28. Dezember 2019

Bergischer HC: Eine Saat geht auf

Viele, aber nicht alle Blütenträume sind bei den bergischen Handballern aufgegangen. Nach einem sensationellen siebten Platz war der vorjährige Bundesliga-Aufsteiger in diesem Sommer nur mit dem Ziel gestartet, den Klassenerhalt frühzeitig zu sichern.

 

Die beiden BHC-Geschäftsführer: (v.l.) Philipp Tychy (Marketing) und Jörg Föste (Sport) – © Foto: Frank Sonnenberg

 

Jörg Föste, BHC-Geschäftsführer Sport, gibt die Marschroute vor: „Sportlich steht über allem die Weiterentwicklung von Spiel-Philosophie und Spielidee.“ Ziel der „Löwen“ sei auch, so sein wichtiger Nebensatz, „die Weiterentwicklung auf allen Ebenen abseits des Spielfeldes.“

Nach dem Abstieg des Traditionsvereins VfL Gummersbach in Liga zwei sind die „Löwen“ der alleinige bergische Vertreter in der von vielen „stärksten Liga der Welt“ genannten deutschen Handball-Bundesliga. Kurz vor Jahresende belegt das Team von Trainer Sebastian Hinze zur Halbzeit nach 17 von 34 Spieltagen Rang zehn in dem Achtzehner-Feld.

Auch wenn die Mannschaften zuletzt dreimal hintereinander ohne Erfolgserlebnis war, zeigte sie spätestens am 15. Dezember beim Heimspiel gegen die starken Magdeburger (23:24-Niederlage), welche Substanz in ihr steckt. Allein die aktuelle, richtungsweisende Vertragsverlängerung mit den schwedischen Super-Stars Max Sebastian Darj (bis 2022) und Torjäger Linus Arnesson (bis 2023) dürfte Garant für weitere sportliche Erfolge sein.

In den Brennpunkt des Geschehens um die bergischen Handballer rückt zum Jahresausklang die Landeshauptstadt Düsseldorf, wo die Spitzenspiele gegen Magdeburg und  Rhein-Neckar Löwen angesetzt wurden.  Gerade das „Heimspiel“ gegen Magdeburg vor mehr als 5.000 Zuschauern im Düsseldorfer ISS Dome hatte symbolischen Charakter. War es doch nach einigen Testläufen im Vorfeld das erste BHC-Spiel dieser Saison in der Sportstadt Düsseldorf.

Zu Jahresbeginn ist der BHC eine Kooperation mit dem ISS Dome bis Sommer 2022 eingegangen, nach der die Löwen je nach Spielplankonstellation und Terminverfügbarkeit vier bis sechs Pflichtspiele pro Saison in Düsseldorf austragen, dem Schauplatz, an dem die Eishockey-Bundesligamannschaft Düsseldorfer EG zu Hause ist. Die Reaktionen in den sozialen Medien bewegten sich zwischen den Extremen von bedingungsloser Ablehnung, bis zur verständnisvollen Zustimmung ob der wirtschaftlichen Erfordernisse.

Traum von eigener Arena

Viele BHC-Fans befürchten den Identitätsverlust des bergischen Handball-Bundesligisten, der mit Wuppertal und Solingen ohnehin schon zwei „Heimatstädte“ habe. BHC-Chef Jörg Föste verwies indes darauf, dass man damit neue Chancen ergriffen habe, ohne damit die Bodenständigkeit zum Bergischen Land zu verlieren. Man sieht das Ausweichen nach Düsseldorf als Übergangslösung und gewinne Zeit, bis eine entsprechende Spielstätte vor Ort geschaffen sei.

 

Der BHC-Kader für die laufende Saison 2019/20 – © Foto: BHC 06

Ein Blick auf die Zahlen belegt die wirtschaftliche Zwänge und damit die Bedeutung für einen solchen gelegentlichen Ausflug. Der Zuschauerschnitt beim BHC lag zuletzt bei enttäuschenden 2.493, eine Zahl mit der man im Liga-Ranking nur auf dem viertletzten Platz landete, während alle fünf Spitzenmannschaft im Schnitt auf 6.000 Besucher und mehr kommen.

Spitzenreiter THW Kiel kann sogar  zuhause regelmässig auf die Unterstützung von über 10.0000 Fans bauen. Die Hallenkapazität in Düsseldorf liegt bei 12.500 Zuschauern. Zum Vergleich die beiden anderen BHC-Spielstätten: Die Solinger Klingenhalle fasst 2.700 Zuschauer, die Wuppertaler Unihalle immerhin 3.200. Sie können da allenfalls noch in Sachen Stimmung punkten.

Für die Gesamtbilanz wäre schon sehr viel erreicht, wenn es bei den Top-Spielen im Düsseldorf ISS Dome gelänge, den unteren Bereich inklusive Business- und Logenkapazitäten auszuverkaufen, was dann 7.400 Zuschauer brächte. 

Kleiner Etat – große Leistung

Dem Etat würde das sicher guttun. In der laufenden Spielzeit (rund 160 Partner zählt inzwischen der Sponsoren-Pool) kalkuliert Philipp Tychy, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb, mit 3,6 Millionen €. Das klingt viel, ist aber im Vergleich zu den Mitbewerbern eher eine bescheidene Größe.

Der THW Kiel hatte bereits 2015/16 ein Budget von 9,5 Mio. €, fünf weiter Clubs lagen damals schon bei über 5 Mio. €. Da ist es schon erstaunlich, was die Bergischen mit ihren deutlich geringeren finanziellen Möglichkeiten alles stemmen. So konnte der Kern des Teams gehalten und ständig verbessert werden.

 

Leistet tolle Arbeit: BHC-Cheftrainer Sebastian Hinze – © Foto: BHC 06

 

Angesichts dieser Entwicklung bekommt die Frage Gewicht, warum es im bergischen Raum nicht gelang, dem Top-Club bei der Suche nach einer neuen Halle stärker zu unterstützen. Zwar waren zuletzt in Wuppertal der Post-Bau am Kleeblatt und ein leerstehender, früherer Baumarkt im Wicküler-Park Gesprächsthemen, von einer Lösung ist man indes noch sehr weit entfernt.

Die Fraktion der Freien Demokraten (FDP) sieht mit großer Sorge, dass der in Wuppertal einzig verblieben Sportverein mit bundesweiter Strahlkraft, der BHC, sich in Richtung Düsseldorf orientieren könnte.

Alexander Schmidt, der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Wuppertaler Stadtrat, wird an dieser Stelle geradezu bissig. Er erklärte Anfang des Jahres: “Andere Städte akquirieren mit eigenen Sportbeauftragten äußerst erfolgreich, rollen rote Teppiche aus, hofieren geradezu Sportvereine und begreifen Spitzensport als das, was er ist, ein wichtiger Standortfaktor, während Wuppertal auch in diesem Bereich den Schlaf der Gerechten schläft.“

Solingen ist da schon ein Stück weiter. Rund sieben Millionen Euro investiert der Solinger Unternehmer Michael Kölker in eine bald fertige Trainingshalle an der Kanalstraße neben der Gesamtschule Höhscheid, um der permanenten  Bettelei um Trainingszeiten in städtischen Turnhallen ein Ende zu bereiten.

Eine Handball-Legende blickt zurück

Michael Kölker ist einer der größten Sportförderer der Klingenstadt, der sich und sein Geld an vielen Stellen einbringt. Die Handballer des Bergischen HC (BHC) liegen ihm ebenso am Herzen, wie die Schachspieler der SG Solingen. 

„Die Saat ist aufgegangen“, meint Karl-Heinz „Kalla“ Scheer (74), der an die BHC-Historie erinnert. Er selbst gilt als Urgestein und einer der Motoren des Wuppertaler Handballs. Der Wuppertaler Unternehmer Bernd Bigge (HAKO Automotive) und Stefan Adam (heute Geschäftsführer bei der Düsseldorfer EG) sind die Gründerväter des BHC, der 2006 aus den beiden klassenhöchsten und populärsten Bergischen Teams, SG Solingen und dem LTV Wuppertal, entstand.

„Wir haben im Jahr 2006 alles richtig  gemacht. Der BHC ist für unsere Stadt ein Aushängeschild und hat viel mehr Dankbarkeit seitens der Handballfreunde und Unterstützung seitens der Stadt verdient“, sagt „Kalla“ Scheer.

Gelegenheit für eine Bestätigung hätten die Fans aktuell hierzu noch zweimal in diesem Jahr , wenn man nämlich am 2. Weihnachtstag (26.12.) das Spitzenteam der Rhein-Neckar Löwen im Düsseldorfer ISS Dome und am 29. Dezember das Schlusslicht HSG Nordhorn-Lingen in der Unihalle zu Gast hat.    

Text: Siegfried Jähne 

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