13. Februar 2017

Integration auf Augenhöhe

Foto: Benedikt Bergenthal

Seit anderthalb Jahren sind Lana Horsthemke und Tom mit einer nigerianischen Familie aus Wuppertal befreundet. Aus anfänglicher Hilfe bei behördlichen Dingen oder Sprachbarrieren entwickelte sich schnell eine enge Freundschaft. „Mittlerweile sind wir für die Kinder Tante Lana und Onkel Tom“, erklärt die Studentin Lana.

Aus unserer Februar-Printausgabe. Genau diese Bindung wollten die beiden Wuppertaler auch anderen Bürgern und Geflüchteten nahebringen – und gründeten den Verein „Hand in Hand – Kontaktpersonen für Geflüchtete e.V.“.Im Sommer 2015 begannen sie mit der Planung ihres Projekts. Anderthalb Jahre später konnten Lana und Tom nun endlich starten. „Wir mussten das Projekt ausarbeiten, Spenden sammeln, einen Verein gründen – da steckt ganz schön viel Aufwand hinter“, erklärt Lana. Aus einem Termin bei Wuppertals Sozialdezernenten Dr. Stefan Kühn entstand die Kooperation mit der Stadt, beziehungsweise mit dem Ressort für Integration und Zuwanderung. „Die enge Kooperation mit der Stadt macht unser Projekt besonders“, erklärt Tom.

In Wuppertal leben zurzeit 8.500 Flüchtlinge, viele davon bereits in Privatwohnungen. Für sie ist je nach Stadtbezirk ein Sozialarbeiter zuständig. Wenn dieser das Gefühl hat, sein Klient könnte eine zusätzliche Anbindung oder Unterstützung gebrauchen, kann er den Kontakt zu Lana und Tom und dem Verein „Hand in Hand – Kontaktpersonen für Geflüchtete e.V.“ vorschlagen. Viele Geflüchtete melden sich auch selbständig bei „Hand in Hand“. „Wir führen dann, manchmal gemeinsam mit den Sozialarbeitern, ein Matching-Gespräch durch, bei dem sich Kontaktperson und Geflüchteter kennen lernen und Erwartungen besprochen werden“, sagt Lana. Dem Verein ist es wichtig, dass die Tandems auch charakterlich zueinander passen. „Wir wollen einfach Komplikationen entgegenwirken, deshalb führen wir mit allen interessierten Kontaktpersonen und Geflüchteten ein persönliches Gespräch, fragen nach Erwartungen und Interessen.“ Der Kontakt zwischen einem Geflüchteten und seinem Tandempartner muss dabei nicht Behördengänge umfassen, sondern kann auch in gemeinsamen Ausflügen oder Gesprächsrunden bestehen. „Jeder kann sich in seinem persönlichen Rahmen einbringen.“

Mittlerweile hat das Team von Lana und Tom weitere Mitstreiter gefunden. Seit einigen Wochen sind auch Leah und Fabian mit an Bord – „Und das ist auch gut so, denn mittlerweile melden sich fast täglich Interessierte Wuppertaler und Geflüchtete bei uns“, sagt Lana. Alle vier Mitglieder befinden sich noch im Studium oder in der Ausbildung und engagieren sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Doch woher kommt diese Motivation, so viel von ihrer Freizeit in dieses Projekt zu investieren? „Wir haben einfach gesehen, wie man mit wenig Aufwand viel bewirken kann“, sagt Lana. Auch im privaten Umfeld wurde sie immer wieder auf den engen Kontakt zu ihren nigerianischen Freunden angesprochen – „Und genau diese Art von Kontakt wollten wir weitergeben“, sagt sie. Zu Beginn haben sich Lana und Tom alle Informationen zu Behörden und Bestimmungen mühsam selbst zusammengesucht. Für ihren Verein und dessen Kontaktpersonen wollen sie diese Infos nun bündeln, und dabei stets als Amsprechpartner bei Fragen parat stehen.
„Heute werden wir auch den Mietvertrag für einen eigenen Raum unterschreiben“, wirft Lana ein. Finanziert wird die Räumlichkeit durch das Förderprogramm „Komm an“ des Landes NRW. Zukünftig wird der Verein in der Neuen Friedrichstraße 2 zu finden sein. „Hoffentlich können wir ab Mitte Februar dort unsere Türen öffnen“, sagt Lana. Die vier wünschen sich nicht nur ‚gewöhnliche‘ Büroräume, sondern eine Art Begegnungszentrum in der Neuen Friedrichstraße. „Wir wollen dort Infoveranstaltungen organisieren, vielleicht eine Rechtsberatung. Wir haben unfassbar viele Ideen!“

Doch vorerst müssen weitere Kontaktpersonen her. Ein Pärchen wurden bereits vermittelt, zwei folgen in den nächsten Tagen. Mit weiteren Personen werden gegenwärtig Erstgespräche geführt, um eine erfolgreiche Vermittlung zu garantieren. Mitte Januar organisierte der Verein eine Informationsveranstaltung in Utopiastadt. Rund 30 Wuppertaler kamen vorbei, um sich zu informieren. „Das war toll, wir haben neue Kontaktpersonen gewonnen und Kontakte zu anderen Institutionen geknüpft“, berichtet Lana. Das Projekt der Studenten läuft gut an – jetzt hoffen sie auf gutes Feedback und und viele engagierte Wuppertaler, die für neue Freundschaften offen sind oder Lust haben, sich im Vereinsteam zu engagieren.

Kontakt:

Tel.: 015259608886
E-Mail: handinhand-ev@web.de
Web: http://www.handinhand.kontaktperson.de

Spendenkonto:

Hand in Hand – Kontaktpersonen für Geflüchtete e.V
Kontonr.: 785188, Stadtsparkasse Wuppertal
BLZ 330 500 00 IBAN: DE60 3305 0000 0000 7851 88
BIC: WUPSDE33XXX

 

Text: Hannah Florian

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