22. November 2015

Sparkasse Wandel

„Unsere 35 Filialen sollen Anker für die Menschen in den Stadtteilen bleiben“

Foto: Daniel Schmitt

Das Erfolgsmodell der Sparkassen ist im Wandel. Die Stadtsparkasse Düsseldorf beispielsweise schließt 18 ihrer 64 Filialen. Diese Meldung, einen guten Monat alt, ließ nicht nur in der Finanzwelt aufhorchen.

Die Ertragslage im Privatkundengeschäft habe sich gravierend verschlechtert, heißt es. Da sich die Zinsen in der Eurozone seit Jahren nahe null bewegen, ist das für die Sparkassen so wichtige Einlagengeschäft derzeit sehr unattraktiv. Hinzu kommen das veränderte Kundenverhalten hin zum Online-Banking und die zunehmende Digitalisierung. Auch die Deutsche Bank hatte kürzlich angekündigt, jede dritte Filiale schließen zu wollen, die Commerzbank hat den Prozess der Ausdünnung des Filialnetzes im Zuge der Fusion mit der Dresdner Bank bereits hinter sich.

Und wie sieht es in Wuppertal aus? Sparkassen-Chef Gunther Wölfges: „Solange wir erfolgreich sind, stehen unsere Filialen nicht zur Disposition – und wir sind erfolgreich.“ 416 Sparkassen gibt es in Deutschland. Sie führen zusammen rund 50 Millionen Sparkonten und haben damit mehr Einlagen, als sie an Krediten für Unternehmen und Häuslebauer vergeben konnten. Deshalb gerieten Sparkassen auch nicht in Not, als in der Finanzkrise die Kapitalmärkte austrockneten und Banken sich untereinander kein Geld mehr liehen. Sparkassen brauchen kein Zentralbankgeld, selbst wenn die Kreditnachfrage anzöge. Sie schwimmen im Geld ihrer Sparkunden. 25 Prozent mehr Einlagen als vor der Lehman-Pleite liegen in den Sparkassen. Die Banken mit dem roten Logo genießen Vertrauen, sie sind die Krisengewinner, auch weil sie sich an der großen Zocke anderer Geldinstitute in der Regel nicht beteiligt haben.

Das Sparkassen-System ist ein Erfolgsmodell. Dennoch ist nicht zu übersehen, dass Ertragsminderungen bedingt durch Niedrigzinsen, Gebührenabschaffungen durch Verbraucherschützer, der Zwang zu höheren Sicherheitsrücklagen und steigende Fixkosten langfristig nicht ohne Folgen bleiben können. Zudem unterscheiden sich die Sparkassen von den privaten Banken dadurch, dass die Erzielung von Gewinn nicht der Hauptzweck des Geschäftsbetriebes ist (§ 3 Abs. 3 des Sparkassengesetz NW). Leitmotiv ist vielmehr die Gemeinwohlorientierung.

Die Stadtsparkasse Wuppertal liegt mit ihrer Bilanzsumme von rund 7 Milliarden Euro deutschlandweit auf Rang 29. Im letzten Geschäftsjahr wurde ein Überschuss von 13 Mio. € erzielt. 3,2 Mio. € davon wurden an den Träger, die Stadt Wuppertal, ausgeschüttet, der Rest floss in voller Höhe in die Sicherheitsrücklage. Wachstum gab es nicht nur in der Bilanzsumme, sondern auch bei den Kundeneinlagen sowie beim Kreditvolumen.

Text: Siegfried Jähne

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