14. Dezember 2015

Diakonie obdachlos Obdachlos in Wuppertal wuppertal

Obdachlos in Wuppertal- ein hartes Schicksal

©elavuk81/fotolia.com

Diakonie kümmert sich um Menschen, die keine Wohnung haben

Der Herbst ist da und den ersten Schnee gab es auch schon. Gerade für Menschen ohne Dach über dem Kopf ist der Winter eine harte Bewährungsprobe. Hilfe finden sie bei der Diakonie Wuppertal. Vor dem Café Oberstübchen der Diakonie Wuppertal herrscht reges Treiben. Eine Gruppe Obdachloser hat sich hier in der Nordstadt zusammengefunden. Es wird geraucht, geredet und Kaffee getrunken. Wer kein Dach über dem Kopf hat, ist in der Tagesstätte gut aufgehoben, denn hier finden mittellose Menschen für ein paar Stunden täglich Wärme, Verpflegung, ein Dach über dem Kopf und frische Wäsche. So mancher kommt täglich her oder ruft zumindest an, da er bei der Diakonie eine Postadresse hat, weil die eigene Wohnung fehlt. Das ist die Voraussetzung, damit die Postadresse von den Behörden anerkannt wird: Wer z.B. ALG II (Harz 4) beziehen möchte, sollte täglich von sich hören lassen.

Seit 22 Jahren ist Werner Reschke bereits in der Obdachlosenhilfe der Diakonie tätig. Acht Jahre lang hat er Straßensozialarbeit geleistet. Nun konzentriert er sich auf die Leitung der „Zentralen Beratungsstelle für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten (ZBS), mit dem Schwerpunkt Wohnungslosigkeit“ – die erste Anlaufstelle im Tal, wenn die Obdachlosigkeit droht oder bereits eingetroffen ist.

Bestenfalls wird die Stelle aufgesucht, wenn die Wohnung noch nicht verloren ist. Das Team um Werner Reschke bemüht sich dann um die Kooperation mit dem Vermieter, hilft bei der Beantragung von Transferleistungen und Amtsgängen. „Viele wissen einfach nicht, wie man einen ALG II- oder Rentenantrag ausfüllt und sitzen deswegen auf der Straße,“  so Reschke. Hier kommen die Sozialarbeiter ins Spiel.

Momentan kümmert sich die Diakonie um 564 Obdach- oder Wohnungslose. Der Unterschied: Wer erwachsen ist und keinen eigenen Mietvertrag hat, der das Wohnverhältnis rechtlich absichert, ist wohnungslos. In diesem Fall sind die Leute oft bei Freunden oder Bekannten untergekommen. Wer schlichtweg kein Dach über dem Kopf hat und draußen übernachten muss, ist obdachlos. Am 22. Oktober waren für das laufende Jahrbei der Diakonie 966 Problemfälle erfasst, davon waren 465 Personen wohnungs- und 99 Personen obdachlos. 371 Personen waren bei Freunden bzw. Bekannten untergekommen, 94 Personen lebten in anderen prekären, ungesicherten Unterbringungen. Diese Zahlen beziehen sich auf Wohnungslose bzw. von Wohnungslosigkeit bedrohte Männer. Für diesbezüglich in Not geratene Frauen unterhält die Diakonie eine eigene Einrichtung: Das „Hopster-Fiala-Haus“. 

Natürlich gibt es auch immer Menschen, die nicht erfasst werden. Die Dunkelziffer ist für Wuppertal aber eher gering, da die Stadt relativ übersichtlich ist, erzählt Werner Reschke. „Meist handelt es sich dabei um sogenannte „EU Touristen“, also um Menschen, die zum Arbeiten nach Deutschland kommen aber nicht gemeldet sind. „Außerdem gibt es immer auch abgelehnte Asylbewerber, die die Stadt nicht verlassen.“

Circa 400 von den bei der Diakonie gemeldeten Personen sind von der Wohnungslosigkeit bedroht. Reinhard Ranke von der Stadt Wuppertal erklärt: „Wohnen ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Viele werden von der Obdachlosigkeit geradezu überrascht.“ Deswegen setzt die Stadt in enger Zusammenarbeit mit der Diakonie auf Prävention. Aufklärung wird hier groß geschrieben.

Eine enge Kooperation der Diakonie mit anderen Wuppertaler Stellen ist für den Erfolg ihrer Arbeit unabdingbar. „Seien es die Justizbehörden, die Krankenhäuser, Wohnheime, die Drogensuchthilfe, das Ordnungsamt oder die Stadtverwaltung – wir arbeiten eng mit anderen Institutionen zusammen“, so Werner Reschke.

Anja Lehrl von der Diakonie ist auf den Straßen Wuppertals unterwegs. Seit fünf Jahren ist sie Streetworkerin. Dabei sei es vor allem wichtig, „ein Vertrauensverhältnis zu den Obdachlosen aufzubauen, denn bevor dieses nicht besteht, ist es uns nicht möglich, einen Hilfsprozess einzuleiten.“ Viele wollen schlicht keine Hilfe, fühlen sich durch die Sozialarbeiterin sogar belästigt. Ranke erklärt zudem: „Etwa 70 Prozent der Obdachlosen sind psychisch krank. Viele erkennen nicht, dass sie hilfebedürftig sind.“

Deswegen ist es wichtig, auf die Menschen zuzugehen, die auf unseren Straßen „wohnen“. „Rund ein Drittel der auf der Straße Lebenden traut sich nicht, zu uns zu kommen oder ist schlichtweg nicht in der Lage dazu“, erzählt Anja Lehrl.

Wenn es wie jetzt kühler wird im Tal, kümmern sich Anja Lehrl und ihre Kollegen noch intensiver um die Obdachlosen und sind stets auf der Suche nach ihnen. Natürlich soll hier niemand erfrieren müssen. Deswegen ist es eine kommunale Pflicht, Übernachtungsstellen für Obdachlose zur Verfügung zu stellen. Die Tagesstätte Café Oberstübchen hat aufgrund mangelnder Refinanzierung nur eingeschränkte Öffnungszeiten. „Gerade, wenn es draußen kalt wird, klafft hier eine Versorgungslücke, die dringend geschlossen werden muss“, so Reschke. 

Die Stadt Wuppertal bittet die Bürger im Rahmen ihres Kältekonzepts um aktive Mithilfe, damit der Erfrierungstod von wohnungslosen Menschen verhindert werden kann. Dazu hat sie 2012 eine Hotline eingerichtet, die rund um die Uhr erreichbar ist. „Wer die Nummer nicht zur Hand hat, kann aber immer auch die Polizei anrufen“, klärt Reschke auf.

Damit auch zu Weihnachten niemand auf der Straße sitzen muss, bietet die Diakonie im Café Oberstübchen gemeinsam mit dem katholischen Seelsorger Herrn Scholl eine Weihnachtsfeier an. In der Stadthalle findet außerdem, wie jedes Jahr, eine Weihnachtsfeier für alleinstehende Menschen statt. Auch in den Notübernachtungen und in den Obdachlosenhäusern geht es weihnachtlich zu. Werner Reschke: „Da Weihnachten für viele unserer Klienten eine emotional schwierige Zeit ist, ist sowohl bei den Vorbereitungen als auch bei der Durchführung der Feiern viel Fingerspitzengefühl gefragt.“

Text: Saskia Stiefeling & Hanna Pfaff


Info:

Adresse Diakonie Wuppertal, Bereich Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten z.B.Wohnungslosigkeit: Oberstraße 36-38

Öffnungszeiten Café Oberstübchen: Mo-Do: 9 – 15 Uhr, Fr: 9-14 Uhr

Beratungsstelle: Mo-Fr: 8:30 – 12:30 Uhr, Do (zusätzlich): 14 bis 15:30 Uhr u. n. V.

Telefon: 0202 97444-401

Übernachtungsstelle für obdachlose Männer:

Friedrich-Ebert-Str. 180

42117 Wuppertal

Telefon: 0202/563-2421 

Fachberatung, Notübernachtung und Tagescafé für Frauen (Diakonie Wuppertal)

Telefon: 0202 978565115

Deweerthstraße 116

42107 Wuppertal

Kältehotline der Stadt:  0202 563 4020

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