan. Der in Berlin und Wuppertal ansässige Unternehmer (Geschäftsmodell: Sanierung, Unternehmensabwicklung) hatte sich in der damaligen Ausrichtung des Vereins nicht wiedergefunden.

Zur Rettung des Vereins wurden jetzt aus unterschiedlichen Fangruppierungen ganz neue Allianzen geschmiedet. Hier verdient neben Ex-Präsident Friedhelm Runge vor allem Hoffnungsträger Uwe Heyn Erwähnung, ein 58 Jahre alter WSV-Trikotsponsor und Unternehmer (Fobeal), der seit Jahren als einer der größten und engagiertesten WSV-Fans galt.

 

Das kurze Gastspiel des Uwe Heyn

 

Doch Uwe Heyn legte sein neues Verwaltungsratsamt schon bald wieder nieder. Ähnliches hatte er bereits 2015 vollzogen, als er ein Vorstandsamt beim WSV schon nach sieben Tagen wieder beendete. Aus dem näheren Umfeld des Klubs hieß es damals, dass Eichner und Heyn nicht auf einer Wellenlänge gefunkt haben sollen.

Heyn ist inzwischen Sponsor beim Bezirksligisten FSV Vohwinkel, wo im übrigen inzwischen die Ex-WSVer Sven Steup als Sportkoordinator und Maria Nitzsche als Marketingleiterin wirken.

Heyn wird zu seinem Wechsel zitiert: „…Ich unterstütze gerne den Sport und habe das gerne jahrelang für den WSV gemacht, aber momentan sehe ich keine Möglichkeit, dort etwas zu bewirken und habe kein Vertrauen zu den handelnden Personen.“

Eine der vielen Ungereimtheiten beim WSV, der sich eigenen Bekunden zu Folge trotz einer 100.000-Euro Spende von Monat zu Monat hangelte, mit der drohender Insolvenz als ständigem Begleiter. 

Der WSV bekam unterdessen ein anderes Gesicht. Mit Steuerberaterin Melanie Drees wurde neue Kompetenz in Sachen Finanzen in den Vorstand geholt, in Karsten Hutwelker (48) der neue Sportdirektor gefunden.

 

Von Trainer zu Trainer 

 

Für Trainer Adrian Alipour übernahm zunächst als Interimslösung Jugendtrainer Pascal Bieler mit dem Saisonhöhepunkt Pokalfinale gegen Uerdingen (1:2) vor 10.000 Besuchern am Zoo, ehe am 1. Juli Fußball-Lehrer Andreas Zimmermann (49) bis zu seiner überraschenden Entlassung am 1. Oktober nicht ganz erfolglos wirkte.

Seine gelungene Mischung aus routinierten und jungen Nachwuchsspielern war beim Publikum sehr gut angekommen und hatte ein sympathisches Image geschaffen. Immerhin war der Mann, den man vor nicht einmal vier Monaten mit dem Ziel Klassenerhalt verpflichtet hatte, mit seiner Mannschaft als Zwölfte noch drei Plätze von den Abstiegsrängen entfernt.

Ein langjähriger Beobachter und Fan bitter: „Das ist die Art, wie man sich beim WSV auch noch die letzten Sympathien verscherzt!“ Eine erneute Ungereimtheit rund um den Verein WSV…

WSV-Trainer Alexander Voigt hofft nach dem Sieg in Aachen auf eine Trendwende – Foto: Jochen Classen

 

Als Trainer folgte im Oktober der 41jährige arbeitslose Andreas Voigt, ein ehemaliger Kölner Bundesligaprofi, der davor die SSVg Velbert in der Oberliga trainiert hatte und – weil dort nur freigestellt- in Wuppertal dem Vernehmen ehrenamtlich arbeitet.

Ein greifbarer Erfolg wollte sich indessen mit ihm zunächst nicht einstellen. Der erste Sieg nach 14 Spielen jetzt gegen Aachen muss daher wie ein Befreiungsschlag wirken. Allerdings wieder Pech für den WSV: Der erhoffte neue Rückenwind aus dem Aachen Spiel blieb aus, weil das Heimspiel gegen Haltern den Platzverhältnissen zum Opfer fiel.

Ohne eine für eine Vereinsfamilie so wichtige Weihnachtsfeier und ohne ein erhofftes Trainingslager geht der WSV ins neue Jahr 2020 – immerhin auf Rang 14 der Fußball-Regionalliga West, einem „Nichtabstiegsplatz“…

Text: Siegfried Jähne

 

Veränderungen im Kader:

Vier Spieler haben den Regionalligisten Wuppertaler SV vor dem Rückrundenstart verlassen, drei neue sind dazugestoßen.

Abgänge:

Torhüter Edin Pepic löste aus persönlichen Gründen seinen Vertrag auf. Und auch Ufumwen Osawe (12 Regionalliga-Einsätze), Yusa Alabas (16 RN-Spiele) und Danny Kierath haben den Verein verlassen. Kierath, der einer langwierigen Verletzung geplagt wurde, kehrte in seine Heimat USA zurück.

Zugänge:

Torhüter Florian Kraft (21) kam von der SG Wattenscheid 09, ebenso wie der Linksverteidiger Tolga Cokkosan (24). Offensivspieler Ali Ceylan (21), der zuletzt für Fortuna Köln auflief, wechselte vom Rhein an die Wupper.

 

 


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