23. November 2019

Erdbeeren mit Baldrian als Gaumenfreude

In ihrer Reihe "Gutes Essen - guten Appetit" stellt die passionierte Hobbyköchin Dr. Susanne Bellenbaum die interessantesten, neuen Kochbücher vor. Diesmal "Das große Gemüsekochbuch" der Sterneköche Andree Köthe und Yves Ollech.

Foto: Tretorri VerlagFoto: Tretorri Verlag

 

Sterneküche und kochkünstlerische Kreativität – mit diesen beiden Schlagworten würde ich „Das große Gemüsekochbuch – Rezepte aus dem Essigbrätlein“ von Andree Köthe und Yves Ollech überschreiben. In Zeiten der Nachhaltigkeit ist die Gemüseküche mehr als „en Vogue“.

Seit 20 Jahren experimentieren die beiden Köche in ihrem Nürnberger Restaurant „Essigbrätlein“ mit Gemüse, zwei Michelin-Sterne leuchten dort vom Gourmethimmel.

„Das große Gemüsekochbuch“ ist ein sehr hochwertiges, aufwendig gestaltetes Kochbuch mit einem Cover in eienm frischen Apfelgrün, verziert mit Fotos von bekannten und weniger bekannten Gemüsesorten – erschienen im Tretorri Verlag.

Die Rezepte sind alphabetisch angeordnet – hilfreich ergänzt mit der genauen Erklärung des Gemüses. Hier erfährt der Leser alles über die Herkunft, Geschichte, Anzucht und einen Beschreibung des natürlichen Geschmacks der kleinen Köstlichkeiten.

„Das große Gemüsekochbuch“ macht nicht nur Appetit, es vermittelt auch Insider-Wissen und Geschichtliches. Oder wussten Sie, warum in einigen Regionen Deutschlands immer donnerstags Erbsensuppe gegessen wird? Das geht auf einen uralten Brauch zurück.

Die mit Futtererbsen und Weizenstroh verkleidete Gestalt des „Erbsenbären“ versprach schon bei den Kelten Glück und Fruchtbarkeit. Bei den Germanen verkörperte der „Erbsenbär“ auch den Gewittergott Thor alias Donar. Hat es jetzt bei Ihnen geklingelt?

Und auch am Hofe Ludwigs XIV. im 17. Jahrhundert galt die kleine, grüne, runde Hülsenfrucht als Gaumenfreude und Delikatesse.

Beim Durchblättern des Kochbuches musste ich immer wieder feststellen, dass ich selbst als ambitionierte Hobbyköchin doch erhebliche Wissenslücken in der Gemüseküche habe.

So wusste ich gar nicht, dass man Baldrian als Gemüse in der Küche verwenden kann. Für mich war Baldrian Synonym für Medizin. Doch wenn ich herausfinde, auf welchem Markt Baldrian als frisches Gemüse angeboten wird, dann traue ich mich garantiert an das Dessert-Rezept „Erdbeeren mit Baldrian und Ziegenkäse“ heran.

Auf dem Foto im „Großen Gemüsekochbuch“ sieht die außergewöhnliche Nachspeise jedenfalls sehr kreativ und optisch mehr als ansprechend aus.

Auch Amaranth, Drüsling, Eberesche und Eisbegonie waren bisher in meiner Küche noch nicht vorhanden.

Insgesamt erhält man ein aufwendiges und liebevoll gestaltetes Kochbuch mit phänomenalen Bildern und tollen Anregungen zum Kochen und Experimentieren mit bekannten und weniger bekannten Gemüsesorten. Gesund sind die Gerichte allemal.

Vor dem ersten Kochen sollte man aber erst einmal einige Einkaufsstudien betreiben. Wo bekomme ich die nicht alltäglichen Gemüsesorten eigentlich her?

Aber ist diese Hürde erst einmal genommen, kann man mit Spaß sein ganz spezielles Dreigängemenü angehen.

Mein Einsteiger-Menü steht jedenfalls: Als Vorspeise werde ich Sauerampfer mit Seeforelle zubereiten, als Hauptgang Rotkohl mit Mohn und als Dessert natürlich meinen Baldrian-Leckerbissen: Erdbeeren mit Baldrian und Ziegenkäse.

Viel Spass beim Nachkochen.

Ihre Dr. Susanne Bellenbaum

 

Das große Gemüsekochbuch
Rezepte aus dem Essigbrätlein
336 Seiten – zahlreiche Farbfotos – 28,0 x 29,0 cm |
Hardcover – € 69,90
ISBN 978-3-96033-064-6
www.tretorri.de

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