25. November 2015

Ski Skispringen

Wuppertal bester Skispringer feiert seinen 88. Geburtstag

Paul Mehling stellte vor 56 Jahren einen Schanzenrekord auf. Mit uns sprach er über seine größten Erfolge und die schönsten Flüge.

Foto: Monika AsmusPaul Mehling zeigt die Stelle, an der es früher die Schanze gab – © Foto: Monika Asmus

 

Wir sind mit Paul Mehling zum Interview verabredet. Er möchte uns die Stelle zeigen, an der noch vor über 50 Jahren eine Sprungschanze stand. Ja, eine Sprungschanze mitten in Wuppertal, genauer gesagt in der Gelpe, im Ortsteil Wuppertal Cronenberg. Auf dem Parkplatz vor dem „Haus Zillertal“ erwartet er mich bereits. Heute bleibt es trocken, die Herbstsonne blitzt ein wenig zwischen den Bäumen hindurch. Paul Mehling ist mit seinem Motor-Roller gekommen. Lässig steht er neben seinem Zweirad und unterhält bestens gelaunt unsere Fotografin. Kaum zu glauben, dass dieser Mann in diesem Monat 88 Jahre alt wird.

Schon als kleiner Junge liebte er den Schnee. Als Kind war er schon früh aktiv im 1929 gegründeten Skiclub Cronenberg. Unter den Mitgliedern entstand recht bald nach der Gründung die Idee, eine Sprungschanze quasi direkt vor der Haustür zu bauen. Paul Mehling erinnert sich genau an diese aufregende Zeit. Fast zwei Jahre lang bauten unermüdliche Hände eine Schanze, die zu einer kleinen Sensation in der Welt des Skizirkus wurde. Denn, wenn auch vergleichsweise klein, war sie immerhin die einzige Schanze, die es überhaupt in einer Großstadt gab.

Ernst Jöcker, Gastwirt eines Restaurants im Gelpetal und Besitzer des Geländes, hatte sich 1932 bereit erklärt, den Nord-Osthang kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Schmunzelnd sitzt Mehling auf „seiner“ Bank, die an der Stelle platziert wurde, wo früher die Schanze stand. Zum 80. Geburtstag hatte er sie von Freunden als Erinnerung an seine glorreichen Zeiten als Skispringer geschenkt bekommen. Ein kleines Messingschild beurkundet die Schenkung. „Die Bank ist aus Mammutholz“, betont er stolz. Und dann schwelgt er in Erinnerungen: „Ja, dort oben war der Schanzentisch“ und zeigt hinter sich. „Der Anlauf war sehr steil. Und wer im Auslauf nicht aufpasste, landete im Gelper Bach.“ 1933 wurde die Schanze eingeweiht und schon als 10-Jähriger wagte Paul Mehling selbst seinen ersten Sprung. Auf der kleinen Schanze, die vor dem Krieg errichtet wurde, sprang er 18 Meter.

Paul Mehling lacht: „Aus Brettern von Butter- und Heringsfässern haben wir unsere Skier angefertigt. Meine Mutter war eine Blumenhändlerin. Als wir die Bretter der Heringsfässer über den Ofen hielten, um sie zu formen, stank nicht nur die Küche, sondern auch der ganze Laden!“ Im Krieg jedoch wurde die Schanze völlig verheizt. Doch Paul Mehling ließ das Projekt „Sprungschanze“ nicht in Ruhe und er motivierte erneut viele fleißige Helfer, um die Schanze wieder aufzubauen, diesmal sogar noch größer. 1948 konnte die Einweihung gefeiert werden. Und jetzt wurde die Schanze endgültig geschichtsträchtig. Die Ausbauarbeiten hatten das Ziel, einen bestimmten Radius zu erreichen, damit man letztlich auch die Zulassung des Deutschen Skiverbandes erhielt. Mit Werbeträgern auf dem Rücken und Skiern unter den Sohlen hängten sich die wintersportvernarrten Cronenberger an Autos und machten so Werbung für das nächste Sprung-Event auf der Zillertaler Schanze. „Da kamen schnell mal 500 bis 1000 Zuschauer zusammen und sorgten für eine tolle Stimmung“, schwärmt Mehling.

Doch ein Sprung ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. Die Sprünge erreichten in den 50ern Weiten von ca. 25 Metern. 1954 schaffte es ein Sportler sogar 29 Meter weit. Aber Am 17. Januar 1959 verfolgten mehrere Tausend Zuschauer vor laufenden Kameras des WDR den 33 Meter weiten Sprung von Paul Mehling, der nicht mehr überboten werden konnte. Das war und blieb ein Schanzenrekord. In den kommenden Jahren musste der Betrieb jedoch aufgrund des hohen Aufwandes und der fehlenden Wirtschaftlichkeit leider eingestellt werden. Paul Mehling war seit 1955 43 Jahre lang Vorsitzender des Skiclub Cronenbergs und ist schließlich 1997 zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden.

Aufgrund seines großen Engagements in diversen Sportverbänden erhielt er unter anderem das Bundesverdienstkreuz. Mehlings Freunde haben ihm zu seinem 90. Geburtstag einen Tisch zu seiner Bank im Zillertal versprochen. „Und ein Dach darüber zum 100.“, fügt er schelmisch hinzu. Aber zunächst wird er seinen kommenden Geburtstag wie so oft im Schnee verbringen. Ins Pitztal geht es – und das als Skilehrer des Westdeutschen Skiverbandes. Mit 88 Lenzen dürfte Paul Mehling der älteste aktive Skilehrer der Welt sein. Die Stadtzeitung wünscht dem sympathischen Wintersportler einen wunderbaren Geburtstag und „Ski Heil“!

Text: Martina Schulz

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