16. Dezember 2015

Winterschlaf wuppertal

Wuppertal im Winterschlaf

© rolandbarat/fotolia.com

Die Vorweihnachtszeit geht nicht an allen stressfrei vorbei. Da machen es einige Wuppertaler schon richtig, wenn sie sich für ein paar Monate rar machen. Auch unsere wechselwarmen Genossen haben sich längst in die Winterruhe zurückgezogen.

Der Schusterplatz – in den warmen Monaten das Zentrum des Geschehens am Ölberg. Groß und Klein tummeln sich hier, um die Sonnenstrahlen zu genießen, die durch die grünen Baumkronen dringen. „Herr Pauli“, meine griechische Landschildkröte, mischt sich gerne unter das Volk, spaziert fröhlich über die Wiese oder zupft gelassen am Löwenzahn.

Wenn ich jetzt aus dem Fenster schaue, ist das Grün dem Grau gewichen. Kein Kindergeschrei dringt vom Spielplatz herüber. Die Klingel des Eismannes ist verstummt. Und auch „Herr Pauli“ wird ruhiger, faulenzt unter seiner Lampe im Terrarium. Das ist die Zeit des Jahres, in der es nicht nur für die dreijährige Schildkröte wieder Zeit wird, sich in die Winterstarre zurückzuziehen. Reptilien wie „Herr Pauli“ produzieren keine eigene Körperwärme. In freier Natur sind sie abhängig von der Außentemperatur und wenn es kälter wird, beginnen sie damit, ihren Stoffwechsel herunterzufahren.

Doch trotz der Terrarien-Lampe merkt auch meine Schildkröte, dass es bald Zeit wird, im wahrsten Sinne zu „erstarren“. Dann reduziere ich die Beleuchtungsdauer im Terrarium und zwei Wochen vor der eigentlichen Winterruhe bekommt das Tierchen nichts mehr zu fressen. Die Körpertemperatur passt sich der Umgebung an, Atmung und Herzschlag verringern sich drastisch und sämtliche Verdauungsvorgänge werden eingestellt. Doch wohin mit dem Tier, wenn es so weit ist? Schildkrötenhalter, die ihre Schützlinge im Garten halten, überlassen das Tier oft sich selbst.

Dann ist das Reptil eines Tages verschwunden und wenn man im Frühjahr auf der Terrasse einen Kaffee trinkt, sitzt es auf einmal wieder neben einem auf dem Rasen. Eine andere Möglichkeit: Das Tier kommt in eine Box mit Laub und Erde und wird den Winter über im Keller oder im Kühlschrank aufbewahrt. „Herr Pauli“ wird auch dieses Jahr wieder in der Praxis von Dr. Martin Müschenich in Mettmann überwintern. Er bietet eine „kontrollierte Winterruhe für Schildkröten“ an. Hier verbringen die Schützlinge die kalte Jahreszeit in einer Box in einem Kühlschrank bei 4-6 Grad. Alle zwei bis drei Wochen nimmt der Doktor das Tier in die Hand und wiegt es.

Denn: „Wenn eine Schildkröte während der Winterstarre mehr als 10 Prozent ihres anfänglichen Körpergewichtes verliert, sollte man die Ruhephase abbrechen.“ Dann kann es sein, dass das Tier eine Erkrankung hat, die vorher nicht diagnostiziert wurde. „Wir können von den Schildkrötenhaltern nicht verlangen, dass sie alle möglichen Untersuchungen am Tier durchführen lassen, bevor wir sie in unserer Praxis aufnehmen. Das wäre viel zu teuer.“ Warum eine Schildkröte parasitenfrei sein muss, um bei Dr. Martin Müschenich überwintern zu dürfen, wie lange ich auf „Herrn Pauli“ verzichten muss und worauf zu achten ist, wenn man seine Schildkröte selbst überwintert, lesen Sie in der nächsten Ausgabe der Stadtzeitung. Außerdem: Wie andere Tiere den Winter verbringen und wie Herrchen ihre Hunde gut durch die kalte Jahreszeit bringen.

Text: Saskia Stiefeling

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